17. Dez.
Rating:2

2,5 Das Buch wollte zu viel sein und konnte am Ende nicht halten, was der Klappentext verspricht. Vieles blieb an der Oberfläche, vieles wurde angerissen, die Sprache holperte so vor sich hin, die Figuren wurden nicht greifbar oder nahbar. „Tell, don’t show“ war hier wohl die oberste Schreibregel. Schade, ich hatte mich sehr drauf gefreut.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
26. Okt.
Rating:5

Mir hat besonders gut gefallen, dass die Geschichte in verschiedene bedeutende Lebensabschnitte der Figuren gegliedert ist. Diese Struktur hat es mir erleichtert, mich den einzelnen Perspektiven zu nähern und den Entwicklungen der Charaktere über die Zeit hinweg zu folgen. Die Vielzahl an Themen, die im Roman behandelt werden, hat mich beeindruckt. Manchmal hätte ich mir gewünscht, noch tiefer in einzelne Aspekte eintauchen zu können – gerade weil so vieles angerissen wurde, das zum Weiterdenken anregt. Gleichzeitig empfand ich aber genau das als Stärke: Dass so viele unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche angesprochen wurden und miteinander in Beziehung traten. Dieser Teil einer Rezension, die ich online gelesen habe, trifft für mich voll zu: „Den in ihrem Debütroman behandelten Problemen begegnet sie mit Nüchternheit und Sachlichkeit, verpackt in fesselnde fiktionale Literatur.“ Genau das macht für mich die Qualität dieses Romans aus.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
20. Aug.
Rating:2

Das Ende hat mich wirklich genervt. Wozu bitte dieses Buch?

Vor allem muss ich jetzt, nachdem ich es fertig gelesen habe, über den Klappentext lachen. "Die eine arbeitet sich an sämtlichem Unrecht unserer Gegenwart ab, die andere am bürgerlichen Familienideal." Sorry, aber dem entspricht das Buch ganz und gar nicht. Die beiden Schwestern, um die es in dem Buch primär geht, leben ein sehr privilegiertes Leben: mögliche, anstehende Promotion trotz leerem Konto für die eine, teure Ausbildung zur Psychoanalytikerin bei der anderen. Beide sind sich am Ende nicht mal sicher, ob sie diese Karrieren wirklich weiterverfolgen wollen. Denn: obwohl dieses Buch viele wichtige Themen anschneidet, Rassismus, Sexismus, mental load, female rage, Selbstbestimmung, und ein paar mehr, ist die Message am Ende, und ich zitiere: "Es ist das Echteste und Innigste und Beste, was du je erleben wirst." gemeint ist hier Mutterschaft. Meine Augen sind fast rausgefallen beim Rollen. Das Buch endet mit der Geburt eines Kindes, nichts hat sich verändert außer dass da jetzt ein Kind mehr ist, alle bilden eine große glückliche (und vor allem klassische!) Familie mit Vater, Mutter, Kind, und das ist alles, was man erreichen wollen sollte. Egal wie emanzipiert man ist. Familie über alles. Ich bin nicht gegen Familien und auch nicht gegen Mutterschaft. Aber für mich passte das hier nicht zusammen.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
2. Juni
Rating:2

