17. Mai
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Sterne
Rating:5

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Sterne

Am 19. Dezember 2024 endete mit dem Pelicot-Prozess der größte Vergewaltigungsprozess unseres Jahrhunderts. In diesem tagebuchartigen Bericht blickt Caroline Darian, Tochter des Opfers Gisèle und des Täters Dominique Pelicot, auf die traumatische Zeit des Verfahrens zurück. Sie beleuchtet mutig die Lücken im Ermittlungsverfahren, die sie auch selbst betreffen: Ihr Vater hat sie betäubt und fotografiert, schweigt jedoch beharrlich dazu, ob er sie auch missbraucht hat. Ein Schweigen, das Caroline ebenso hart trifft wie die Reaktion ihrer Mutter. Trotz des eigenen Schmerzes führt sie ihren unerschütterlichen Kampf gegen die „chemische Unterwerfung“ fort, um Opfern ohne Beweise eine Stimme zu geben und die Gesetzeslage nachhaltig zu verändern. ✨ Meine Meinung: Nachdem ich “Eine Hymne an das Leben” beendet hatte, bin ich direkt auf dieses Werk gestoßen und musste es einfach sofort lesen. Und was soll ich sagen? Auch diese Erzählung ist absolut erschütternd, schmerzhaft und streckenweise kaum zu ertragen. Es ist eine ganz andere, extrem düstere Perspektive auf den Fall. Während Gisèle Pelicot durch den Prozess eine Stimme fand, zeigt dieses Buch die zerstörerische Kraft, die das Verbrechen auf die gesamte Familie hatte. Carolines persönlicher Kampf ist unvorstellbar hart. Dass sie trotz der Ungewissheit und des grausamen Schweigens ihres Vaters die Stärke aufbringt, an die Öffentlichkeit zu gehen und gegen die „chemische Unterwerfung“ zu kämpfen, verdient ein hohes Maß an Respekt. Ich bin ehrlich gesagt immer noch völlig sprachlos und merke, wie schwer es mir fällt, meine Gedanken und Emotionen nach dieser Lektüre richtig zu sortieren. Ein Buch, das einen tief erschüttert zurücklässt.

Ich kämpfe für die Wahrheit
Ich kämpfe für die Wahrheitby Caroline DarianKiepenheuer & Witsch
18. Apr.
Rating:5

Die Scham muss die Seite wechseln.

Auch wenn man weiß, wie diese Männer mit Frauen umgehen – sie denken, sie könnten es einfach machen, weil es ja nur eine Frau oder ein Mädchen ist, kein Mann und auch kein Junge. Und doch wissen sie genau, dass es falsch ist. Sie tun empört, wenn ähnliche Fälle in den Medien kommen, und machen dennoch immer weiter. Sie werden dreister und dreister, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Denn dann werden sie ganz klein, gestehen nur winzige Fehler ein und denken sich die dümmsten Ausreden aus, um im besten Fall straffrei aus der Sache herauszukommen.

Ich kämpfe für die Wahrheit
Ich kämpfe für die Wahrheitby Caroline DarianKiepenheuer & Witsch
16. Apr.
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Rating:4

