Ein starkes Buch!
Lügen über meine Mutter hat mich sehr berührt. Es ist ein stilles Buch, aber eines, das lange nachhallt. Auf den ersten Blick erzählt es von der Essstörung einer Mutter in den 1980er Jahren. Eigentlich erzählt es aber von viel mehr: von struktureller Gewalt, von der Rolle der Frau, von Abhängigkeiten, Einsamkeit und der täglichen Überforderung, die viele Frauen damals tragen mussten. Besonders spannend fand ich die Perspektiv des Kindes. Die Erzählerin beobachtet genau, versteht aber vieles noch nicht vollständig. Dadurch entfaltet sich die Dynamik innerhalb der Familie Stück für Stück. Die Mutter bleibt bis zum Schluss ein wenig geheimnisvoll, was sie für mich nur noch interessanter gemacht hat. Der Vater hat mich beim Lesen immer wieder wütend gemacht. Seine Selbstüberschätzung, sein Größenwahn und die Art, wie er die Mutter entwertet und für seine eigenen Probleme verantwortlich macht, waren schwer auszuhalten. Gerade deshalb zeigt das Buch so eindrücklich, wie Ausgrenzung und Abwertung in Familien funktionieren können , oft nicht laut oder offensichtlich, sondern subtil und alltäglich. Im Zentrum steht zwar das Essen und der Körper der Mutter, doch darunter liegt eine viel tiefere Geschichte. Es geht um Trauer, um das Gefühl, nicht gesehen zu werden, und um die Einsamkeit einer Frau, deren Bedürfnisse kaum Raum bekommen. Gleichzeitig zeigt das Buch aber auch ihre Stärke. Nicht als große Heldengeschichte, sondern in den kleinen Momenten des Durchhaltens, Liebens und Weitergehens. Ein leises, kluges und unglaublich starkes Buch über Familie, Macht und die Frage, was Menschen einander antun können und trotzdem aushalten.





















