Danke erstmal an den Verlag für dieses Rezensionsexemplar, auch wenn diese Bereitstellung sich nicht auf meine Bewertung auswirkt. Ich muss leider sagen, obwohl mich der Klappentext echt wahnsinnig angesprochen hat, dass dieses Buch traurigerweise eine Enttäuschung für mich war. Die einzige Person, die ich zumindest am Anfang der Geschichte greifen konnte, war Zazie, alle anderen sind bis zum Ende für mich undurchschaubar geblieben. Auch die Thematisierung von Gendern, Rassismus, Sexismus etc. fand ich echt gut umgesetzt. Aber das war es dann enttäuschenderweise auch schon mit meinen positiven Punkten. Den Schreibstil fand ich häufig super überzogen, dass es teilweise echt schon seltsam war, wie man auf Krampf versuchte sich an der Jugendsprache zu orientieren. Ich bekam auch immer wieder beim Lesen die Frage in den Kopf, was denn jetzt nun der Plot sei. Hatte teilweise das Gefühl, es wurde lieber 30 Mal aufs neue betont, dass sich jemand gerade eine Zigarette anzündet oder irgendein alkoholisches Getränk konsumiert, anstatt einen richtigen roten Faden auszuarbeiten. Selbst das, was auf dem Klappentext angerissen wurde, hat für mich nur teilweise und viel zu spät in der Geschichte stattgefunden, gerade wenn man bedenkt, dass das Buch mit 350 Seiten auch nicht kurz ist. Das Ende fand ich dann leider auch zu drüber, obwohl ich mir vorstellen könnte, dass das manchen Romantikern gefallen könnte. Zusammenfassend muss ich sagen, dass es hier keine Empfehlung von mir gibt, auch wenn ich an manchen Stellen durchaus Potenzial für zukünftige Werke der Autorin sehen würde.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
19. März
Rating:2

Leider konnte mich „Weiße Wolken“ überhaupt nicht überzeugen. Die Geschichte wirkte wirr, und ich hatte große Schwierigkeiten, die Protagonistinnen auseinanderzuhalten. Ihre Dialoge erschienen oft belanglos, und die Vielzahl an Themen wie Rassismus, Sexismus, Identität wurde nur oberflächlich behandelt. Statt Tiefe gab es viele Klischees, und die Charaktere blieben für mich blass. Ich hatte mir mehr erhofft, aber das Buch fühlte sich überladen und unstrukturiert an.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
2. März
Eine Geschichte, die berührt und zum Nachdenken anregt
Rating:5

Eine Geschichte, die berührt und zum Nachdenken anregt

Yande Secks Weiße Wolken ist ein beeindruckender Roman über Identität, Feminismus und den subtilen wie offenen Rassismus unserer Gesellschaft. Im Zentrum stehen zwei Schwestern, Dieo und Zazie, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch im Kern so viel gemeinsam haben. Dieo ist Therapeutin, Mutter von drei Kindern und mit Simon verheiratet, einem Mann, der zunächst als Inbegriff des Kapitalismus erscheint, sich aber im Verlauf der Geschichte als tiefgründiger und reflektierter erweist. Zazie hingegen kämpft mit einer Welt, die Frauen und People of Color immer noch mit Vorurteilen begegnet. Sie ist laut, rebellisch und fordert, dass ihre Umgebung hinschaut – auf die Ungerechtigkeiten, die so oft im Verborgenen bleiben. Während Dieo nach Stabilität sucht, hinterfragt Zazie alles, insbesondere die Rolle, die ihr zugedacht wird. Ich fand das Buch wirklich sehr gut, es ist sprachlich wunderschön geschrieben, es ist kraftvoll und berührt einen tief im Innern. Absolut lesenswert

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
23. Jan.
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Rating:4

Das Jahr 2024 hatte so viele tolle Debütromane zu bieten, dass ich auch in 2025 noch welche von ihnen lese. Yandé Secks Debütroman „Weisse Wolken“ hat mich über die letzten Wochen nicht nur mit ihren Worten, sondern auch der eigenen Reflexion begleitet. „…Christian hatte neulich gesagt, für jeden Menschen gebe es ein Spektrum - am einem Ende stehe meist ein zwielichtiger Onkel, der sich während der Lockdowns immer weiter radikalisiert habe, am anderen Ende meist eine Frau, die viel Zeitung lese. Sofort hatte Sinon Ludger und Zazie vor sich gesehen. „Der eine hatte nicht unbedingt recht, aber er hat genügend Einfluss. Bei der anderen ist es meistens umgekehrt.““ (Seite 93) „…Er begann, davon zu sprechen, dass Rassismus keine Ausnahme, dass auch das Sterben im Mittelmeer keine Ausnahme, sondern immanenter Teil des Systems seien. „Rassismus ist sehr flexibel. Mal haben wir nicht die richtige Religion, mal ist es unsere Hautfarbe, unsere Haarstruktur oder die Form unserer Nase. Diese Strukturen sind so gebaut, dass unser Erfolg nicht wahrscheinlich ist.““ (Seite 134) Der Roman nimmt uns mit auf eine Reise zur Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer modernen Zeit und dem Erbe der vergangenen Zeiten, aus der Erfahrung von BIPoC-Frauen. „…Wir alle glauben daran, obwohl wir es längst besser wissen: Wenn wir uns nur genug anstrengen, smart sind,fleißig - you name it -, dann können wir den Markt bezwingen und gehen vergoldet daraus hervor. Dabei werden wir indirekt dazu ermutigt, die unterdrückerischen Kräfte nicht nur zu dulden, sondern sie zu unseren Vorteil u zu nutzen.“ (Seite 177) „Hauptsache, du befreist dich von all dem, was die Leute von dir erwarten. Damit kann man ja sein ganzes Leben verbringen, zu versuchen, diese Erwartungen zu erfüllen. Ist auch zu nüscht nütze.“ (Seite 330) Yandé Seck schafft für mich in ihrem Roman eine neue Ebene der eigenen Auseinandersetzung mit meinen Privilegien und Möglichkeiten.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
21. Okt.
Rating:3.5

