
Mehr Reisebericht als Roman
Nachdem er eine Ausgrabung in Äthiopien sprichwörtlich in den Sand gesetzt hat, macht sich der österreichische Grabungsleiter Josef Trattner mit zwei einheimischen Reisebegleitern auf zu einer Abschiedsrundfahrt durch das kurz vor dem Bürgerkrieg stehende Land. In einem kleinen Dorf schließt sich ihnen Natu an, eine schöne, unbeugsame, rebellische Frau … Ich bin froh, dass ich ‚Alles wird gut‘ beendet habe, denn das Buch war so gar nicht meins. Im Großen und Ganzen ist es ein einziger langer Reisebericht - es wird gefahren, ein Dorf/Stadt und der Stamm bzw. die Einwohner beschrieben, weitergefahren - unterbrochen von wenigen Einschüben, in denen dann auch tatsächlich mal eine Geschichte erzählt wird. Die sind auch gar nicht so schlecht, vor allem Natus Lebensgeschichte hat mir gut gefallen und überhaupt muss man es dem Autor lassen, was er hier für eine faszinierende Frauenfigur geschaffen hat. Auch die Reisebeschreibungen sind an sich sehr gut, es wird alles unglaublich nahbar dargestellt, ein faszinierend schönes Land mit einer unglaublichen Vielzahl an Stämmen und unterschiedlichen Kulturen. Es ist eine komplett andere Lebenswelt als unsere westliche, sowohl was den Alltag als auch die Regeln für das zwischenmenschliche Miteinander angeht, und das führt der Autor sehr plastisch und anschaulich vor Augen. Das Problem ist, dass dies alles einfach ohne nennenswerte Handlung aneinandergereiht wird. Die Verständigung mit Natu ist anfangs so gut wie nicht existent, Trattner fast ausschließlich beobachtend, dass so gut wie keine Interaktion stattfindet, die einen Plot voranbringen würde. Kurz baut sich gegen Ende so etwas wie ein Spannungsbogen auf, der aber auch nicht lange vorhält. Über die im Land schwelenden Konflikte, bei denen im darauf folgenden Bürgerkrieg unmittelbar und langfristig ungefähr eine halbe Million Menschen starben, erfährt man nur am Rande und sehr oberflächlich etwas. In meinen Augen für ein Werk, dass sich der ernsthaften Literatur zuordnen lässt, viel zu wenig. So bleibt im Nachgang dann doch leider nur die Reisebeschreibung eines mittelalten weißen Europäers, der sich in eine exotische Schönheit verliebt und das haut mich im Gesamten nicht vom Hocker.
