Sprachlich stark aber wo genau will der Autor hin?
„Nüchtern am Weltnichtrauchertag“ ist ein Buch, das sich nicht ganz festlegen will – und genau darin liegt gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche. Sprachlich bewegt es sich zwischen Tagebuch, Essay und innerem Monolog. Die Sätze sind oft kurz und direkt, fast wie hingeworfen, was dem Text eine gewisse Unmittelbarkeit gibt. Gleichzeitig fehlt es dadurch stellenweise an Tiefe oder Klarheit. Besonders auffällig sind die vielen selbstreflexiven Einschübe – Gedankenschleifen, die authentisch wirken, aber nicht immer zu einem klaren Punkt führen. Zwischendurch blitzen sehr schöne, präzise Formulierungen auf, die zeigen, was sprachlich möglich gewesen wäre, wenn der Stil konsequenter durchgezogen worden wäre. Der Humor ist leise und subtil. Kein lautes Lachen, eher ein trockenes, leicht resigniertes Schmunzeln. Viel Selbstironie, kleine absurde Alltagsbeobachtungen, die nebenbei eingestreut werden. Das funktioniert gut, wenn man diese ruhige, unaufdringliche Art von Humor mag – wer klare Pointen erwartet, wird eher enttäuscht. Inhaltlich geht es weniger um den konkreten Anlass als um etwas Größeres: Gewohnheiten, Kontrolle und die Frage, was passiert, wenn man sich selbst etwas entzieht, das lange selbstverständlich war. Der Weltnichtrauchertag wird dabei eher zum Symbol für Veränderung – und für die Ambivalenz, die damit einhergeht. Der Autor zeigt sehr ehrlich, dass Veränderung selten geradlinig oder heroisch ist, sondern oft widersprüchlich, zäh und unspektakulär. Das Buch liefert keine klaren Antworten, sondern bleibt bewusst im Offenen. Das wirkt authentisch, aber auch stellenweise etwas ziellos. Fazit: Kein Buch, das einen umhaut, aber eines, das nachwirkt – wie ein ruhiger, leicht verregneter Spaziergang, bei dem man nicht genau weiß, wohin man unterwegs ist, aber trotzdem ein Stück bei sich selbst ankommt.