Zwei Schwestern in Frankfurt

Dass der Roman, den ich während der Buchmesse gelesen habe, ausgerechnet in Frankfurt spielt, ist reiner Zufall. Das hat mich aber sehr gefreut, denn so war die Lektüre auf den „place to be“ prima abgestimmt. Außerdem behandelt er Themen, die in der deutschen Literaturszene präsenter geworden sind, z.B. die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität als Frau, als POC, als Mutter. Ihr merkt, hier wird ein ziemlich großes Fass auf. Im Zentrum all dieser Themen stehen Dieo und Zazie, zwei Schwestern, Kinder, der deutschen Ulrike und des Senegalesen Papis. Obwohl gemeinsam aufgewachsen, könnten sie vom Wesen unterschiedlicher nicht sein. Dieo, die ältere lebt ein bürgerliches Leben mit Simon, der in einem Startup sehr gefordert ist. Sie hat drei Söhne und der komplette Mental Load lastet auf ihr. Sie macht eine Ausbildung zur Kinder-und Jugendpsychologin, kümmert sich aber in weiten Teilen um die Kinder und die Verknüpfungen in der Familie. Zazie hingegen struggelt mit ihrer Rolle als Sozialarbeiterin in einem Jugendzentrum, in dem sie anzüglichen und rassistischen Bemerkungen ausgesetzt ist, die wahlweise „nur gut/nett/als Kompliment/lustig“ gemeint sind. Sie ist sich desden sehr bewusst und lässt es auch entsprechend raus - konsequent schmeißt sie die Brocken hin. Auch ihre Beziehung zu Max stellt sie immer wieder infrage. Möchte sie mit einem Mann zusammen leben und gegebenenfalls in einer traditionellen Rolle enden? Weitere Themen beschäftigen Sie und führen zu impulsiven und emotional gesteuerten Reaktionen. In diesem Gesellschaftsroman begegnen wir an jeder Ecke, dem Zeitgeist. In feministische Fragen mischt sich die Erfahrungen und Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus. Dabei stehen wir als Leser zwischen den Schwestern, die zwei Seiten der Gesellschaft vertreten. Richtig glücklich wirkt keine von beiden. Die Angepasste, die von Perfektionismus getrieben immer wieder ruft, dass sie es nicht mehr alleine schafft, ist genauso orientierungslos wie die Aufmüpfige, die sich mit allen anlegt, ihre Ansichten vertritt und sich nichts gefallen lässt. Die Dynamik der Schwestern ist interessant und trotz aller Differenzen immer liebevoll. Die Nebenfiguren halten den Plot zusammen. Sie lassen manchmal ein wenig an Tiefe missen, sind aber gut gezeichnet und man hat sofort Bekannte in seinem eigenen Umfeld vor sich. Papis hat mir dabei am besten gefallen, strahlt er doch am ehesten ein bisschen Ausgeglichenheit und Weisheit aus. Es gibt einen Ausflug in die Heimat des Vaters, der aber nur minimal Einfluss auf die Geschichte nimmt. Es handelt sich also nicht um eine klug konstruierte Reise in die Kultur der eigenen Familie, sondern mehr um ein literarisches Mindmap, an dem Marginalisierung sichtbar wird und sich neu sortieren lässt…und leider etwas trivial wirkt, da es zwar den Zeitgeist bedient, aber uns nicht richtig reinzieht, weder wehtut noch Leichtigkeit hinterlässt. Meinem Empfinden nach, hätte die Handlung noch viel intensiver die angesprochenen Probleme bearbeiten können. Ich habe die Geschichte gerne gelesen. Sie reißt die Themen an und bietet eine gute Diskussionsgrundlage, aber sie vertieft sie nicht. Zum Ende hin sortiert sich vieles, aber auch das geht zu schnell und war für mich sogar vorhersehbar. Trotzdem bleiben einige Fragen offen. Ein gutes Buch, das man leicht und schnell lesen kann, welches mich aber unbefriedigt zurücklässt.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
9. Aug.
Rating:2

