Gut und flüssig geschrieben , Story und Spannung tragen über den doch recht langen Umfang . Leider kann das Ende nicht halten was das Buch aufgebaut hat , eine Fortsetzung würde ich dennoch blind kaufen .
Ich hatte nicht viel erwartet, nachdem ein Buch mit einem ähnlichen Thema (SOL) mich bereits sehr enttäuscht hatte und Titel und Cover hier wieder sehr typisch fürs Genre daher kommen. Irgendwie wird jedes zweite SciFi-Werk als neues Epos angepriesen. Allerdings kann ich mich in diesem Fall in die lobenden Stimmen auf dem Buchrücken nur einklinken. Man lache nie über einen Kuss. Ein Kuss war geheimnisvoll und mächtig, fragil und unbesiegbar. Wie ein Funke konnte ein Kuss erlöschen oder einen ganzen Wald entzünden. Ein Kuss war keine lächerliche Sache. Nicht für die Wachsamen. Ein Kuss konnte die Welt verändern. Auch wenn ich sonst nie das Ende zitiere, spoilert es hier nicht, sondern ist ein wunderschönes Beispiel dafür, wie hier von Westerfeld zwischenmenschliche Gefühle eingebunden werden in sein galaktisches Imperium. Im Kaiserreich der 80 Welten dreht sich alles um den Kult des Kaisers, der den Tod besiegt hat und auferstanden ist. Als seine Schwester von den Feinden des Kaiserreichs, dem Rix-Kult, als Geisel genommen wird, beginnt die Handlung, die hauptsächlich von Laurent Zai, Captain der Luchs-Fregatte, und verschiedenen Mitgliedern seiner Crew, sowie Senatorin Nara Oxham auf Heimat, die im Senat sitzt und direkt mit dem Kaiser zu tun hat, getragen wird. Allerdings bekommt auch der Rix-Kult eigene Sichtweisen. Und so entbrennt eine Schlacht im All und auf fernen Planeten und zeitgleich ein subtiler Kampf voller Intrigen und politischen Ränkespielen auf Heimat, wo der Keiser sitzt ... Denn vielleicht gibt es ein Geheimnis, das alles ändern könnte und vielleicht sind die Rix nicht so böse und gedankenlose Diener eines technischen Gottes, wie man am Anfang denkt. Von dem Rest kann ich nicht schwärmen, ohne zu spoilern. Ich liebe einige der Ideen! Das Verbundbewusstsein, das sich selbst einen Namen gibt und von seinem Entstehungsplaneten löst, fand ich sowohl innovativ als auch gut geschildert aus seiner eigenen Sicht. Wie die Rix kein männliches Geschlecht mehr haben und das ganz beiläufig als überflüssig abgetan wird! Wie Herd oder h'rd, die Rix, die ihre eigene Sichtweise hat, mehr über die Menschen lernt und sich in Rana Harter, eine menschliche Frau, deren Identität sie annehmen will, verliebt. Wie die Politik auf Heimat immer wieder eine Rolle spielt und die Geschehnisse vor zehn Jahren mit verwoben werden und dass sogar Nara Oxhams Haus eine eigene Sicht hat. Leider gibt es ein paar kleine Schwachstellen. Wer bitte hat sich diesen Titel der Übersetzung ausgedacht? Etwas generischer und einfallsloser ging es nicht? Selbst jetzt ist mir nicht klar, worauf sich "Weltensturm" beziehen soll. Die beiden Originalausgaben "The Risen Empire" und "The Killing of Worlds" sind da zwar ebenso simpel, aber passen wenigstens 1:1 zum Inhalt des Buches. Außerdem ist die Geschichte zwar rund, wenn man den Handlungsbogen allein auf das Geheimnis bezieht, dennoch bleibt am Ende vieles offen. Ein erhofftes Wiedersehen bestimmter Charaktere gibt es nur in der Vergangenheit und wie sich das politische Erdbeben auswirkt: wird der Kaiser gestürzt? Überlebt Nara Oxham die Unruhen? Was passiert, wenn sie Alexander nach Heimat gebracht haben? bleibt offen. Ich weiß nicht, ob es einen Nachfolgeband gibt, sehe auch nicht recht die Notwendigkeit für einen, deshalb hätte ich doch gern ein wenig mehr darüber gewusst. Alles in allem aber ein fantastisches Lesevergnügen! Nicht beurteilt wurden von mir die technischen Hintergründe, da ich da leider nicht das Verständnis von habe. Für mich hielten sich die Passagen, die Raumschifftechnik oder Ähnliches beschrieben, gut die Waage mit Stellen, die eher auf Spannung oder Intrige ausgerichtet waren. Es gab dennoch wesentlich mehr Wissenschaft als in anderen Space Operas, die ich bislang gelesen habe, also dürften auch Hard SciFi-Fans mehr auf ihre Kosten kommen.

