4. Jan.
Hätte die Geschichte wirklich..
Rating:4

Hätte die Geschichte wirklich..

..fast 700 Seiten gebraucht? Ich denke nicht. Und das ist tatsächlich auch mein einziger Kritikpunkt an dem Buch. Das Frau Berg manchmal gerne Ausflüge zu Personen unternimmt, die nur auf zwei Seiten auftauchen und dann nie wieder ist mir bekannt und stört mich nicht, bringt aber eben einen Einblick in die Welt außerhalb der Hauptcharaktere. Von denen gibt es in diesem Buch einige, sodass es am Anfang schon ein bisschen Zeit braucht, bis man weiß wer wer ist. Ansonsten eine Dystopie, die in einer Utopie endet. Bin gespannt auf Teil 3. Songtipp zum Buch: Pascow - Mailand

RCE
RCEby Sibylle BergKiepenheuer & Witsch
2. Jan.
Rating:5

Dystopie im Schlangenei

„Der Roman spielt in einer dystopischen Zukunft, in welcher Umweltverschmutzung und gesellschaftlicher Niedergang die Weltbevölkerung bedrohen. Die Regierungen der westlichen Welt haben Infrastrukturen, wie den Gesundheitssektor und Polizei, privatisiert. Banken und Unternehmen herrschen über die Politik und Bildung. Das Gros der Menschen hat resigniert und sich in sein Schicksal gefügt, nur fünf Hacker aus dem Tessin wehren sich und wollen das System bekämpfen, indem sie Informationen über Remote Code Execution verbreiten. Sie hoffen, dadurch eine Revolution auszulösen.“ Nachdem ich vor Kurzem das Theaterstück gesehen hatte, wurde es höchste Zeit für das Buch. Und was für ein Buch! Sybille Berg ist wieder einmal in Höchstform: verstörend und wortgewaltig. Wenn sich sorgfältig recherchierte Fakten und Fiktion vermischen läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Manchmal versucht sich ein zaghaftes Schmunzeln durchzusetzen, wird dann aber vom nächsten Absatz hinweg gespült. Unbedingte Leseempfehlung. Nicht nur für Nerds und Anarchisten!

RCE
RCEby Sibylle BergKiepenheuer & Witsch
29. Dez.
Rating:2.5

Puh es ist so schade, dass das Buch so geschrieben ist, wie es geschrieben ist. Das Thema ist so gut und spannend, aber ich ralle es nicht

Also ich fange mit dem positiven an: ich liebe die Farbe und ich mag das Thema einer dystopischen gleichzeitig sehr nahen Zukunft mit aktuellen auch personellen Bezügen/Überschneidungen. Eine Welt vor dem Kollaps weil die wenigen Reichen immer reicher werden und die vielen armen immer ärmer, aber auch immer akzeptierender. Eine Welt die den Kapitalismus durchgespielt hat und das auch durch den Wahnsinn des technologischen Fortschritts. Eine Horde Nerds die versuchen die Welt durch gezielte Hackerangriffe zu retten indem sie u.a. alle Reichen enteignen und das System auf „Werkeinstellung“ zurücksetzen. Soweit so spannend. Nun aber zu meiner Kritik: es ist einfach nicht gut zu lesen. Der lesefluss wird ständig von Fachbegriffen die man im Glossar nachschlagen muss unterbrochen (es sei denn man ist selbst Nerd) und ebenfalls durch die noch viel nervigeren etlichen Nebencharaktäre die jedesmal mit einem kleinen (gewollt lustigen) Steckbrief vorgestellt werden, dann zwei Seiten beschrieben werden und dann nie wieder vorkommen. Das hat mich persönlich einfach nur genervt. Ich war ab der Hälfte nur noch verwirrt und konnte der Handlung deshalb nicht bzw. nur schwer folgen. Ich finde es teilweise überzeichnet und auch nicht lustig an manchen Stellen wo es glaub ich lustig sein sollte. Ich glaube aber auch gleichzeitig, dass ich vieles einfach nicht gecheckt habe, weil ich von diesem ganzen technikkram keine Ahnung habe. Ich finde das schade, denn man hätte die Story, die ja cool ist , auch inklusiver schreiben können, sodass auch nicht-Nerds checken was abgeht. Das mitgelieferte Glossar hat mir da auch nicht geholfen, weil es einfach bei 700 Seiten nervt alle paar Seiten hinten ein Wort nachzuschlagen. Ebenfalls genervt hat mich, dass es keine Kapitel gab und die völlig weirde, wahrscheinlich gewollt inszenierte Art Absätze zu machen - die beim lesen einfach irritiert und absolut willkürlich wirkt. Sätze hören einfach mittendrin auf, Wörter stehen allein und Umbrüche passieren an ungewöhnlichen Stellen. Auch dass hat mich beim lesen und vorallem verstehen gestört. Ich hab so auch einfach endlange für das Buch gebraucht. Sibylle, ich check du bist ein Brain, aber für meinen Geschmack war das zu gewollt und hat für mich nicht funktioniert.