2,5 Das Buch wollte zu viel sein und konnte am Ende nicht halten, was der Klappentext verspricht. Vieles blieb an der Oberfläche, vieles wurde angerissen, die Sprache holperte so vor sich hin, die Figuren wurden nicht greifbar oder nahbar. „Tell, don’t show“ war hier wohl die oberste Schreibregel. Schade, ich hatte mich sehr drauf gefreut.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
3. Aug.
Rating:4

Hm, das war spannend und interessant, mit ein paar kleineren Schwächen. Am besten an dem Buch haben mir die Charaktere gefallen. Sie wirkten echt und nahbar, als könnten sie so in irgendeiner deutschen Großstadt herumlaufen. Ich lese sonst recht viele Bücher aus dem englischsprachigen Raum, fand es aber cool, mal einen zeitgenössischen own voices Roman aus Deutschland zu lesen, gerne mehr davon! (auch ein systematisches Problem, ich weiß..) Besonders interessant fand ich das Spannungsfeld zwischen Dieo und Zazie, das sowohl für verschiedene Perspektiven innerhalb einer Familie als auch innerhalb einer Person stehen kann. Die Dialoge wirkten teilweise etwas zu konstruiert für mich und manchmal konnte ich Gedankengänge oder Empfindungen der Personen nicht nachvollziehen, weil sie etwas vage geblieben sind, vor allem was Zazies Beziehungen zu ihren Freunden angeht. Den Plot fand ich leider teilweise etwas wirr und mir fehlte ein bisschen der rote Faden. Es war eher ein Einblick in diese Leben und Köpfe und ihre Sorgen und Probleme, aber es gab keinen wirklichen Konflikt. Manchmal sind die Perspektiven verschwommen und es war unklar, in wessen Kapitel wir gerade sind, und teilweise gabe es plötzliche Zeitsprünge, die mich verwirrt haben. Gerade zum Ende hin hätte mir da ein bisschen mehr Struktur geholfen, auch wenn ich die Auflösung an such schön fand. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, das Buch ließ sich flüssig und leicht lesen. Insgesamt auf jeden Fall ein schönes Debüt und ein lesenswertes Buch für alle, die zeitgenössische Familiengeschichten mit gesellschaftskritischen Aspekten mögen. Danke an KiWi und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
13. Apr.
Rating:5

Großartig.

Wow, das Buch nimmt einen mit. So tief, dicht und so viele Ansätze zum Nachdenken, Mitfiebern, Staunen und manchmal einfach einladend zum Weiterdenken. Die Gedanken und Gefühle von Zazie, Dieo, von Simon und Max geben so viel wieder, was in unserer Gesellschaft zu finden ist. Großartig lebendig geschrieben.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
26. März
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Rating:3

