„Aber wir sind aus der Steinhammerstraße. Künstler? Sowas haben wir da nicht.“
Steinhammerstraße, Dortmund-Lütgendortmund. Eine einfache Gegend, eingequetscht zwischen Bahngleise, geprägt von den noch qualmenden Schloten der Zechen. Hier wachsen sie auf in der Nachkriegszeit, Nelly, Edgar und Jürgen, Teenager auf dem Weg in eine Zukunft, die mehr bieten soll, als Grube und Herd … Ein wunderbares Buch hat Jörg Thadeusz mit ‚Steinhammerstraße‘ geschrieben, ein herrlich erlebbares Zeitporträt der frühen Nachkriegsjahre mit den ersten Anklängen des Wirtschaftswunders, die ihren Weg in die Dortmunder Arbeitersiedlung noch nicht gefunden haben. Und doch spüren die drei jungen Leute ganz instinktiv, dass da mehr sein muss, als das, was die Eltern, desillusioniert und innerlich wie äußerlich verletzt von den Kriegserfahrungen, für sie vorgesehen haben. Die Gemeinschaft des Straßenzuges ist eine eingeschworene, man kennt sich, man hilft sich, auch wenn man selbst nicht viel hat. Aber gerade der künstlerisch begabte Edgar merkt früh, dass er nicht ganz rein passt, anders ist, etwas anderes braucht als Familie und Nachbarn. Er wird es bekommen, wird an der Kunsthochschule studieren und ein gefeierter Künstler werden, aber lange mit den Prägungen der ärmlichen Kindheit leben. Thadeusz‘ Buch, das angelehnt an das Leben des Malers Norbert Thadeusz, ein Cousin seines Vaters, ist, ist unglaublich warmherzig und berührend geschrieben. Ich mochte die Menschen aus der Steinhammerstraße sehr, Edgars Mutter, Jürgens Vater und natürlich die Freundschaft von Jürgen und Edgar. Oder Nelly, die mutig und selbstbewusst den Aufbruch der Nachkriegsgeneration in eine neue Zeit verkörpert. Auch die Lebensumstände, die sich wohl kein junger Mensch heute noch vorstellen kann und weswegen ich dem Buch gerade von diesen sehr viele Leser wünschen würde. Damit ist das Buch für mich gleich mehreres in einem - eine interessante Biografie, ein starkes Stück Zeitgeschichte und ein toller Roman!



