Ich kann überhaupt nicht sagen, dass ich das Buch nicht mochte. Jedoch fühle ich mich ein bisschen unterwältigt. Rachel Khongs Roman über die familiäre Zusammenkunft eines an Alzheimer erkrankten Geschichtsprofessors ist leider etwas hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Das Buch ist im Tagebuchformat geschrieben, was ich grundsätzlich mag. Allerdings sind die meist kurzen Einträge der 30-Jährigen Tochter und Erzählerin eher beobachtender Natur und wenig reflektiert, sodass dies eine eher nüchterne, lakonische Tonalität zur Folge hat, die eine tiefergehende Emotionalität, die man bei dem Thema Alzheimer durchaus erwarten würde, eher nicht aufkommen lässt. Über ein Jahr hinweg folgt man im Verlauf des Buches dem Familienalltag samt Höhen und Tiefen. Richtig 'ergreifend' - wie Miranda July es im Blurb beschreibt - wird es zu keiner Zeit. Irgendwie schade, denn nach meinem Gefühl wäre hier mehr drin gewesen. Die Figuren sind wirklich gut skizziert, sie sind allesamt interessant, und gerade die Vergangenheit des Vaters birgt Potential für mehr Tiefgang. Doch das war hier ganz klar nicht gewollt von der Autorin. Es ist ein gutes Buch, subtil tragikomisch an den besten Stellen, für Freunde der gepflegten Distanziertheit und trockenem Humor. Ein Roman für Zwischendurch. Wer auf der Suche nach einem bewegenden Familienroman und großen Gefühlen ist, wird hiermit wohl eher nicht glücklich.
So ein schönes, leichtes und doch tiefgründiges Buch. Ruth, die sich eigentlich immer eher aus der Familie rauszog, um ihr perfektes Kindheitsbild nicht durch die Realität zu zerstören, fährt nach einer schweren Trennung doch mal wieder über Weihnachten zu ihren Eltern. Ihr Vater leidet an beginnender Demenz, ihre Mutter leidet unter einer zerrütteten Ehe und bittet sie zu bleiben. Und so beginnt Ruth sich mit ihrer Familie, der Beziehung ihrer Eltern und ihrer eigenen zu den beiden auseinander zusetzen. Die Charaktere fand ich sympathisch, auch wenn alles ein wenig oberflächlich bleibt, aber für mehr ist auf 250 Seiten auch kaum Platz. Man schaut nicht in die Köpfe oder bekommt tiefe Einblicke in die Emotionen oder die Vergangenheit, es ist eher ein Bericht über die Gegenwart mit gelegentlichen Rückblicken, die andeuten, dass nicht immer alles einfach war. Das alles ist so liebevoll erzählt, dass es einen trotzdem berührt. Generell hat mir die Umsetzung sehr gefallen, vor allem der letzte Teil bringt einem die Charaktere emotional näher. Dadurch, dass es Tagebuchähnlich in kurze Abschnitte unterteilt ist, lässt es sich sehr leicht lesen und nur schwer aus der Hand legen (wir alle kennen das „nur noch den einen Absatz....“-Problem 😉 ).

