Berührende Einblicke in eine Transition
Dieses Buch kam mir zufällig über einen Tipp im Podcast “Lesen ist schwul” zu Ohren, die besonders das vom Autor selbst eingelesene Hörbuch ans Herz gelegt haben. Und ich wurde nicht enttäuscht, der Autor liest die autofiktionale Geschichte perfekt, hat einen tollen Humor der immer wieder aufblitzt und hat mich total abgeholt. Es geht um Johan, wobei man das erst im Verlauf der Geschichte nach und nach erfährt - zu Anfang werden Name, Aussehen und Identität des Ich-Erzählers nicht erwähnt. Denn: Johan ist trans und hat weibliches Geburtsgeschlecht. Zu Beginn ist Johan Abiturient, hängt mit seiner besten Freundin Luisa ab und fühlt sich verkehrt. Er besucht eine Schauspielschule, weil ihm das verstellen irgendwie liegt, hadert wahnsinnig mit seinem Körper, den er selbst im Hochsommer unter mehreren Schichten Kleidung versteckt. Dann verliebt er sich in Sam - eine Freundin von Luisa - und glaubt, eben lesbisch zu sein. Doch eine tiefe Krise und psychologische Unterstützung helfen Johan dabei, den Grund für seine Depressionen, sein Anderssein zu erkennen: “N.” ist eigentlich ein Mann und begibt sich auf die beschwerliche Reise durch den Behördendschungel, vorbei an Chauvis, aggressiven Arschlöchern und Freunden, die mit seiner Verwandlung nicht umgehen können. Kann Johan selbst es durchhalten, aller Schwierigkeiten zum Trotz? Das Buch hat mich sehr berührt und oft auch zum Lachen gebracht - Johan hat einen dicken Panzer aus Sarkasmus und flapsigen Sprüchen um sich errichtet. Es ist wahnsinnig interessant (und macht wahnsinnig wütend), ihn bei den entwürdigenden Arztbesuchen und Behördengängen zu begleiten - so einen Einblick, wie schwer es sein muss, eine Transidentität anerkennen zu lassen, habe ich noch nie in Romanform gelesen. Johan hat ein sehr poetisches Innenleben, seine Gedanken kreiseln ständig und bei seinen inneren Monologen reiht sich Metapher an Metapher. Wie das beim gelesenen Buch wäre weiß ich nicht, beim Hörbuch ist mir ab und an ein “komm doch mal zum Punkt” durch den Kopf gegangen. Aber es waren auch wunderbare Bilder dabei, vor allem, wenn Johan mit seinen Freunden im Alkoholrausch der Berliner Partynächte Verbundenheit und Freiheit empfindet: Sätze wie “Wir sind wie Glasscherben, die sich in der Nacht festtreten” oder “Wir schießen mit Serotonin und Dopamin, als könnten wir es uns leisten, es zu vergeuden” fand ich ganz stark, bei den seitenweisen Liebeskummer-Metaphern war ich irgendwann raus, dafür ein Punkt Abzug. Aber alles in allem ein wirklich lesenswerter Erfahrungsbericht!




















