
Chinesische Geschichtsaufarbeitung in eine langatmige und komplizierte Erzählung verpackt
Mein erstes Buch einer chinesischen Autorin lässt mich etwas erschöpft zurück. Ich hatte mir ein besseres Verständnis der jüngeren chinesischen Geschichte erwartet, über die ich zugegebener Maßen nicht viel weiß. Das habe ich bekommen. Aufgerollt wird das Kapitel der kommunistischen Bodenreform 1949-1952, bei der laut offizieller Erzählung "reiche und skrupellose Großgrundbesitzer" gewaltvoll enteignet wurden, um deren Besitz unter den mittellosen Kleinbauern aufzuteilen und die Millionen Todesopfer nach sich zog. Die genauen Hintergründe und Schachzüge des kommunistischen Regimes werden aber erst im Nachwort der Übersetzung dargelegt, so viel sei schon mal verraten. Die Geschichte spielt sich einerseits in einer tranceähnlichen Erinnerungswelt einer alten Frau ab und andererseits in der Jetzt-Zeit, in der ihr Sohn versucht ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Was sich anfangs für mich nach einem interessanten Konzept angehört hat, entpuppt sich jedoch schnell als sehr langwierig und langatmig. Die Autorin schildert Szenen sehr minutiös, das macht die Erzählung langsam und fühlt sich oft nach Redundanz an. Dazu kommen die Besonderheiten der chinesischen Sprache, die die Lesbarkeit und Verständlichkeit am Anfang sehr schwierig für mich gemacht haben (die Namen der handelnden Personen klingen und lesen sich sehr ähnlich). Ab der Hälfte des Buches habe ich das Ende sehr herbeigesehnt, war aber dennoch nicht bereit es vorzeitig abzubrechen. Alles in allem ein möglicher Einstieg in die chinesische Literatur, aber kein Must-Read für mich, höchstens aus der Motivation heraus, dass das Buch in China selbst zwar nicht offiziell verboten ist, aber mittlerweile vom Buchmarkt verschwunden ist (warum wohl?).