• WEIßE WOLKEN • Der Debütroman von Yandé Seck erzählt von zwei Schwestern, die in Frankfurt/Offenbach aufwachsen und leben . Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können und doch eine enge Verbindung miteinander pflegen. Zwei Frauen, die ihre ganz eigenen Konflikte, Kämpfe ausfechten. ☁️ I N H A L T: Zwei Schwestern: Die eine arbeitet sich an sämtlichem Unrecht unserer Gegenwart ab, die andere am bürgerlichen Familienideal; (…). M E I N U N G: Dio und Zazie sind auf den ersten Blick, wie Feuer und Wasser. Ihre gemeinsame Verbindung: sie sind Schwestern. Dio ist mitten im Familienstruggle angekommen, versucht Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen und sich dabei nicht selbst zu verlieren. Zazie studiert, ist forsch, voller Ideale und kampflustig. Doch das Band zwischen beiden Schwestern ist eng, auch wenn sie nicht immer mit der Meinung der jeweils anderen übereinstimmen. Seck greift Themen, wie Rassismus, Sexismus, Care-Arbeit und Zugehörigkeit auf. Die angesprochenen Themen sind hochaktuell. Sie flechtet ganz nebenbei aktuelle Bezüge, wie z.B. den von Polizisten in Dortmund erschossenen Mouhamed Lamine Dramé, in ihre Geschichte ein. Auch die Szene, in der Zazie für ein Aupair gehalten wird, fand ich sehr eindrücklich. Die Autorin spricht definitiv spannende und gesellschaftsrelevante Themen an. Leider fiel es mir schwer, mich in der Geschichte zu Recht zu finden. Der Schreibstil traf leider nicht meinen Lesegeschmack, sodass ich oftmals der Handlung, trotz der spannenden Thematik, nicht richtig folgen konnte. „Weiße Wolken“ lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück, das Lesen war mit gewisser Anstrengung verbunden, die den Inhalt leider nicht aufwiegeln konnte. Mein Aha ist dieses mal die kleinen weißen Wolken, die unsere Fingernägel zieren und nicht durch Calciummangel entstehen, sondern Folgen von Verletzungen unserer Nagelhaut sind. Schöner und treffender Titel. 📖 Ein Roman über die Konflikte, den täglichen Struggle und der Frage der Zugehörigkeit zweier Schwestern. Aktuell, gesellschaftskritisch und mit mehreren guten Denkanstößen. Leider, konnte mich der Schreibstil nicht so sehr begeistern, wie erhofft. | Anzeige |

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
26. März
Zu viel gewollt
Rating:2.5

Zu viel gewollt

Dieser Debütroman geht mit vielen aktuellen Themen im familiären Setting an den Start und wird am Ende aber keinem vollends gerecht. *Angepasster KT, da original spoilert* 📘 "Weiße Wolken" von Yandé Seck erzählt die Geschichte der Schwestern Dieo und Zazie. Zwei Schwarze Frauen, die ihre Leben in Frankfurt bestreiten. Die eine strauchelt zwischen Karriere, Carearbeit und Mental Load. Die andere verzweifelt an einer rassistischen und sexistischen Gesellschaft. ☁️ Die Autorin versucht auf 350 Seiten eine geballte Ladung an Themen in diese Familiengeschichte zu packen und schafft es für mich leider nicht, einem davon wirklich gerecht zu werden. Wir bekommen Rassismus, Sexismus, Feminismus, Care Arbeit, Mental Load... Für mich waren die Situationen zu oberflächlich und Schablonenhaft. Vielleicht war es auch als Stilmittel gedacht, den am Ende fühlte ich mich so überfordert wie Dieo ob der Menge an Themen, die eine tiefgründigere Betrachtung verdient hätten. ☁️ Obwohl es der Autorin gelingt emotional und tiefgründige Situationen und Dialoge zu erschaffen, die durchaus auch einen gewissen Humor enthalten, verliert sie mich kurze Zeit später immer wieder, weil diese einer Seifenblasen gleich nach wenigen Zeilen zerplatzen und sich auflösen. Schade. Für mich hätten es da 1-2 Zeilen mehr sein dürfen. ☁️ Das das im Klappentext angekündigte Ereignis erst in der zweiten Hälfte passiert nervt mich sehr. Ich hätte es gern nicht vorher gewusst. Als dann kurz vor Schluss noch ein weiteres wichtiges Thema reingeschmissen wird und für mich in der maximal nervigsten Twist Version gelöst wird, hat mir das Buch leider komplett madig gemacht. 🎧 Milena Karas hat als Sprecherin einen großartigen Job gemacht. Zazies Wut wurde durch sie noch deutlicher spürbar, ebenso wie Dieos Überforderung. ☁️ Fazit: den Schwerpunkt auf weniger Themen legen und dafür mit mehr Tiefgang wäre für mich hier besser aufgegangen. Empfehlen möchte ich das Buch trotzdem, weil die Vielfalt der Themen einen zum nachdenken zwingt und das Buch stilistisch überzeugen kann.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
13. März
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Rating:4

