Das Buch ist wie ein SpongeBob Serienmarathon! Anarchisch, chaotisch, bricht mit allen Konventionen, sprunghaft... Zitat: "Ich werde immer bestrebt sein, meine Prosa mit so wenig Müll vollzustopfen wie nur möglich" Mit diesem Nicht-Vorsatz trotteln wir in peristaltischen Wellen, sekretbehaftet im Wortneuschöpfungssumpf durch DDR-Welten und Prager Sozialismus-Erinnerungen, in heruntergenudelten Sätzen, durch die Tragödie des autofiktionalen Hackepeterprosa-Werkes von Jan Faktor, der den Suizid seines Sohnes auf eine provankante, gewagte Art bearbeitet und nebenbei viele Szenen des Alltags Ostberlins vs. Prag einsprenkelt und versprenkelt. Dieses mäandernde, verfälschte Erzählen ist stellenweise ultra komisch und richtig gut geschrieben. Meine Lieblingsszenen: 1.Der Profipendler und allerlei stinkende Köstlichkeiten im Zugabteil, 2.die epischen Auslassen darüber wie Literatur zu sein hat, wie er sie wahrnimmt und worauf er mal gar keinen Bock hat, 3.die inbrünstigen Gesangseinlagen der Deutschen, 4. der Besuch der Hautärztin Trotz all des humoristischen Zerrbildes bleibt das, was er uns über seinen Sohn zu erzählen hat tragisch. Diese Erlebnisse sind mir sehr nah gegangen- egal wie nüchtern, überspielend trottelig er es literarisch verarbeitet. Zitat: "...Qualität einer billigen Tütensuppe....viel echter will ich das, was den Sohn betraf nicht spüren, schmecken." Die ersten 40% haben mich echt Nerven gekostet. Wer einen Auffrischungskurs für Sekrete benötigt, sei herzlich eingeladen. Die Rammstein Ausführungen konnten mich nicht wirklich locken. Insgesamt versprüht er zu viele Banalitäten. Die weiteren 60% sind etwas konsistenter, zwar sprunghaft, hatten für mich deutlich mehr Substanz. Die konnte ich dann schneller lesen. Zu Beginn war nach 30 Seiten Hirnschmelze angesagt. So einigen Wortneuschöpfungen und Ausführen kann ich auch im weiteren Verlauf nix abgewinnen. Mit 400 Seiten ist das Buch in dem Stil und der Sprache schon ne Zumutung.
Leider abgebrochen nach Seite 101. DNF Autobiographischer Roman, der wirr hin und her springt, der mich leider nicht genug überzeugt um weiterlesen zu wollen. Der Autor schreibt mit vielen Fremdwörtern und in seiner Erzählweise so wirr, sprunghaft, dass ich leider nicht dranbleiben kann. Der Klappentext hatte mir mehr Lust auf einen absurden Komik-Roman gemacht, was hier absolut nicht der Fall ist. Leider nicht für mich
„Bin ich nun nur beim Schreiben ein struktureller Sadist, post-urinabler Scheißkerl oder präwundarschiger Unheiland - oder bin ich's auch im täglichen Leben?“ - Der autofiktionale Ich-Erzähler von „Trottel“ tut jedenfalls nichts dafür, beim Leser sympathisch anzukommen. Immer wieder hinterfragt er sich und sein Wirken. Da dies auch mitten im Text passiert, hätte er sich die 50 Seiten Fußnoten auf 400 Seiten Roman auch sparen können. Angezogen durch die Beschäftigung mit der DDR-Vergangenheit und die Nominierung für den Deutschen Buchpreis, habe ich das Buch trotz aller Unkenrufe in Angriff genommen; eine Bereicherung war es für mich nicht.
Erzähldriftdrang: “Trottel” ist das erste Buchpreisbuch, das ich widerstrebend abgebrochen habe, nach 62%.
