Rezension – Strandgut von Alexander Oetker Strandgut von Alexander Oetker ist ein atmosphärischer Krimi, der mich von Anfang an mitgenommen hat. Die Geschichte lebt nicht nur von der Spannung, sondern vor allem von der besonderen Stimmung der französischen Atlantikküste. Oetker schafft es, Landschaft, Menschen und Handlung so miteinander zu verbinden, dass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst durch die kleinen Orte, über die Strände und durch die Gassen zu gehen. Die Figuren wirken dabei sehr lebendig und authentisch. Gerade die Mischung aus persönlicher Geschichte, menschlichen Beziehungen und dem eigentlichen Kriminalfall macht das Buch besonders spannend. Der Fall entwickelt sich ruhig, aber fesselnd, und immer wieder entstehen neue Wendungen, die neugierig machen. Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht nur ein klassischer Krimi ist. Er erzählt auch von Sehnsucht, vom Meer, von Vergangenheit und von den Spuren, die Ereignisse im Leben von Menschen hinterlassen. Dadurch bekommt die Geschichte eine angenehme Tiefe, ohne ihre Spannung zu verlieren. Für mich ist Strandgut ein wunderbar erzählter Küstenkrimi mit viel Atmosphäre und starken Figuren. Wer Krimis mag, die nicht nur vom Verbrechen leben, sondern auch von Ort, Stimmung und Charakteren, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen.
Die nackte Wahrheit „Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun – einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde.“ (S. 55) Als die Bürgermeisterin von Grayan-et-l’Hôspital auf einer Pressekonferenz verkündet, dass sie den Pachtvertrag des Euronat, Europas größtem FKK-Camp kündigen will, laufen die Camper Sturm. Unterstützung erhält sie vom ehrgeizigen Staatssekretär Guy Martinez, der politisch hoch hinaus will. Umso schockierender ist es, als Guy am nächsten Morgen splitterfasernackt und tot am Strand aufgefunden wird. Für Luc und sein Team stellt sich die Frage, wie und warum der moralische Hardliner dorthin gelangte und weshalb er nackt war. Wollte ihn der Mörder damit zusätzlich demütigen? War es ein Racheakt und Guy ein zufälliges Opfer, oder wurde er gezielt an den Strand gelockt? Die Camper bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Viele von ihnen verbringen seit Jahrzehnten ihre Sommer im Euronat oder haben sich als Rentner dauerhaft an der Atlantikküste niedergelassen. Aus den einst einfachen Holzhütten sind im Laufe der Jahre komfortable Häuser und sogar luxuriöse Villen mit Whirlpool, Sauna und Weinkeller geworden. Der Platz ist stetig gewachsen, ohne dass sich bisher jemand öffentlich daran störte – schließlich profitieren die Einheimischen wirtschaftlich erheblich von den Sommergästen. Doch es gibt auch kritische Stimmen: überfüllte Straßen, gesperrten Strandabschnitte und der freizügige Lebensstil sorgen nicht bei allen für Begeisterung. Die Bürgermeisterin steht mit ihrer Haltung also keineswegs allein da. In dieser aufgeheizten Atmosphäre ermitteln Luc und sein Team mit vollem Körpereinsatz. Den Hochsommer an den kilometerlangen, unberührten, feinsandigen Stränden der Côte d'Argent können sie jedoch kaum genießen. Luc fühlt sich unter den Nackten sichtlich unwohl, was Anouk und die neue Kollegin Rose Schillinger genüsslich kommentieren. Gleichzeitig begeht Yacine einen folgenschweren Fehler, der ihn seine Karriere kosten könnte. Und schnell wird klar, dass hinter dem Mord mehr steckt als nur ein politischer Streit um die Zukunft von Euronat. Auch der 10. Fall von Luc Verlaine überzeugt wieder mit Spannung, Lokalkolorit und einer guten Portion Humor. Als Kind der DDR bin ich selber begeisterte Anhängerin der FKK-Kultur und freue mich jedes Jahr auf den Sommer an der Ostsee. Die Atlantikküste zwar deutlich weiter entfernt, doch nach dieser Lektüre wächst die Versuchung, Euronat eines Tages selbst einen Besuch abzustatten.