Caroline Darian ist die Tochter von Gisèle Pelicot und ebenfalls Betroffene der schrecklichen Taten, die Dominique Pelicot seiner Familie angetan hat. Nachdem die Taten bekannt wurden, schrieb Caroline ihr erstes Buch zur Verarbeitung der Ereignisse, “Und ich werde dich nie wieder Papa nennen”. In der Folge erhielt sie etliche Zuschriften von anderen Frauen, die ebenfalls Opfer von sexualisiertem Missbrauch wurden, oft im familiären Kontext. Nun, nach Abschluss des Prozesses rund um die Vergewaltigungen ihrer Mutter, hat Caroline Darian ihr zweites Buch geschrieben. Auf 176 Seiten nimmt sie Bezug auf den Prozess, auf den Ekel, die Wut, die Ohnmacht und alle anderen Emotionen, die währenddessen bei ihr und ihren Familienmitgliedern ausgelöst wurden. Dabei geht sie mehrmals auf die Enttäuschung ein, die sie erlebt hat, als ihre eigene Nebenklage nicht zur gewünschten Anerkennung geführt hat. Caroline bleibt nicht beim Prozess stehen, sondern fokussiert sich stark darauf, wie es weitergehen muss: sie klärt auf über die Tat der chemischen Unterwerfung (vor allem mit Verweis auf ihr erstes Buch), die im Pelicot-Prozess eine sehr große Rolle gespielt hat. Gemeinsam mit anderen Frauen hat sie nun einen Verein namens “M’endors pas” gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, über die chemische Unterwerfung aufzuklären und schnellere, leicht verfügbare Tests großflächig zur Verfügung zu stellen. Das Buch von Caroline Darian ist deutlich pointierter und wütender als das ihrer Mutter. Es ist ein anderer Umgang mit den Geschehnissen und dem Zusammenbruch ihrer Familie. Beide Umgangsweisen haben ihre Berechtigung, beide sind lesenswert und für mich absolut nachvollziehbar. Caroline bezeichnet dieses Buch selbst als “Manifest” und ich denke, wir können uns alle glücklich schätzen, dass sie nach allem, was ihr angetan wurde, die Kraft findet, um dafür zu kämpfen, dass anderen Betroffenen künftig besser geholfen werden kann. Übersetzt von Michaela Meßner und Grit Weirauch.

Ich kämpfe für die Wahrheit
Ich kämpfe für die Wahrheitby Caroline DarianKiepenheuer & Witsch
27. März
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Eigentlich dachte ich, dass Buch wäre mal etwas komplett anderes und ich wäre „raus aus meiner Komfort-Zone“. Aber ich hab das Buch als Hörbuch gehört und es fühlt sich an als würde man einem sehr intensiven True-Crime Podcast in Überlänge lauschen. Die Geschichte ist wie erwartet intensiv, emotional und sehr schmerzhaft. Obwohl es so kurz ist, ist es nichts zum mal nebenbei hören. Es braucht und verdient volle Aufmerksamkeit! Es dreht sich hier nicht alles um die Taten allein, sondern auch sehr viel um das Schweigen des Täters und was das in einem Opfer auslösen kann. Der Gerichtsprozess wurde auch sehr interessant beschrieben und natürlich ist das keine „objektive“ Berichterstattung, aber das erwartet glaube ich auch keiner. Ich fand es auf jeden Fall richtig interessant! Es ist echt harte Kost, aber man merkt der Autorin an, dass sie eine Kämpferin ist und ihr Engagement ist wirklich bewundernswert! Wer sich für True Crime und insbesondere für diesen Fall interessiert, dem kann ich es empfehlen.

Ich kämpfe für die Wahrheit
Ich kämpfe für die Wahrheitby Caroline DarianKiepenheuer & Witsch
1. Feb.
Rating:5

Dieses Buch macht wütend und traurig zugleich!

