Fantasy ohne Helden — und gerade deshalb so gut
Mit Die Königsklingen hat Joe Abercrombie genau das geliefert, was mir nach Jahren des Wartens auf The Doors of Stone von Patrick Rothfuss gefehlt hat: Fantasy, die sich nicht geschniegelt und heldenhaft gibt, sondern dreckig, zynisch und trotzdem erstaunlich menschlich wirkt. Das gilt für Die Königsklingen, sowie die Klingen-Saga im allgemeinen. Die größte Stärke des Buches sind für mich ganz klar wieder einmal die Charaktere. Kaum jemand in dieser Welt taugt als moralisches Vorbild, und den meisten Figuren würde man im echten Leben vermutlich lieber aus dem Weg gehen. Trotzdem schafft Abercrombie etwas Beeindruckendes: Er stattet selbst die kaputtesten, egoistischsten oder unerquicklichsten Gestalten mit so viel Charme, Witz und Persönlichkeit aus, dass man ihnen gerne folgt. Man ertappt sich ständig dabei, Sympathie für Menschen zu empfinden, die sie eigentlich kaum verdienen. Der Schreibstil ist stellenweise angenehm derb und direkt, was hervorragend zur rauen Welt passt. Persönlich hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn Abercrombie hier noch eine Schippe draufgelegt hätte — gerade die kompromisslose Tonalität macht einen großen Teil des Reizes aus. Wer klassische Fantasy mit strahlenden Helden sucht, ist hier falsch. Wer aber Lust auf bissige Dialoge, großartige Figuren und eine Welt voller Dreck, Ironie und grauer Moral hat, findet mit der Klingen-Saga einen hervorragenden Einstieg in eine der spannendsten Fantasyreihen der letzten Jahre.































