Wenn Kinder den Halt verlieren 
Wenn Kinder schwere Schicksal erleiden, gehen Sie unterschiedlich damit um. Manche ziehen sich zurück, werden anhänglich oder sind von Angstzuständen geplagt. Oder sie schlagen ins aggressive Gegenteil um. Sascha möchte morden! Denn Vadim hat ihre Mutter und deren neuen Freund umgebracht. Natürlich ist das niederträchtige Verbrechen auch nach zwei Jahren nicht vergessen. Weder bei Sascha, die eigentlich Alexandra heißt, noch bei ihren Geschwistern, Anton und Alissa, die unterschiedlich damit umgehen und die ebenfalls ihre Mutter aber auch ihren Vater verloren haben, der jetzt im Gefängnis sitzt. Als ein Zeitungsartikel mit einem Interview von Vadim erscheint, kocht die Wut bei Sascha über. Sie läuft in die Redaktion und lernt dort Volker kennen. Es entsteht erst eine Bekanntschaft, die auf Mitleid fusst. Die Beziehung zum viel älteren Mann scheint ihr Schutz zu bieten. Sie kommt bei ihm unter und lernt dessen Sohn kennen. Sie die Männer hasst und sich von ihnen abgestoßen fühlt, bekommt so etwas wie Geborgenheit in diesem Männerhaushalt. Dieser Plot ist so ambivalent wie seine Protagonistin. Die hochbegabte  Sascha versucht mit Wut und Sarkasmus, ihr schreckliches Schicksal zu meistern. Dabei eckt sie überall an. Bei Konflikten geht sie in die Vollen. Sie ist 17 Jahre alt und lebt in dem Bewusstsein, niemanden mehr zu brauchen. Das macht sie gleichzeitig stark aber auch unglaublich verletzlich. Versehrt an Leib und Seele hat sie einen ungesunden Umgang mit ihrem Körper. Sie erkennt ihre Grenzen nicht, was sie ein ums andere Mal geschunden zurücklässt. Sie wirkte auf mich wie eine Nuss, die man nicht knacken kann. Gibt man ihr Freiheit will sie Nähe, gibt man ihr Nähe bricht sie aus. Will man sie lieben fährt sie ihre Stacheln aus, sucht aber nach Liebe, sobald man eine Grenze zieht. Diese junge Seele ist sehr zerrissen und ziemlich allein. Mich hat das sehr betrübt. Die Nebenfiguren wirken neben dieser omnipräsenten jungen Frau sehr blass. Als Volker in einer Situation nach meinem Empfinden eine Grenze überschreitet, fehlte mir das Verständnis. Insgesamt treten sehr viele Personen in Erscheinung, aber keine Person hinterlässt einen tiefgreifenden Einfluss. Der Stil von Alina Bronsky ist unverkennbar und wirkt hier noch sehr frisch und jung. Das Ende hat mich leider nicht für sich einnehmen können, ist aber konsequent, wenn man die anderen Werke der Autorin kennt. Sie ist keine große Freundin von klaren Enden  Der Roman ist harter Stoff, dafür dass es Schullektüre ist, aber mit vielen Diskussionsanlässen ausgestattet. Ich spreche eine Empfehlung aus für alle, die einen kratzigen und direkten Sound mögen und auf der Suche nach einer sehr besonderen Protagonistin sind






















