Ähnlich Anstrengend wie Amalthea
Warum ich in der Überschrift den Vergleich zu Amalthea mache, ist ganz leicht: Zwar erleben wir in Limit nicht direkt einen Weltuntergang, aber zumindest dessen Vorboten – vor allem, was das Thema Energie betrifft. Außerdem konnte ich den Vergleich ziehen, weil Schätzing in diesem Buch in vielerlei Hinsicht genauso detailreich schreibt, wie es Neal Stephenson in Amalthea getan hat. Und das muss ich leider sagen: Für mich ist das nicht immer positiv. Man merkt, dass sich der Autor teilweise zu sehr in Details verliert und das Buch dadurch unnötig in die Länge gezogen wird. Ich mag es lieber, in der eigentlichen Geschichte zu bleiben und nicht ständig mit Nebensächlichkeiten beschäftigt zu sein. Daher gebe ich auch offen zu, dass ich einige Passagen überflogen habe. Schnellleser wissen, auf welche Methode man dabei zurückgreift. Sobald wieder eine spannende Stelle auftauchte, bin ich direkt wieder in die Story eingestiegen. Diese Art zu lesen wende ich natürlich nicht bei jedem Buch an, sondern nur bei denen, die sich merklich anstrengend lesen. Trotzdem bin ich durch dieses Buch – trotz seiner über 1000 Seiten – regelrecht geflogen. Die Story an sich ist nämlich stark und unglaublich vielfältig. Eigentlich lesen wir keinen klassischen Science-Fiction-Thriller, sondern eher einen Gesellschafts- und Wirtschaftskrimi. Es gibt in diesem Buch fast nichts, das es in der realen Weltpolitik nicht auch gibt: Machthunger, Sabotage, Spionage, aber eben auch Visionäre und Pioniere. Wir erleben gute Figuren. Besonders Julian Orley hat mir sehr gefallen. Aber auch Jericho und Yoyo machen als Protagonisten eine starke Figur. Der Roman ist in viele verschiedene Handlungsstränge aufgeteilt. Einerseits erleben wir ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Jericho und Yoyo, andererseits verbringen wir viel Zeit im Weltraum. Außerdem sehen wir China als die Supermacht, die es heute tatsächlich geworden ist. Dabei muss man bedenken, wann dieses Buch geschrieben wurde. Es war schon sehr visionär, China als dominanten Gegenspieler der USA zu etablieren. Auch sonst lassen sich viele Parallelen zur heutigen Welt ziehen. Beispielsweise erinnert Orley Enterprise stark an SpaceX. Schätzing hat hier wirklich visionäre Arbeit geleistet, die ironischerweise im Jahr 2025 – dem Jahr, in dem das Buch spielt – erstaunlich nah an der Realität wirkt. Auch die Geschichte um Helium-3, um die sich letztlich alles dreht, ist spannend. Diese revolutionäre Energiequelle erscheint absolut nachvollziehbar als Machtinstrument: Wer sie kontrolliert, kontrolliert gleichzeitig das Weltgeschehen. Deshalb gibt es von mir trotz allem 3,5 Sterne, auch wenn das Buch stellenweise sehr langatmig ist. Ich wüsste wirklich gerne, wie Schätzing heute darüber denkt, mit diesem Buch in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Für Fans von Sci-Fi, Weltraumgeschichten oder politischen Thrillern würde ich dieses Buch definitiv empfehlen. Meiner Meinung nach richtet es sich allerdings eher an eine spezielle Zielgruppe und ist vielleicht nicht ganz so leicht zugänglich für die breite Masse.












