26. Okt.
Rating:5

Was ein Ende!

Oh Mann – was war das denn bitte? In „Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“ begegnen wir Helene, einer Frau, die ihren Mann verloren hat und nun alleine mit den drei gemeinsamen Kindern das Leben bestreitet. Ihr Mann war damals bei der Arbeit auf See „von Deck gegangen“ – gefallen, gestürzt, verschwunden. Die Leiche wurde nie gefunden. Es gab keinen Abschied. Nur die Annahme, dass er tot ist. Nach dem Tod ihres Mannes wird sie von einem Verehrer aus alten Zeiten in die Oper eingeladen. Nach langer Überlegung sagt sie zu. Doch in eben dieser Oper begegnet sie einem Mann, der ihrem verstorbenen Mann aufs Haar gleicht. Und sie ist völlig aus der Bahn geworfen, als sie schnurstracks auf ihn zu geht… Was folgt, ist keine klassische Trauergeschichte, sondern ein literarischer Strom aus Gedanken, Erinnerungen, Emotionen, Zeitsprüngen, Träumen, Begegnungen – die irgendwo zwischen Realität und innerer Welt spielen. Die Grenzen verschwimmen, vermutlich absichtlich. Als Leserin musste ich mich oft konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren – und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hat mich die Sprache tief berührt. Der Schreibstil ist fordernd: poetisch, fragmentarisch, manchmal verwirrend. Man hat das Gefühl, zwischen zwei Welten zu schweben – genauso wie Helene es tut. Und obwohl die Sprache eher nüchtern und kühl wirkt, konnte ich mich erstaunlich gut in sie hineinversetzen. Ihre Wahrnehmung ist getrieben von Sehnsucht, Schmerz und unbeantworteten Fragen. Ich habe mit Helene mitgefühlt, mitgelitten, mitgehofft. Ein besonders ergreifender Moment, der mir lange im Kopf geblieben ist, war die Szene, in der Helene ihren Kindern erklärt, dass ihr Vater tot ist: „Er kommt nie wieder.“ Felix sah zu mir auf. Für ihn war es am schlimmsten, dass ich weinte. Hanna fragte, ob nie das Gleiche bedeutet wie unendlich. Und als ich nickte, sagte sie, dann ist er ja unendlich weit weg. Ich nickte wieder. Da weinte Hanna auch. Unendlich war mehr, als sie sich vorstellen konnte. Unendlich war unwiederbringlich.“ Diese Stelle hat mich sehr berührt. Das Ende des Romans hat mich irgendwie aufgewühlt: Es ist offen und vieldeutig – und lässt einen mit Schwere, aber auch mit einer stillen Art von Trost zurück. Während des letzten Satzes hatte ich ein Lächeln auf den Lippen, doch der vorletzte Satz hat mich innehalten lassen. Er zwingt einen, nochmal alles zu überdenken. Dieses Buch ist keine leichte Lektüre. Es verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf etwas Neues und ungewohntes einzulassen. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einer emotional dichten, sprachlich kraftvollen und zutiefst menschlichen Geschichte belohnt. Fazit: Das Buch ist weder lang noch ausschweifend, aber es trifft ins Herz. Ich fand es wirklich gut – auch wenn mich der Schreibstil manchmal irritiert und herausgefordert hat.

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf
Der Tag, an dem ich meinen toten Mann trafby Robert HabeckKiepenheuer & Witsch
6. Sept.
Rating:4

Ein spannendes Buch eines tollen Autors und grossen Politikers - Ausgang offen: 👍👍👍👍

Robert Habeck und Andrea Paluch erzählen in ihrem Roman die Geschichte einer Frau, die in der Oper ihren toten Mann traf: «Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf» Welche Art von Fiktion schreibt jemand, der Jahre später als erster grüne Wirtschaftsminister von Deutschland Geschichte schreibt? Wieso heisst der tote Mann im 2005 erscheinen Roman Robert? Und wieso heisst der Mann, der anderthalb Jahre nach seinem Unfalltod in der Oper auftaucht, Torben? To be or not to be, that is the question. Ein Buch über Unsicherheit, Vergänglichkeit und «Bilder, die wir voneinander haben». Und endlich ein Buch eines Autorenduos, ✅

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf
Der Tag, an dem ich meinen toten Mann trafby Robert HabeckKiepenheuer & Witsch
23. Mai
Rating:2

