On/Off
In vielen Kunstrichtungen begegnen uns Paare, die sich nicht gut tun und doch nicht voneinander lassen können. Ich frag mich dann immer, wie viel Seelenfrieden man opfern möchte, nur weil man einen Mann oder eine Frau besitzen will. Genau um diese Art Besessenheit geht es im neuen Roman von Dana von Suffrin Toxibaby liebt Herzchen und Herzchen liebt Toxibaby. Das wird uns schon direkt auf den ersten Seiten versichert. Am Ende weiß man, dass man eine der schlimmsten Liebesgeschichten aller Zeiten gelesen hat. Und ich hab’s geliebt! Denn die beiden pflegen ihre „On/Off“ Beziehung mit einer Obsession die Seinesgleichen sucht. Das ist nicht neu in der Literatur, aber selten wurde es mit so einer Deutlichkeit beschrieben. 13 mal haben sich die beiden getrennt und wieder versöhnt. Aus der Sicht von Herzchen erfahren wir, wie diese Eskapaden von statten gingen. Das Kennenlernen, die kleinen und großen Konflikte sowie die überzeugenden Argumente, die besonders Herzchen immer wieder zur Hand hat, fühlen sich an wie ein gelebter Beziehungs – Albtraum – für mich zumindest. Herzchen sieht das ganz anders. Zuckerbrot und Peitsche ist ihre Devise. Komm her und geh weg. Dabei schildert sie ihre Lügen und Tricksereien und wirkt dabei unglaublich reflektiert. Gleichzeitig merken wir, dass das eine der Schein ist, den sie für sich aufrecht erhalten möchte. Toxibaby hingegen gehört eher zu der Sorte „mega abgeklärt“. Er scheint zwar ein großes Suchtproblem zu haben, doch da Herzchen nicht gerade eine zuverlässige Erzählerin ist, kann man das und überhaupt alles, was sie über ihn schildert, infrage stellen. Somit ist relativ schnell klar, dass nicht unbedingt der Mann hier die toxische Person sein muss. Das spiegelt so ein bisschen die Erfahrung wieder, die man erlangt, wenn im engeren Freundeskreis die Trennung eines Paares passiert. Meist hört man nur eine Seite, kommt eine zweite dazu ist man eher verwirrt und am besten hält man sich aus allem raus. Das gelingt uns hier natürlich gut, denn auch wenn man die, die Protagonistin anschreibt, dass das jetzt wohl nicht Ihr Ernst sein kann, bringt das natürlich nicht durch die Buchstaben in die Geschichte. Niemand ist hier sonderlich sympathisch. Trotzdem möchte man Herzchen ab und zu in den Arm nehmen und ihr sagen: „Mädel, nimm deine Beine in die Hand und renn“ , ihre Therapeutin versucht es zumindest mal im Ansatz. Von Suffrin ist hier etwas gelungen, was ich selten erlebt hab. Der poetryslamartige Sound dieses Monologs hat mich vom ersten Satz an abgeholt. Die Ironie und die Süffisanz, mit der die Erzählerin auf Ihren Partner blickt, entbehrt manchmal jeder Logik und macht das Ganze zu einem großen Spaß. Natürlich ist eine Bitternis zwischen den Zeilen, die ich mir ab und zu ganz bewusst ins Gedächtnis rufen musste, damit ich sie noch wahrnehme. Denn schön ist das, was zwischen den Buchdeckeln passiert auf gar keinen Fall. Aber sprachlich ist es genau diese Art von Exzellenz, die ich sehr zu schätzen weiß - ausgefeilt und erfrischend anders, aber trotzdem zu jederzeit zugänglich! Ich habe das so gerne gelesen und das größte Vergnügen hatte ich, wenn ich mir die Zeit nahm und den Text laut vor mich hin zelebrierte. Ich liebe es, wenn ich das Gefühl bekomme, schlauer zu sein als die Menschen, die mir ihre Geschichte erzählen und das hat Herzchen mehr als einmal geschafft. Ich weiß, das zeugt von genau der Arroganz, die die Protagonistin hier selbst an den Tag legt. Aber vielleicht ist genau das der Punkt! Vielleicht sind wir beide Schwestern im Geiste. Wenn ihr also auch mal in ein Buch fallen möchtet, dass euch viel Raum für amüsiertes Kopfschütteln bietet und gleichzeitig sprachlich brilliert, dann empfehle ich euch dieses Buch wirklich sehr.














