inkonsequent Abstrusitäten und Sinnlosigkeit in den Worten eines notgeilen Adoleszenten mit einer Vorliebe für vulgäre Vergleiche
A chtung! Meine Rezension enthält leichte Spoiler! Ich schreibe das hier, kurz nachdem ich die Trilogie innerhalb weniger Tage dank Urlaub durchgelesen habe. Wirklich sacken lassen habe ich sie also nicht. Hätte ich keinen Urlaub gehabt und meine Lesezeit wäre rarer, hätte ich das Buch wahrscheinlich schon früher abgebrochen, doch ich habe es zu Ende gelesen. Über die Geschichte an sich kann ich wenig sagen. Sie ist vollkommen abstrus, sinnlos und völlig drüber in jeder Hinsicht. Vor nichts wird Halt gemacht, nicht einmal vor Vergewaltigung an Kindern. Sie ist überfüllt mit Kannibalismus, Sex, Scheiße und wirrem Zeug. Das bringt mich direkt zu meinem ersten Kritikpunkt: Die Story will wild und unglaublich sein, geht dafür meiner Meinung nach nicht durchgängig damit um. Gerade im ersten Teil passiert nach dem Kometen eine unvorstellbare Sache (der Popcorn King), doch das war es dann. Ich empfinde das nicht als konsequent bescheuert genug, um tatsächlich eine bescheuerte Geschichte zu schreiben. Die abstrusen und sinnlosen Dinge, die passieren, sind meistens nur kleine Gags oder Details, selten große, vorantreibende Sachen. Im ersten Band finde ich auch den Sprung von „wir sind eingesperrt“ zu „wir essen uns gegenseitig und lassen uns völlig gehen“ dermaßen sprunghaft, dass ich das Verhalten der Leute nie glaubhaft fand. Manche werden vielleicht sagen, dass das Buch keinen Anspruch an Glaubhaftigkeit stellt, und dem stimme ich auch im gewissen Maße zu, aber zu diesem Zeitpunkt der Geschichte spielte die reale Angst und das reale Verhalten der Figuren noch eine Rolle. Und überhaupt: Wo ist Bob geblieben? Habe ich am Anfang des dritten Buchs was überlesen? Ich habe extra nochmal das Ende vom zweiten Buch überflogen, falls mir etwas entgangen sein sollte; aber nein, ist es nicht, von ihm ist einfach nicht mehr die Rede. Am Ende des Trilogie gibt es einen Absatz, in dem Jack nochmal an seine Freunde denkt, aber von Bob fehlt jede Spur. Außerdem finde ich es störend, dass derlei kurze Bücher um ganze Kapitel ergänzt werden, die lang und breit die Hintergrundgeschichten von Nebenfiguren erzählen, die dann teilweise eben nur eine Nebenfigur sind oder aber nichts zu irgendwas beitragen. Wobei das am schlimmsten im letzten Band der Fall ist (Stichwort Bjoe). Die Trilogie möchte mich Absurdität und Vulgärem glänzen, und nichts soll Sinn in dieser Welt ergeben. Demnach empfinde ich das Ende als sehr inkonsequent. Hier wurde doch versucht, einen Sinn für alles zu geben, auch wenn diesem schwer zu folgen ist und er genauso abstrus wie alles andere ist. Nach dem ersten Akt im ersten Buch sind alle Figuren, abgesehen vom verschwindenden Bob, gleich. Sie sprechen vollkommen vulgär und in dem gleichen Sprechgesang wie der Erzähler. Jede Figur, die zu Wort kommt, zieht die absolut kindischsten und vulgärsten Vergleiche, die völlig an den Haaren herbeigezogen sind. Da wird einfach mal die Farbe vom Sonnenuntergang im Wasser verglichen mit dem Nippel einer Frau. Das wirkt einfach affig. Und ich spreche selbst manchmal vulgär, doch hier kommt kein einziger Absatz ohne ein Vergleich mit Scheiße, Pisse, Kotze, Sex oder etwas in der Art aus. Einzig im letzten Akt des letzten Buchs sind wenige normale Vergleiche aufgetreten, die herausstechen wie die Latte eines Teenagers aus der Bettdecke am Sonntagmorgen (ungefähr so kann man sich die Vergleiche vorstellen). Keine einzige Figur ist mir ans Herz gewachsen, außer vielleicht Reba. Doch jedes Mal werden gerade Frauen vom Erzähler dermaßen sexualisiert beschrieben, dass es nur noch nervt. Ich verstehe schon, der Erzähler ist notgeil, aber irgendwann muss man einfach an den Leser denken. Ich kann mir keine emanzipierte Frau vorstellen, die das Buch gutheißt, wenn wirklich jede einzelne weibliche Figur in dem Buch erstmal auf Attraktivität bewertet wird mit Vergleichen wie von Jugendlichen. Dem Schreibstil stehe ich dennoch zwiespältig gegenüber. Die unzähligen, peinlichen Vergleiche stören. Und auch das ständige „sagte“ und „fragte“. Aber es kommt eine starke Eigenheit des Erzählers rüber, was auch die Intention ist. Es wirkt, als würde einem eine Geschichte erzählt werden. Satzbau und -strukturierung sind auch sehr abwechslungsreich, was mir auf lange Sicht am meisten gefallen hat. Ich habe mich ständig gefragt, warum ich dann doch weiterlese, obwohl mir so viel daran nicht gefällt und ich diese Trilogie nicht weiterempfehlen möchte. Lag es dann doch daran, dass ich wissen wollte, was am Ende passiert? Oder wollte ich doch Jack bei seinen Abenteuern begleiten? Oder sind mir doch die anderen Figuren ans Herz gewachsen? Irgendwie schon, bis auf die letzte Frage. Ich wollte wissen, wie der Autor diesen ganzen sinnlosen Müll versucht, zu Ende zu führen. Ich wollte wissen, was am Ende des Highways und am Ende der großen Brücke ist, auch wenn ich dafür durch literarischen Mist wandern musste. Und hat es sich gelohnt? Wenn man den ersten Band gelesen hat, vielleicht, wenn nicht, nein.