Mit "Ich kämpfe für die Wahrheit" knüpft Caroline Darian an ihr Buch "Und ich werde Dich nie mehr Papa nennen" an. Wir erleben, wie Caroline durch Aufschreiben verscucht, die Geschehnisse um ihre Mutter Gisèle Pelicot und ihren Vater Dominique aufzuarbeiten. Sie schildert in diesem Buch den Ablauf des Prozesses um den Mann, der seine Frau unter Betäubung von anderen Männern vergewaltigen ließ, auch sie selbst, ihr Neffe und andere Familienmitglieder zählen zu den Opfern. Sie beschreibt außerdem den Zusammenhalt innerhalb der Restfamilie. das Entsetzen über den Vater, als noch mehr fürchterliche Ereignisse zutage treten. Dazu erfahren wir in diesem Buch mehr über die Gründung ihres Vereins "MendorsPas - Stop à la soumission chimique" und dessen Unterstützung quer durch Gesellschaft und Politik. Auch dieses Buch hat mich wieder sehr berührt. Wie kann eine Frau nur damit fertig werden, dass ihr Vater ein Monster ist? Darian schreibt darüber, aber vergessen wird sie wohl nie können. Umso mehr beeindruckt ihr Engagement im Verein für Frauen, denen ähnliches widerfahren ist. Das Thema sexueller Missbrauch ein Thema, das in Frankreich offensiver bekämpft wird als in Deutschland. Der Begriff "Chemische Unterwerfung" steht in Frankreich z.B. auch im dortigen Duden, in Deutschland findet man einen Verweis lediglich in einem Wikipedia-Artikel über K.O.-Tropfen. Das macht wütend und traurig zugleich! Wenn ich mir hierzu den § 177 StGB durchlese, insbesondere das Strafmaß mit bis zu 5 (!!!) Jahren, werde ich noch wütender. Chemische Unterwerfung zählt zum Punkt Nötigung! Ich wage, die Behauptung aufzustellen dass, wenn die Hauptbetroffenen Männer wären, dieser § 177 längst überarbeitet worden wäre....Dominique Pelicot als Haupttäter hat immerhin 20 Jahre Haft, seine mehr als 50 Mittäter sind teilweise freigesprochen worden. Das auch deswegen, weil deren Strafverteidiger (darunter auch Frauen!!!) sich nicht gescheut haben, den Opfern eine Mittäterschaft zu unterstellen. Auch hier sind am Ende des Buchs viele Anlaufstellen für betroffene Frauen in Deutschland aufgeführt. Stellen, die helfen und zuhören. Eine der Anlaufstellen ist auch für Männer aufgeführt. Wer allerdings bereits persönlich betroffen ist oder war, sollte sich auch hier genau überlegen, ob er das Buch lesen will. Die Seite des Vereins "MendorsPas" ist auf jeden Fall einen genaueren Blick wert, leider gibt es die Seite nur in französischer und englischer Sprache. Vielen Dank für dieses Buch an die Autorin und meinen Respekt an sie persönlich und ihr Engagement!

Ich kämpfe für die Wahrheit
Ich kämpfe für die Wahrheitby Caroline DarianKiepenheuer & Witsch
14. Jan.
Rating:5

In ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis zum Start des Prozesses gegen ihn. Ihr zweites Buch – „Ich kämpfe für die Wahrheit“ – schildert nun in Tagebucheinträgen den erschütternden Prozess und seine unmittelbaren Folgen. Die deutsche Übersetzung stammt von Michaela Meßner und Grit Weirauch. Am 19. Dezember 2024 wurde Dominique Pelicot zu 20 Jahren Haft verurteilt, doch für seine Familie wird ihr Leben trotzdem nie wieder sein, wie es vorher war. Wo schon ihr erstes Buch schwer zu ertragende Wahrheiten enthielt, kommen hier noch weitere ans Licht. Es gilt als erwiesen, dass Pelicot neben seiner Frau auch seine Tochter und Schwiegertöchter heimlich und gegen ihren Willen in kompromittierenden Posen fotografiert hat; auch seinen Enkel*innen soll er sich unsittlich genähert haben. Doch der Täter schweigt oder redet sich heraus und nimmt seiner Familie so die Chance, den Fall aufzuarbeiten und vielleicht irgendwann hinter sich lassen zu können. Umso perfider, dass er selbst ein Buch über sein Leben veröffentlichen will. Caroline Darian lässt uns erneut an ihrer Verzweiflung teilhaben und zeigt, wie sich Menschen im Verlauf des Prozesses verhalten haben. Egal, ob es die Täter sind, die die vor dem Gerichtsgebäude versammelten Feministinnen beleidigen, ob es Anwälte sind, die Opfer verunglimpfen oder Journalisten, die Carolines Auftritt vor Gericht als „würdelos“ empfinden, weil sie Emotionen zeigt. Diesem Gefühl der Machtlosigkeit tritt sie nun mit anderen Frauen und ihrem Verein „#MendorsPas: Stop à la soumission chimique“ entgegen, indem sie sich dafür einsetzt, dass die so genannte chemische Unterwerfung bekämpft wird. Es muss sich endlich etwas ändern! Traurig war für mich zu lesen, wie Gisèle Pelicot selbst sich ihrer Familie gegenüber im Prozess verhalten hat – aber vermutlich fällt es aus einer unbeteiligten Position auch einfach leicht, zu urteilen. Ein starkes Buch von einer Frau, die der Hölle, durch die sie gegangen ist, etwas Positives abringen will

Ich kämpfe für die Wahrheit
Ich kämpfe für die Wahrheitby Caroline DarianKiepenheuer & Witsch