23. Okt.
Rating:4

„Allerhand...“

Am Anfang habe ich gebraucht, um die Figur des Christopher Isherwood zu verstehen und damit die Sinnhaftigkeit des Romans. Nachdem ich dessen Rolle als Beobachter des Endes der Goldenen Zwanziger und der Weimarer Republik erfasst hatte, entwickelten die Geschichte/Tagebucheinträge eine Faszination, die ich am Anfang nicht erwartet hatte. Das Ende der ersten deutschen Demokratie steht bevor und die Zeichen der Zeit scheinen den Menschen egal zu sein bzw. erkennen sie diese, müssen sich allerdings zur Genüge um sich selbst und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse kümmern. Isherwood gelingt ein eindringlicher Roman, der zu Beginn stark von den Goldenen Zwanzigern geprägt ist und mit jeder neuen Seite und jeder neuen Geschichte die Nationalsozialisten ein stück weiter aus dem Schatten treten lässt und plötzlich auf den letzten Seiten klar zeigt, wir die Zukunft Deutschlands aussehen wird. Mit Hinblick auf die heutige Zeit ein wichtiger Roman, der uns zeigen sollte, dass das Erstarken von rechtsextremem Gedankengut und Kräften nicht hingenommen werden sollte, da uns sonst die Grundlage für jegliche Menschlichkeit und Lebensfreude abhanden kommen würde.

Leb wohl, Berlin
Leb wohl, Berlinby Christopher IsherwoodAtlantik Verlag
15. Sept.
Rating:5

📚 Rezension | „Leb wohl, Berlin“ von Christopher Isherwood „Ich bin eine Kamera“ – mit diesem ikonischen Satz beginnt Christopher Isherwoods Blick auf das Berlin der frühen 1930er Jahre. Geschrieben 1939 nach seiner Rückkehr nach England, blickt Isherwood zurück auf seine Jahre in der deutschen Hauptstadt – eine Zeit voller künstlerischer Freiheit, exzentrischer Charaktere und einer sich bedrohlich wandelnden politischen Stimmung. „Leb wohl, Berlin“ diente später als Vorlage für das Musical Cabaret – und das merkt man: Die Figuren sind lebendig, die Szenen teilweise schillernd, dann wieder düster und bedrückend. Im Zentrum steht Sally Bowles, eine junge englische Sängerin, die in Berlins Nachtleben auf der Suche nach Freiheit (und vielleicht ein bisschen nach sich selbst) ist. Mich hat das Buch absolut fasziniert – nicht nur literarisch, sondern auch historisch. Isherwood schreibt leichtfüßig und doch tiefgründig. Während seine Figuren feiern, zieht draußen schon der Schatten des Nationalsozialismus herauf. Dieser Kontrast hat mich besonders berührt – das Wissen, was folgen wird, legt sich wie ein Schleier über jede Szene. „Leb wohl, Berlin“ ist kein klassischer Roman, sondern eher eine Sammlung von Momentaufnahmen – persönlich, politisch, poetisch. Und gerade deshalb so eindrucksvoll. Ein Stück Literatur, das zwischen den Zeilen mahnt, beobachtet – und doch nie den Menschen aus dem Blick verliert. ✨ Empfehlung: Für alle, die sich für Literatur mit historischem Tiefgang interessieren, für Fans von Cabaret, für Berlin-Liebhaber*innen und für jene, die gern zwischen Zeilen lesen.

Leb wohl, Berlin
Leb wohl, Berlinby Christopher IsherwoodAtlantik Verlag