
Erst gehört und dann gelesen - Große Empfehlung!
Das Buch "Kinder Minderheit ohne Schutz. Aufwachsen in der alternden Gesellschaft" beschreibt unter anderem, dass Kinder und Jugendliche heute in einem Zustand aufwachsen, der von vielen Krisen geprägt ist, deren Folgen auch für sie real werden. Spannend ist an dieser Stelle auch die Digitalisierung und die mediale Dauerpräsenz dieser Themen. Besonders eindrücklich fand ich das Beispiel der "übersehenen Generation" (Jahrgang 2007), für die dieser Krisenzustand fast schon zu einem Normalzustand geworden ist. Gleichzeitig zeigt das Buch, dass junge Generationen politisch oft nicht ausreichend gesehen und ernst genommen werden. Fachlich sehr fundiert appelliert es daran, Kinder wieder stärker in das Zentrum politischen und gesellschaftlichen Denkens zu rücken. Gesellschaft und Räume "vom Kind her denken". Besonders sensibilisierend fand ich den Gedanken, dass Kinder einen großen Teil ihres Lebens in Sonderumwelten wie Schule oder Kita verbringen und dass daraus eine besondere Verantwortung für pädagogische Einrichtungen entsteht. Schulen und Bildungseinrichtungen müssen deshalb mehr sein als reine Lernorte und sich zu attraktiven Lebensorten entwickeln, in denen Partizipation, Kompetenzentwicklung und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen. Durch einen Vortrag von Aladin El Mafaalani in Kassel habe ich nochmal einen persönlicheren Eindruck von den Themen des Buches bekommen. Er hat sehr deutlich gemacht, dass die Veränderungen im Bildungsbereich auch für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte eine große Herausforderung sind. Vieles von dem, was man selbst über Schule und Bildung verinnerlicht hat, muss dabei noch einmal überdacht und neu gedacht werden. Besonders im Hinblick auf den Ausbau von Ganztagsangeboten geht es darum, Schule als einen Ort zu gestalten, der Kinder umfassend fördert. Dazu gehört auch, ihnen Zugänge zu Bereichen wie Musik, Kultur oder anderen Bildungsangeboten zu ermöglichen, die für Kinder aus Familien mit mehr kulturellem und sozialem Kapital oft selbstverständlich sind. Im Kontext Schule kann angesetzt werden, um an Ungleichheitsverhältnissen zu arbeiten und mehr Möglichkeiten für alle zu eröffnen. Gleichzeitig bedeutet Ganztag, Kinder über den ganzen Tag hinweg als Persönlichkeiten in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und ihre unterschiedlichen Lebenslagen mitzudenken. Sie sind nicht "nur" Schüler*innen. Stichwörter zur weiteren Recherche: Superdiversität, Multiprofessionalität, Multifunktionalität, Fragmentierte Kindheiten. Klare Empfehlung!




