Und das, obwohl “Trottel” definitiv ausbricht aus dem Althergebrachten, was ich normal sehr schätze! Das Feuilleton ist begeistert, ich jedoch… Nicht so sehr. War ich anfangs noch durchaus angetan von diesem lebensklugen, rotzfrech-intellektuellen Schelmenroman mit steter Rammsteinbeschallung, fühlte ich mich zunehmend ernüchtert. Zu ausufernd, ausschweifend, ausgreifend, außerordentlich aufzählungsverliebt, zu überbordend, übersteigert, überzogen … Auch die 262 Fußnoten sind zwar oft herrlich, bremsen den Lesefluss indes empfindlich aus. Disclaimer: Meiner Meinung nach, aus meiner Sicht, für mein Dafürhalten, für mein Empfinden, für mein Gefühl, für meine Begriffe, in meinen Augen, meiner Ansicht nach, meines Ermessens, nach meinem Eindruck, nach meinem Verständnis, MMN, WDMF, XYZ, FKK. »Erzähle ich zu viel Überflüssiges – oder sogar den reinen, unsauber randomisierten Unsinn? Das könnte der eine oder andere Begappte, Begrabbelte oder Graubegraulte vielleicht meinen. Dabei bremse ich mich – bei diesem konkreten Lab-Project auf jeden Fall – relativ brav und schreibe nur einen Bruchteil dessen auf, was mir so durch den Kopf geht.« (Zitat) Ermüdet lächelte ich über eigentlich grandiose Wortwitze und feinefiese Seitenhiebe, die in my humble opinion einfach untergehen im Gedankenstrom. Da werden manirierte Metapherngebilde vor den Leser:innen aufgebaut, die beeindruckend aussehen, aber für mich schlicht nicht tragfähig sind – eher Schaumgebilde aufgebauschter Bedeutung. Zugegeben, ich vermute (und hoffe!), dass dahinter fein dosierte Absicht steckt, dass gerade diese Erzählweise karikiert werden soll. Faktor durchbricht solche Passagen mit unsinnig-unpassenden Einwürfen; da ist gerade noch die Rede von Newton und Integralen, dann von Samenabgängen und Schleim: »Ich bin jedenfalls vorläufig der Meinung, dass ein Prosatext in seiner Funktionsweise grundsätzlich als ein Integral angesehen werden kann. Dementsprechend wären die ihn im Fluss (Newton!) tragenden kleinen Schritte, die typo- und erzähltopographischen Textmarker als energietragende miniamplitudenhafte Ausschläge zu betrachten … dabei wären allerdings alle nebensächlichen Störungen bei der Wundheilung, alle vorübergehenden Hautausschläge, Samenabgänge, die klebrig-fettigen Schweißschmierereien an der Gesichtsoberfläche oder die halbwegs getrockneten Absonderungsrückstände der Nasenschleimhäute zu vernachlässigen. Dies alles verschwindet doch glatt im großzügig-integralen Raum unter der Eleganz-, Effizient- und Exzellenzkurve der alles tragenden Emotionalität.« (Kontext: Der Erzähler sucht nach einer Formel, mit der sich der Klang eines Textes definieren lässt.) Faktor ist auf jeden Fall ein Mensch, der viel erlebt und viel zu erzählen hat. Möglicherweise muss er die Passagen, die sich mit dem Selbstmord seines Sohnes befassen, abfedern mit schelmischem Gelaber, spielerischem Nonsense und doppeltem Boden. Möglicherweise ist das Tragische nur in Kombination mit dem ‘Trotteligen’ erträglich (und umgekehrt). Denn die Trauer, die trieft bei allem Humor geradezu aus den Seiten, ist das eine Element dieses Romans, das nie weniger als wahrhaftig ist. Hier liegt wohl des Trottels Kern. Aber für mich funktionierte das nur bedingt, war die TTB (Trottel-Trauer-Balance) nicht hinreichend austariert. Hier und dort bringt der Autor wirklich großartige Ideen ein, wie zum Beispiel Anmerkungen des Lektorats – die er prompt ignoriert oder umgeht. Ob diese wirklich dem Lektorat entspringen oder literarisches trompe l’oeil sind, ist nebensächlich, sie eröffnen auf jeden Fall eine wunderbar amüsante, clevere Metaebene. Auch frei erfundene Buchtitel, wie “Die Partei und ihre akzeptanzsteigernden Maßnahmen für die primäre Disziplinakkumulation des Zappelproletariats” zusammenfantasiert



