31. März
Rating:4.5

An Anfang fing mich der Wortwitz, im zweiten Drittel überlegte ich einfach aufzuhören und das Ende hinterlässt mich sprachlos.

Joachim Meyerhoff hat es wieder geschafft mich in seinen Bann zu ziehen. Allein die Sprache und sein Umgang damit ist es wert, dieses Buch zu lesen. Aber auch die Geschichte hat mich gefesselt. Zumindest bis zum zweiten Drittel. Ab da wurden die Schilderungen zu leblos und langatmig. Warum tauchten da plötzlich Ferien auf Elba auf? Mir hat sich der Zusammenhang mit dem Rest der Erzählung nicht erschlossen. Und dann kam das Ende - und hier versteht er es, den Leser (in dem Fall mich) komplett in Bann zu ziehen. Ich kam mir gerade vor, wie jemand den die Faszination in die dunkelblau-schwarze Meerestiefe zieht, um ihn auf der letzten Seite auszuspucken und ihn hilflos nach Luft schnappend am Ufer zappelnd zurück zu lassen.

Die Zweisamkeit der Einzelgänger
Die Zweisamkeit der Einzelgängerby Joachim MeyerhoffKiepenheuer & Witsch
15. Juli
Rating:4

Irgendwie habe ich mich in Joachim Meyerhoffs Sprache verliebt. Wenn auch dieser Band nicht zum so oft Laut Loslachen wie der vorherige war, so ist er doch wieder berührend und lustig skurril. Wie Meyerhoff Menschen bis ins kleinste Detail beobachtet und beschreibt und sich selbst oft dann doch so fremd und verloren ist, rührt irgendwie an. Seine Begegnungen mit der Bäckerin sind einfach herzerwärmend, die Episode der Meerschweinchen Zucht seines Bruders oder der ungewollte FKK Urlaub zum Schreien und vor allem die Liebesgeschichte zwischen ihm und Hanna eben bittersüß und echt. Die restlichen Bücher werde ich mir gut einteilen müssen :)

Die Zweisamkeit der Einzelgänger
Die Zweisamkeit der Einzelgängerby Joachim MeyerhoffKiepenheuer & Witsch
9. Sept.
Rating:5

Während ich manchmal etliche Seiten brauche, um nach einem beendeten Roman in einen neuen hineinzufinden, schaffte es Meyerhoff beim vierten Teil seiner Reihe "Alle Toten fliegen hoch" wie auch bei den drei Teilen zuvor, mich sofort abzuholen. Nachdem ich mir auf @ollipolli73 Empfehlung hin den dritten und daraufhin alle, zu dem Zeitpunkt drei, weiteren Teile besorgt hatte, war ich angefixt von Meyerhoffs autobiographischen Romanen. Während mich Teil 1 und 2 nicht ganz so stark begeisterten, schafften es Teil 3 und 4, mich dermaßen emotional mitzureißen, wie es kaum ein anderer Autor schafft. In dem vierten Teil geht es um die Zeit nach der Schauspielschule, die "Josse" in seiner Jugend besuchte; um seine Zeit in Bielefeld, in der er Hanna kennenlernte, nach Dortmund wegzog, dort Franka kennenlernte und beide jungen Frauen gleichzeitig quasi eine Beziehung mit ihm führten. Ohne, dass sie voneinander wussten. Und dann war da auch noch Ilse. Aber ohne Beziehung. Auch wenn das alles erstmal wahnsinnig unsympathisch klingt, erzählt der Autor diese Geschichte mit solch einer Leidenschaft, solchen Emotionen - eben auch diesen, die man hat, wenn man quasi ein Doppelleben führt, und das Gefühl hat, den falschen Beruf erlernt zu haben - dass man über das betrügerische Verhalten, naja, fast hinwegsehen kann.

Die Zweisamkeit der Einzelgänger
Die Zweisamkeit der Einzelgängerby Joachim MeyerhoffKiepenheuer & Witsch