3,75 Sterne

" In der Männer Männer-Republik" lag schon ziemlich lange in einem meiner zahlreichen SUBs. Nach der Wahl am vergangenen Sonntag und vor allem nach dem sehr gelungenen Post des KiWi-Verlags hate ich das dringende Verlangen, dieses Buch endlich zu lesen. Es beschreibt anhand von Porträts verschiedener Politikerinnen, wie gruselig frauenfeindlich der Bundestag war und - siehe Foto- wohl immer noch ist. Ich war oft sehr abgestoßen vom beschriebenen Verhalten der männlichen Politiker und ihren Bemühungen, politisch interessierte Frauen unsichtbar bleiben zu lassen. Petra Kelly fand ich besonders interessant- über sie will ich auf jeden Fall mehr erfahren. Ihre starke Beschreibung der " Rasierwasserbeamten" und des " Sees der Männer" bei den Sitzungen, wo rund 200 Männer eine dominante Rolle spielen und die wenigen Frauen nur eine dienende, fand ich perfekt auf den Punkt gebracht.
"Die klugen Frauen haben Millionen geborener Feinde, das sind die dummen Männer" -Renate Schmidt Die Doku "Die Unbeugsamen" hatte ich schon vor ein paar Jahren gesehen, und als wir für die Uni ein Projekt über Frauen in der (Kommunal-)Politik machen sollten, habe ich mir direkt das Buch dazu bestellt, um das ganze Wissen auch verschriftlicht zu haben. Ich kann das Buch eigentlich nur jedem empfehlen. Es zeigt, über welchen Hürden Frauen gehen mussten, um uns heute einige Wege zu ebnen. Erschreckend, wie wenige Jahre die Schilderungen hier erst her sind, und wie viel Sexismus in den Erzählungen steckt. Stilistisch ist das Buch jetzt nicht bombastisch, aber der Inhalt macht das wieder wett.
3,5 Sterne Inhaltlich interessant und wichtig. Im Ton mitunter anbiedernd: Seht her, ich bin ein Mann, der andere Männer kritisiert und Feminismus gut findet! Gelegentlich Wiederholungen, mitunter Selbstlob für die geleistete Recherchearbeit. Wie in den Achtzigerjahren erschließt sich mir die Verklärung von Petra Kelly nicht, zu der der Autor sich damals wie heute versteigt. Ich sehe da Parallelen zur mir ebenfalls unbegreiflichen Perzeption von Prinzessin Diana und Greta Thunberg. Diese Passagen berühren mich nicht, befremden mich eher. Auch die Einschätzung der Kohl-Ära widerspricht meinen eigenen Erinnerungen und Lebenslagen. Wenn ein Autor so starr an seinen Einschätzungen festhält und nur geringe Fehleinschätzungen für möglich hält, baut er halt auch keine Brücken, über die ich als Leser gehen kann. Also ein Buch, aus dem ich nur selektiv Nutzen ziehen kann.
Einerseits eine sehr interessante Lektüre, andererseits wieder einmal ein Mann, der uns die Welt erklärt.
Bin sehr positiv überrascht von diesem Buch! Auf sehr anschauliche und spannend Weise werden Politikerinnen portraitiert und gleichzeitig die Geschichte der deutschen Politik erzählt. Auch wenn die Amtszeiten dieser Frauen teilweise lange zurück liegen, lässt sich einiges von ihnen und aus diesem Buch lernen. Über Mut, Durchsetzungsvermögen und Ausdauer, aber auch über die Entwicklung der Politik in Deutschland und wie es zur aktuellen Lage gekommen ist.





