30. Okt.
Rating:3

• EIN TROPFEN GEDULD • Im Jahr 1965 veröffentlichte William Melvin Kelly den Titel „A Drop of patience“ in den USA. In diesem Jahr erschien sein Roman nun endlich auf Deutsch im Hoffmann und Campe Verlag. Ludlow Washington ist fünf Jahre alt, schwarz und blind. Sein Vater lässt ihn in einem Heim für schwarze blinde Kinder zurück. Dort wird sein Talent entdeckt und er entpuppt sich als begabter Jazz-Musiker. Der Leser begleitet Washington bei den unterschiedlichsten Lebenslagen, erfährt Rassismus und wie es ist als blinder Mann sich in der Welt zurecht zu finden. Ludlow Washington kennt bis zu seinem Heimaufenthalt keinerlei Unterschiede zwischen den Menschen, denn er kann weder weiß noch schwarz sehen. Der Auftakt der Handlung hat mich sehr begeistert und berührt. Gerne hätte ich mehr über das Leben im Heim, das Erlernen eines Instruments und seine Unterdrückung erfahren. Mir war nicht bewusst, dass es in den amerikanischen 30ern Heime gab in denen Kinder zu Jazzmusikern ausgebildet wurden. Noch erschreckender ist die Tatsache, dass Eltern ihre Kinder in so jungem Alter dort hinschicken. Wichtig zu wissen ist, dass der Roman in den 1960ern geschrieben wurde und dementsprechendes Vokabular verwendet wird. Dabei stolpert man über das ein oder andere Wort, welches man heute sicherlich nicht mehr verwenden würde. Auch die Darstellung von Beziehungen bzw. das Bild der Frau hat mich an einigen Stellen sehr schockiert. Ich bin sehr froh, dass sich einiges getan hat, dennoch kam ich an einigen Stellen bei der Darstellung von Frauen an meine Grenzen. Leider ging mir der Autor auch zu wenig auf Ludlows Rasdismuserfahrungen, Leben als Blinder und sein Musiker-Dasein ein. Sein Liebesleben und Abenteuergeschichten nahmen mir dafür zu viel Platz ein.

Ein Tropfen Geduld
Ein Tropfen Geduldby William Melvin KelleyHoffmann und Campe