Psychologisch raffiniert: Ein Trip ohne Rückfahrschein?
Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangegangen und muss sagen: Die düstere Sogwirkung von "Wisewood" hat mich ziemlich kalt erwischt. Stephanie Wrobel entwirft hier ein Szenario, das so realitätsnah wirkt, dass es einem beim Lesen eiskalt den Rücken hinunterläuft. Die Atmosphäre: Das Setting auf der abgelegenen Insel ist fantastisch gewählt. Diese Mischung aus luxuriösem Retreat und totaler Isolation erzeugt eine beklemmende Grundstimmung. Man spürt förmlich, wie die Grenzen zwischen freiwilliger Selbstverbesserung und psychischer Manipulation verschwimmen. Wrobel fängt dieses „Sekten-Gefühl“ meisterhaft ein, ohne dabei in Klischees abzudriften. Charaktere und Handlung: Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was den Spannungsaufbau extrem unterstützt. Besonders der Kontrast zwischen den Schwestern Natalie und Kit ist spannend – man fragt sich ständig, wer hier eigentlich wen rettet oder wer vor wem geschützt werden muss. Die Charaktere sind nicht unbedingt sympathisch, aber sie sind verdammt interessant gezeichnet. Man merkt schnell, dass jede Figur ihr eigenes Päckchen aus der Vergangenheit trägt, das in der Isolation der Insel gnadenlos seziert wird. Mein Fazit: Einziger kleiner Wermutstropfen war für mich, dass sich manche Dialoge im Mittelteil etwas im Kreis drehten, um die psychologische Manipulation zu verdeutlichen. Das hat den Lesefluss kurzzeitig gebremst. Dafür punktet das Buch aber mit einem wirklich fiesen Spannungsbogen und einem Ende, das zum Nachdenken anregt. Ein Muss für Fans von subtilem Psychothriller, die lieber Gänsehaut im Kopf als Blut auf den Seiten haben.




