Dieo und Zazie sind Schwestern und führen durch und durch verschiedene Leben. Dieo lebt mit Mann und Kindern in einer schicken Altbauwohnung und bildet sich zur Psychoanalytikerin weiter. Sie geht voll auf in ihrem Muttersein, wenn sie auch, wie jede Mutter, mit den vielen Hürden des Alltags zu kämpfen hat. Zazie dagegen führt ein sehr unagepasstes, unabhängiges Leben, kämpft gegen jegliche Ungerechtigkeit und ist hin- und hergerissen, ob eine Karriere an der Universität der richtige Weg für sie ist. Vor allem das Schwarzsein der Frauen und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten sind ein großes Thema für Zazie und im Roman allgemein. Zwischen den Schwestern und ihren ungleichen Lebenswegen kommt es immer wieder zu Spannungen und hitzigen Debatten und dennoch erleben wir ein sehr inniges Schwesternband zwischen den beiden und das Gefühl der Gewissheit, dass die beiden immer bedingungslos füreinander da sind. Auch als der Vater der beiden in seiner Heimat, dem Senegal, überraschend stirbt, gehen die beiden den Weg zusammen und vor allem Dieo findet in dem entfernten Land ein Stück Heimat. So einen richtig roten Faden hatte die Geschichte für mich nicht, doch den brauchte sie auch nicht. Erzählt wird einfach das Leben der einzelnen Protagonist*innen, im Wechsel aus den verschiedenen Perspektiven. So wird deutlich, welche Themen welche Charaktere besonders beschäftigen, also worüber sich zum Beispiel auf der einen Seite die schwarze Feministin Zazie den Kopf zerbricht und was auf der anderen Seite aus dem Blickwinkel ihres Schwagers Simon, einem weißen, erfolgreichen Mann mittleren Alters eine Rolle spielt. Ein für mich ein tolles Konzept, in verschiedene Perspektiven schlüpfen zu können und so Verständnis für die verschiedenen Ansichten aufbringen zu können. Ein Roman, den ich wirklich sehr gerne gelesen habe, der die wichtigen Themen unserer Zeit aufgreift und bei dem ich traurig bin, dass er ein Ende gefunden hat.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
11. März
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Rating:3.5

