
„Die Herrlichkeit des Lebens“ von Michael Kumpfmüller habe ich als leise, berührende und sehr zärtliche Liebesgeschichte über Franz Kafka und Dora Diamant erlebt – ein stilles, konzentriertes Buch, das den Abschied vom Leben erstaunlich leicht und hell erscheinen lässt.
Der Roman spielt in Kafkas letztem Lebensjahr: 1923 lernt der schwer kranke Franz am Ostseestrand die junge Dora Diamant kennen, und aus einer zufälligen Begegnung wird eine große, späte Liebe. Sie leben in Berlin in sehr einfachen Verhältnissen, kämpfen mit Geldsorgen, politischer Bedrohung und Kafkas immer schlechter werdender Gesundheit, und doch entsteht zwischen ihnen eine Form von Alltag, die Nähe, Humor und einen fast sommerlichen Ton hat. Kumpfmüller konzentriert sich dabei nicht auf das Geniewort „Kafka“, sondern auf Franz als Mensch: verletzlich, unsicher, eigensinnig, vorsichtig glücklich. Mich hat besonders angesprochen, wie schlicht und klar die Sprache ist: kurze, unaufgeregte Sätze, viel Zwischenraum, viel Ungesagtes. Die Dialoge sind knapp, aber dicht, die Gefühle werden eher angedeutet als erklärt, was dem Buch eine große Intimität gibt. Krankheit, Vergänglichkeit und Tod sind ständig präsent – und dennoch bleibt der Schwerpunkt auf den kleinen Momenten des Glücks: gemeinsames Kochen, Spaziergänge, das Teilen von Witzen und Briefen. Das macht die Lektüre nicht deprimierend, sondern erstaunlich tröstlich. „Die Herrlichkeit des Lebens“ ist für mich weniger ein klassischer biografischer Roman als eine poetische Imagination dessen, wie dieses letzte Jahr ausgesehen haben könnte. Wer sich für Kafka interessiert, bekommt hier keinen Quellenkommentar, sondern eine feinfühlige Annäherung an einen sterbenden Mann, der im Angesicht des Todes noch einmal wirklich zu leben beginnt. Ein zartes, konzentriertes Buch, das langsam wirkt und lange nachhallt.