RCE
RCEby Sibylle BergKiepenheuer & Witsch
16. März
Rating:5

„Alles, was Marcel wusste, hat er von Marx und Baron Rees-Moog gelernt. Die Welt hat eine Ordnung, und die hieß: Es gab die Reichen und den Rest, der sich verkaufen muss, um die Produkte jener mit Kapital genießen zu können.“ Während GRM eine dystopische Gegenwart darstellt, spielt im zweiten Teil der Trilogie RCE die Handlung in der Zukunft ab. Und ich kann es kaum abwarten den dritten Teil zu lesen! In einem verlassenen Bergdorf in Tessin befindet sich die Hackergruppe. Pjotr, Rachel, Kemal, Ben und Maggy wollen die Menschheit retten. Denn die Menschheit hat lange genug an Kapitalismus gelitten und jetzt muss ein neues System her. Die Idee ist mit #RemoteCodeExecution das System von überall hacken und ausschalten zu können. „Das System bedeutet: Wenn der Glaube an das Finanzsystem zerstört ist, folgt daraus eine Katastrophe. Bürgerkriege, Inflation, keine Ahnung.“ Im Kapitalismus ist es die Minderheit der Superreichen, die die Mehrheit beherrscht. Sibylle Berg hat wieder mal ordentliche Arbeit geleistet. Genau wie der Kapitalismus. Sehr pointiert und mit genau recherchierten Fakten, versucht Berg die dystopische Zukunftsszenarien zu beschreiben. Vielleicht ist es an der Zeit ein neues System zu schaffen. Auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich gar keine Ahnung habe, wie eigentlich diese Quantencomputer, Banken, Geldpolitik, IT, … funktionieren und zusammenhängen, hatte ich durch diesen Roman den Eindruck gehabt das System bisschen verstanden zu haben. Dennoch waren es viele Fakten und Begriffe - die zum Glück im Glossar hinten im Buch zu finden sind -, die ich selbst nachschauen musste und auch, wer all diese Nerds eigentlich sind. Im GRM haben mich die Absätze und Unterbrüche anfangs verwirrt und meinen Lesefluss gestört, den ich aber am Ende sehr mochte. Im zweiten Teil hatte ich die Impression es weniger gehabt zu haben, aber deswegen viel mehr zu lachen. Ich liebe diese Weltuntergangsgeschichte, die mir so real erscheint, dass die Prognosen schon in den nächsten Tagen wahr werden könnten. Ich liebe dieses Buch! Es waren keine Seiten zu viel oder zu wenig. Die Story geht an sich erst nach ca. 200 Seiten so richtig los, liebte ich trotzdem die „zu viele“ Seiten. „Man könnte fast meinen, wenn man alle heterosexuellen Männer eines gewissen Altersspektrums auf den Mars auslagern würde, mit all ihren Aktivitäten, könnte man den Planeten unter Umständen retten, denn bis Frauen oder queere Menschen sich die gleichen Vernichtungstools angeeignet hätten, würden ein paar Jahre vergehen. Und dann würden sie wieder anfangen, sich zu bestehen, zu belügen und zu hassen.“

RCE
RCEby Sibylle BergKiepenheuer & Witsch
24. Dez.
Hurra! Die Welt geht unter!
Rating:5

Hurra! Die Welt geht unter!