»Es sind die Welten, in denen ich mich bewege, die zu mir gehören. Es sind die Verletzungen und der Schmerz, die wie die kleinen weißen Punkte auf unseren Fingernägeln zu mir gehören.« (S. 267) 💭☁️ . . . In ihrem Debütroman »WEISSE WOLKEN« ☁️ schreibt die Autorin Yandé Seck über die zwei Schwestern Dieynaba (Dieo, Mitdreißigerin) und die 8-Jahre jüngere Zazie, die in Frankfurt als Kind einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters großgeworden sind und unterschiedliche Weltanschauungen und Wünsche entwickelt haben — trotz ihrer vielen Gemeinsamkeiten und Beziehung zueinander. Während Dieo als Mutter von drei Söhnen in der Ehe mit Simon nicht nur das Familienleben managt, sondern sich zusätzlich zu ihrem Job als Psychotherapeutin weiterbildet; setzt sich Zazie intensiv mit Themen wie White Privilege, struktureller Ungerechtigkeit, Rassismus, Macht & Diskrimmierungen uvm., auseinander — nicht nur im Rahmen ihres Studiums und anschließender Promotion, sondern immer: »Wenn sie ehrlich war, war er im Rahmen des Möglichen perfekt. Es war eher sie, die nicht so recht wusste, was dieses ganze Lieben sollte. Es gab doch so viel anderes, was sie beschäftigte. So viel, was sie noch sehen und durchdenken und bewegen wollte. Dieser ganze Rückzug ins Private ging ihr auf den Senkel […].« Zazie ☁️ (S. 57) Der Roman ist sehr vielschichtig, einfühlsam, modern und facettenreich: Durch die verschiedenen Protagonist*innen, deren Denkweisen und Argumente verhandelt der Roman so verschiedenen Perspektiven auf Themen: Identität, Zugehörigkeit, Rassismus, Sexismus, Kapitalismus & Patrichariat, Mutterschaft, Sehnsüchte und die Frage, wie wir unser Leben gestalten wollen. »Warum war Sysiphos eigentlich ein Mann, wenn doch die Erfahrung der sich ewig wiederholenden Überlastung eine typisch weibliche war?« Dieo 💭 (S. 104) Im Gegensatz zum Klappentext finde ich nicht, dass der Tod des Vaters so im Vordergrund steht. Das gedroppte und nicht weiter ausgeführte Thema rund um das Verhalten der Mutter Ulrike wurde jedoch trotz der Ausmaße gar nicht weiter thematisiert. Bei dieser Fülle an Themen des Romans ist dies verständlich, aber wäre für die Storyline sicherlich auch logisch und passend gewesen. Die Darstellung der Beziehung zwischen den beiden Schwestern fand ich dafür umso stärker und mochte ich sehr. 🥲 Es ist ein starker Familienroman, der viele aktuelle Themen aufgreift, durch die Sicht der drei Protagonist*innen gut verhandelt und dabei einige sympathische Figuren bereit hält (BTW Otis hat mein Herz geklaut 🥹💘). Das Ende finde ich im Vergleich sehr kurz gehalten und hätte aus meiner Sicht gerade in Bezug auf Mutterschaft differenzierter geschrieben werden können. Es ging mir dann doch etwas zu schnell und zu glatt mit dem Happy End. 💖 Herzensempfehlung für diesen modernen, vielschichtigen, humorvollen und liebevollen Roman. Neben vielen wichtigen Perspektiven zu den oben genannten Themen, ist mein Lieblingslearning aus diesem Buch: Jede*r sollte sich regelmäßig ein Croissant für die Seele 🥐 gönnen.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
4. März
Rating:3

Dieses Buch hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ein wenig ratlos zurückgelassen. Einerseits habe ich mich in sehr vielen Aspekten wiedergefunden, was als weiße Person bei einem Buch mit zwei schwarzen Protas vielleicht etwas verrückt ist, aber wohl auch zeigt, dass unsere Lebensrealitäten dann doch nicht immer so verschieden sind. Z. B. habe auch ich Pädagogik studiert, bin in meinem Studium sehr viel mit kritischer Theorie in Berührung gekommen und überfordere seitdem meine Freunde und Familie mit Wokeness. ;) Meine Mutter ist Psychoanalytikerin (zum Glück allerdings nicht so narzisstisch wie die Mutter der Protas!) und es scheint Eigenheiten zu geben, die zu diesem Berufsbild einfach dazugehören. :) Das Buch zeigt auf, dass die Suche nach Zugehörigkeit und die Frage nach dem wer man ist, wer man sein möchte und was unsere Eltern damit zu tun haben, uns alle betrifft und immer wieder einholt - ganz egal wie alt wir sind und wie unser Leben aussieht. Gleichzeitig thematisiert es aktuelles Zeitgeschehen, wie das Attentat von Hanau oder den Mord an Mouhamed Dramé, der momentan vor Gericht verhandelt wird. Dazu kommen eine Menge Popkultur-Referenzen. Der Roman scheint in vieler Hinsicht autofiktional zu sein. Andererseits fehlte mir manchmal der Tiefgang. Irgendwie schien es immer nur an der Oberfläche der Probleme zu kratzen und schwierige Situationen wurden selten aufgelöst. Bei den Nebenfiguren wurde allzu sehr auf bekannte Klischees von Almans und Kana***n (Selbstbezeichnung im Buch) gesetzt oder sie wirkten unglaubwürdig (z. B. der 15-Jährige Adorno-lesende Sohn, der die Schule schwänzt und dem einfach mal so ein Trip nach London gebucht wird. Hä?). Ich weiß nicht so genau, wem ich das Buch empfehlen würde. Vermutlich am ehesten Menschen, die sich bereits mit Rassismus, Kolonialismus und den Lebensrealitäten von nicht-weiß-gelesenen Menschen in Deutschland auseinandergesetzt haben. Alles in allem hat mich das Buch sehr beschäftigt und auch nachhaltig berührt. Zusätzliche CN: Schwangerschaftsabbruch

