Ein Buch für alle, die sich für Archtiktur, Kunst und/oder das Bauhaus interessieren! Es werden verschieden Biografien von Frauen vorgestellt, die am Bauhaus gelernt und gelehrt haben. Das ist total spannend, aber auch etwas deprimierend, da man deutlich merkt, dass man als Frau entgegen des Rufs vom Bauhaus doch nicht jede Möglichkeit hatte, die man wollte.
Wenn eines auf mich in Kunst und Literatur große Anziehung ausübt, dann solcherlei kleine Splitterepochen, denen kaum ein paar Jahre zugedacht waren. Seit dem Studium bin ich z.B. fasziniert von der Neuen Sachlichkeit, vielleicht verwundert es da nicht, dass mich auch der BAUHAIS-Stil nicht kalt ließ. Das Buch fand eher durch Zufall den Weg zu mir: alles begann mit der Lesung von Theresia Enzensbergers „Blaupause“ – einen Abend, den ich Dank Sympathie zur Autorin sehr genoss, jedoch sagte mir das Vorgelesene aus dem Roman absolut nicht zu. Es flammte aber ein Interesse für die Kunst-Thematik des Buches auf. Das erste Drittel des 20. Jahrhunderts ist geprägt vom weiblichen Aufbruch in der Kunst, Frauen beginnen an Kunstgewerbeschulen zu studieren und einige finden in den 1920er Jahren zum Weimarer Bauhaus. Die neue Ausbildungsstätte bietet jungen Kreativen einen Ort für künstlerische Experimente, die bald eng mit dem Industriedesign verbunden werden. Es gilt Einfachheit, Schnörkellosigkeit und Funktionalität der bloßen Ästhetik voranzustellen. Klingt langweilig? Wenn man sich die Werke der Bauhäusler beschaut, wird man zum Glück eines Besseren belehrt! (: Das Vorwort versucht die Gründung des Bauhaus durch Gropius, Itten und Co möglichst schnell abzuhandeln, um die Frauen, die zu Bauhauszeiten Anfeindungen, Ausgrenzungen und patriarchalen Strukturen* ausgesetzt waren, ins Zentrum zu rücken. „Kunst und Technik, eine neue Einheit!“ Das Buch widmet sich in ausführlicheren Portraits u.a. folgenden Künstlerinnen: - GETRUD GRUNOW (1870-1944) Die einzige Frau, die am Bauhaus als ‚Formmeisterin‘ wirkte und an die StudentInnen eine praktische Harmonisierungslehre vermitteln wollte. Nur ein Mensch, der mit seiner Umwelt und sich selbst in Harmonie lebe, kann ihrer Meinung nach schöpferisch tätig sein. Die Lehrmethoden müssen definitiv etwas verschroben gewesen sein, wenn den TeilnehmerInnen ihrer Seminare, die Aufgabe gegeben worden sein soll, sie sollen die Farbe Blau tanzen. In ihren Kursen ging es eindeutig mehr um Identitätsbildung als um ein künstlerisches Handwerk. - GUNTA STÖLZL (1897-1983) Eine der erfolgreichsten Bauhaus-Frauen, die vor allem die Webereiwerkstatt geprägt hat. Die Weberei schaffte den Schritt zum modernen Industriedesign, das die Einkünfte des Bauhaus sicherte. Dass sie letztlich einen jüdischen Mann heiratet, wird ihr Untergang im Bauhaus, aus dessen Gemeinschaft man sie rausekelt. - ANNI ALBERS (1899-1994) In ihrem Kapitel wird viel über das Experimentieren am Bauhaus geschrieben. Wie Gunta Stölzl war sie erfolgreich in der Weberei-Werkstatt tätig. Mit der Entwicklung eines schalldichten, lichtreflektierenden Wandbespannungsstoffs gelingt ihr eine wahre Innovation in der Werkstatt. Auch sie muss Deutschland 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verlassen. - OTTI BERGER (1898-1944) Eine Frau, die erst zum Dessauer Bauhaus dazustieß, auch sie ging in die Weberei. Sie sah im Stoff etwas organisches, das sie formen konnte. Zur NS-Zeit schafft sie es nicht mehr rechtzeitig auszureisen und wird im KZ Auschwitz umkommen. Dass der Webereiwerkstatt so viel Aufmerksamkeit zukommt, liegt vornehmlich daran, dass die meisten der Bauhaus-Frauen in dieses Gebiet abgedrängt wurden. Dennoch weiß das Buch auch von Frauen zu berichten, die andere Werkstätte wählten und sich in diesen [oft als einzige Frau] durchzusetzen versuchten: MARGARETE HEYMANN-LOEBENSTEIN-MARKS (Keramikerin, sehr androgyn, bekannt geworden durch ihre Haël-Keramik), MARGUERITE FRIEDLAENDER-WILDENHAIN (Keramikerin, bekannt geworden durch die Halleschen Formen ihrer Tongefäße), FRIEDL DICKER (jüdische Malerin, die sich abstrakten Formen zuwendet, die selbst im KZ Auschwitz noch Zeichenstunden für Kinder gibt), LOU SCHEPER-BERKENKAMP (Malerin, die viel mit geometrischen Formen experimentiert und später Kinderbücher illustriert), LILLY REICH (Gestalterin und Innenarchitektin, Frau von Mies van der Rohe), MARIANNE BRANDT (die junge Frau auf dem Buchcover, Fotografin, Collagen zur ‚Neuen Frau‘, später auch in der Metallwerkstatt), GRETE STERN (jüdische Fotografin, akribisch genaue Abbildungen der Wirklichkeit, viele Fotomontagen) und LUCIA MOHOLY (Hausfotografin des Bauhaus, Vertreterin der Neuen Sachlichkeit, arbeitete rezeptiv). In den Einzelportraits werden immer wieder Herausforderungen und Probleme des Bauhaus beschrieben. Das Bemühen, unpolitisch zu bleiben, flackert oft auf, die Spaltungen innerhalb der Gründer, die sich in verschiedene künstlerischeRichtungen entwickeln wird erwähnt und doch zeigt das Buch vor allem das künstlerische und schöpferische Potential jeder einzelnen Frau und holt diese aus der Vergessenheit. Ein sehr würdiges Portrait der Bauhaus-Frauen. *Itten: Frauen sei zweidimensionales Denken angeboren, sie sollen lieber in der Fläche arbeiten. Klee: Genie sei ausschließlich männlich. Schlemmer/Kandinsky: Schöpfertum und Männlichkeit seien identisch