RCE „Alles, was Marcel wusste, hat er von Marx und Baron Rees-Moog gelernt. Die Welt hat eine Ordnung, und die hieß: Es gab die Reichen und den Rest, der sich verkaufen muss, um die Produkte jener mit Kapital genießen zu können.“   Während GRM eine dystopische Gegenwart darstellt, spielt im zweiten Teil der Trilogie RCE die Handlung in der Zukunft ab. Und ich kann es kaum abwarten den dritten Teil zu lesen!   In einem verlassenen Bergdorf in Tessin befindet sich die Hackergruppe. Pjotr, Rachel, Kemal, Ben und Maggy wollen die Menschheit retten. Denn die Menschheit hat lange genug an Kapitalismus gelitten und jetzt muss ein neues System her. Die Idee ist mit #RemoteCodeExecution das System von überall hacken und ausschalten zu können. „Das System bedeutet: Wenn der Glaube an das Finanzsystem zerstört ist, folgt daraus eine Katastrophe. Bürgerkriege, Inflation, keine Ahnung.“ Im Kapitalismus ist es die Minderheit der Superreichen, die die Mehrheit beherrscht.   Sibylle Berg hat wieder mal ordentliche Arbeit geleistet. Genau wie der Kapitalismus. Sehr pointiert und mit genau recherchierten Fakten, versucht Berg die dystopische Zukunftsszenarien zu beschreiben. Vielleicht ist es an der Zeit ein neues System zu schaffen.  Auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich gar keine Ahnung habe, wie eigentlich diese Quantencomputer, Banken, Geldpolitik, IT, … funktionieren und zusammenhängen, hatte ich durch diesen Roman den Eindruck gehabt das System bisschen verstanden zu haben. Dennoch waren es viele Fakten und Begriffe - die zum Glück im Glossar hinten im Buch zu finden sind -, die ich selbst nachschauen musste und auch, wer all diese Nerds eigentlich sind. Im GRM haben mich die Absätze und Unterbrüche anfangs verwirrt und meinen Lesefluss gestört, den ich aber am Ende sehr mochte. Im zweiten Teil hatte ich die Impression es weniger gehabt zu haben, aber deswegen viel mehr zu lachen. Ich liebe diese Weltuntergangsgeschichte, die mir so real erscheint, dass die Prognosen schon in den nächsten Tagen wahr werden könnten. Ich liebe dieses Buch! Es waren keine Seiten zu viel oder zu wenig. Die Story geht an sich erst nach ca. 200 Seiten so richtig los, liebte ich trotzdem die „zu viele“ Seiten.   „Man könnte fast meinen, wenn man alle heterosexuellen Männer eines gewissen Altersspektrums auf den Mars auslagern würde, mit all ihren Aktivitäten, könnte man den Planeten unter Umständen retten, denn bis Frauen oder queere Menschen sich die gleichen Vernichtungstools angeeignet hätten, würden ein paar Jahre vergehen. Und dann würden sie wieder anfangen, sich zu bestehen, zu belügen und zu hassen.“

RCE
RCEby Sibylle BergKiepenheuer & Witsch
10. Juni
Rating:4

Auch der zweite Teil von Sibylle Bergs "Brainfuck"-Trilogie ist genau das: ein furioser, radikaler, böser, zynischer und augenöffnender Brainfuck. RCE ist Anklage und Wutschrift zugleich und setzt genau da an, wo GRM aufhört, nach dem Scheitern einer Revolution. Ein cleverer Kniff ist es, die vier Hauptfiguren aus GRM hier als Nebenfiguren wieder auftreten zu lassen und die Hacker-Nebenfiguren aus Teil 1 hier zu den Hauptfiguren zu machen. Das Buch beschreibt einen erneuten Anlauf, dieses Mal durchgeführt von vier Hacker*innen, die Welt von der Ungerechtigkeit des Kapitalismus, den Banken und den Eliten zu befreien. Wie schon im ersten Teil gibt es hier ein gigantisches Kaleidoskop an Figuren und Nebensträngen, wobei diesmal der Fokus auf den Protagonist*innen des Kapitalismus liegen: von reichen Nazierbinnen bis hin zu Bänkern, Wirtschaftsbossen und Geheimdienstarbeiter*innen. Sie alle werden von Sybille Berg literarisch nieder gemäht! Und das auf unglaublich unterhaltsame, aber auch oft verstörende Weise. Niemand, absolut niemand, kommt in diesem Buch gut weg und dadurch ist RCE eine durchaus konsequent gedachte Fortführung von GRM. Ersterem habe ich hier fünf Sterne gegeben. Diesmal sind es vier. Denn dadurch, dass den Verursacher*innen der sozialen Ungleichheit und Missstände durch diverse Figuren viel Platz eingeräumt wird, geraten die eigentlichen Hauptfiguren etwas in den Hintergrund, bzw. haben in der charakterlichen Beschreibung etwas weniger Tiefe als das bei den Hauptfiguren in GRM der Fall war. Dazu kommt, dass gerade im Mittelteil seitenlange Passagen technischer Prozesse im Bereich des Hacker- und Wirtschafts- und Computermilieu den Lesefluss etwas mehr bremsen als im Vorgängerroman. Dankenswerterweise gibt es ein Glossar mit Begriffserklärungen, aber natürlich bremst das ständige nach hinten blättern müssen auch den Lesefluss. Allerdings zeigt sich gerade hier das enorme Pensum an Recherche, das Sybille Berg betrieben haben muss. Dies sind aber wirklich nur Kleinigkeiten und als Erklärung gedacht, warum es dieses Mal "nur" vier Sterne geworden sind. Es bleibt ein atemberaubend furioser Roman, in einer Boshaftigkeit und radikaler Courage geschrieben, wie man sie auf dem derzeitigen literarischen Markt wohl kaum woanders findet als bei Sybille Berg und ihrer Brainfuck-Trilogie. Auf Teil 3 bin ich sehr gespannt, denn so viel sei gesagt: das Finale dieses 700 Seiten Kloppers ist nichts weniger als ein im besten Sinne krawalliges Feuerwerk, dass den Lesenden rabiat und bombastisch um die Ohren fliegt. Leseempfehlung? Zu 200 Prozent!

RCE
RCEby Sibylle BergKiepenheuer & Witsch