Na ich weis ja nicht… Der Schreibstil war auf jeden Fall wild🤔 Obwohl es nur eine Kurzgeschichte war, war es so schwer da konzentriert dabei zu bleiben. Ständig waren die Sätze in wildem Zusammenhang. Ich versteh den Ansatz, man wollte die schnellen Gedankensprünge darstellen aber das dauerhaft durchzuziehen? Wie sehr möchte man einen lesenden quälen?! Auch teilweise die sprachliche Veranschaulichung ist schon etwas eingestaubt, aber gut das Buch ist Anfang 2000 erstmals erschienen und die Autoren sind auch keine modernen Schreiberlinge wie im heutigen 2025, dennoch auch hier leider zu anstrengend zum lesen. Es hat einfach wenig Spaß gemacht dranzubleiben. Inhaltlich war es für mich auch kein Überflieger. Der Klappentext lies spannendes vermuten und am Ende steht man da und denkst sich „das war es jetzt, es wird gar nicht ausgelöst“? Ich mag keine Bücher in denen sich der Leser selbst ausmalen kann, ob es jetzt so ist oder nicht. Das ist für mich immer verschwendete Lesezeit. Natürlich gehe ich stark davon aus das Torben Robert ist. Wahrscheinlich wollte er ein neues Leben und hat es dann bereut oder er hat wirklich einen Gedächtnisschwund erlitten und erinnert sich nur wenig. So oder so, es war kein zufrieden stellendes Buch.

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf
Der Tag, an dem ich meinen toten Mann trafby Robert HabeckKiepenheuer & Witsch
19. Juli
Rating:3

schnell und gut zu lesen, spannend aber leider ein paar Schwächen

Der Klappentext klingt viel versprechend und fasst das Buch sehr gut zusammen. Denn Helene und der Leser wissen bis zum Schluss nicht was da eigentlich passiert. Die Geschichte ist spannend und flüssig geschrieben. Man kann der grundlegenden Handlung gut folgen auch wenn Helenes Handlungen und Gedanken oft nicht ganz nachvollziehbar sind. Sie steht im Mittelpunkt der Handlung und stößt ihren Mitmenschen meines Erachtens nach häufig vor den Kopf. Es geht um sie und die Gefühle der anderen scheinen ihr an mancher Stelle gleichgültig zu sein. Zumindest verschwendet sie keinen Gedanken daran. Das macht sie leider stellenweise sehr unsympathisch. Die Story erstreckt sich größtenteils über einen Abend an dem sich Helene quasi frei genommen hat mit Rückblicken in die Vergangenheit. Dadurch war die Geschichte abwechslungsreich und hat sich nicht gezogen, das Tempo der Geschichte passt zu den 160 Seiten ohne zu hektisch zu werden. Allerdings hätten die Zeitsprünge für mich klarer kenntlich gemacht werden können. Bei einigen Abschnitten zur Vergangenheit hat sich mir auch nicht ganz erklärt, wieso diese für die eigentliche Handlung relevant sind. Das Ende hat mich sehr überrascht, lässt mich aber unglücklich zurück. Ich würde gerne wissen, wie es nach dem Abend weiter geht. Helene hat eine andere Entscheidung getroffen und womöglich ist das mein großes Learning dieses Jahr. Insgesamt ein kurzweiliges Buch, welches ich trotz der kleinen Schwächen gerne gelesen habe.

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf
Der Tag, an dem ich meinen toten Mann trafby Robert HabeckKiepenheuer & Witsch
14. Juni
Rating:4

Ein wirklich gutes Buch!

Anfangs geht es um das Leben mit und ohne ihren Ehemann. Als Helene dann glaubt, ihn in der Oper gesehen zu haben, geht die Geschichte erst richtig los. Es wird spannend, und ich konnte das Buch immer nur für kurze Zeit aus der Hand legen. Ich musste einfach weiter lesen und weiter und weiter. Fazit: Ein wirklich gutes Buch, mit gelegentlichen kurzen Schwächen.

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf
Der Tag, an dem ich meinen toten Mann trafby Robert HabeckKiepenheuer & Witsch
12. Juni
Rating:3

Der Tag an dem ich meinen toten Mann traf Eine Liebesgeschichte oder ein Thriller?

Helene, eine vor kurzem verwitwete Frau, bekommt eine Einladung in die Oper von einem alten Freund. Ihr Mann, der unter dubiosen Umständen verschwand, die Umstände wurden nie aufgeklärt. Die trifft in der Pause auf eine Person, die ihrem Mann gleicht. Figur, Haare, Geste, Mimik alles gleich - doch mit einer anderen Frau unterwegs. Helene zögert, trifft sich mit ihm weiter, sie gehen irgendwie in ein Hotel. Helene flüchtet, kehrt zurück, nimmt ihn mit nach Hause. Dieses Buch war weder eine Liebesgeschichte, noch ein Thriller. Es gab hin und wieder Ansätze, man erahnt, was dir Autoren ausdrücken wollen.... Doch diese gesamte Geschichte kommt nicht voran. Fazit: Das Buch ist langweilig und trocken. Dieses Buch ist schneller vergessen wie gelesen.

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf
Der Tag, an dem ich meinen toten Mann trafby Robert HabeckKiepenheuer & Witsch