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
3. März
Rating:4.5

Was ein Debüt. Ich bin einmal durchgerauscht durch die Geschichte, die sich um die beiden Schwestern Dieo und Zazie dreht. Dieo, die mit Ihren drei Kindern und ihrem Mann Simon, der im Hinlech-Bereich (viel und stets) arbeitet, im Frankturter Nordend lebt. Und die jüngere Zazie, die sich und allen anderen in ihrem Umfeld immer wieder die ganzen Fragen stellt, die einen im Jahr 2024 so beschäftigen. Die Rassismus und Sexismus offen anspricht und deshalb als „anstrengend" wahrgenommen wird. Die sich viel mit Zugehörigkeit und Sehnsucht beschäftigt. Dann stirbt plötzlich der Vater der beiden, Papis, der vor vielen Jahren aus dem Senegal nach Deutschland kam. Und das wirbelt alles noch mehr durcheinander. Das Buch spricht viele - auch unangenehme - Themen auf eine sehr kluge und empathische Art an und schafft es dennoch nie anstrengend oder überladen zu werden. Ich habe es sehr genossen.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
9. Feb.
Rating:4

Kurzweilig

Die Geschichte um die beiden Schwestern hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein sehr zeitgeistiges Buch und behandelt alle aktuellen großen Themen. Dabei hat mir gefallen, dass es zum großen Teil in Frankfurt/Offenbach spielt und mal nicht in Berlin (auch wenn Berlin natürlich darin vorkommt). Ich mochte die Auseinandersetzung der beiden Frauen mit sich, ihrer Herkunft, ihrer Familie und der Rolle in ihrem Beziehungen. Denn das war nicht anstrengend zu lesen, sondern ich konnte mit den beiden mitfühlen. Schön war auch, die Perspektiven der Partner kennenzulernen. Die Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln haben mich geradezu durch das Buch eilen lassen, das war schön.

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch
31. Jan.
Rating:2

Intensive Auseinandersetzung zum Thema Zugehörigkeit

Das Buch hatte mir eigentlich vom Cover und Klappentext her ziemlich zugesagt. Allerdings hatte mir der Schreibstil ein paar Probleme bereitet, da viele Fachbegriffe / Fremdwörter gefallen sind. Teilweise waren auch ganze Sätze auf Französisch, wofür meine Kentnisse aus der Schule grad noch so gereicht haben. Ich hatte eigentlich gehofft, dass im Buch irgendwo eine Art Glossarzu finden ist, leider war dem aber nicht so. Dadurch musste ich meinen Lesefluss oft unterbrechen, um Wörter nachzuschlagen. Auf der anderen Seite ist es sehr schön, diese verschiedenen Kultureinflüsse zu sehen und wie das alles im täglichen sprachgebrauch integriert ist. Das Buch war größtenteils ein Fall von -no plot, just vibes-, was mir eigentlich auch gefällt. Hier war aber ebenfalls das Problem, dass ich durch die ganzen pop culture Referenzen leider nicht ganz mitgekommen bin. Dennoch glaube ich, dass es ein wichtiges Buch ist und eine interessante Message zum Thema Zugehörigkeit enthält!

Weiße Wolken
Weiße Wolkenby Yandé SeckKiepenheuer & Witsch