30. Sept.
Rating:1.5

Spielt in die "hilfloses Mädchen wird zur Auserwählten"-Schiene

Zuerst muss ich erwähnen, dass ich von diesem Autoren bereits »Die Bruderschaft von Yoor« gelesen habe, und dieses Buch hier unbedingt mögen wollte, weil ich ihm als Fantasy-Autor noch eine Chance geben wollte. Aber leider nein. Die Story ist solide aufgebaut, der epische Schreibstil passend zur damaligen Form. Was mich einfach abnormal bei dieser Geschichte stört: Dass Marie im fünften Kapitel – also auf Seite 61ff – zu Sex gegaslighted wird und das völlig okay erscheint für den Verlag und die Leser:innen. Noch dazu wird auch in diesem Buch die Protagonistin von Kapitel zu Kapitel nackiger, bis sie sich dazu entschließt, sich gar nicht mehr in Kleidung zu hüllen. Hier hat es wenigstens einen guten Grund – dennoch sind die Verbindungen zu »Die Bruderschaft von Yoor« nicht zu übersehen, wo die Prota sich mit der Zeit ebenfalls bei jeder Gelegenheit entkleidete. ####SPOILER START#### Stell dir vor, du hattest einen lebensbedrohlichen Unfall (in einer Fantasy-Welt) und wachst nach gefühlt Wochen in einem fremden Bett auf… und die ersten Dinge, die du bemerkst sind, dass du erstens nackt bist und zweitens RASIERT. Zitat Seite 68 ff: »Marosh! Was hast du mit mir gemacht?« Der junge Schmied erstarrte. »Was denn? Was soll ich gemacht haben?« Mit vor Entsetzten geweiteten Augen sah sie ihn an. »Ich … ich bin ganz nackt in meinem Schoß … ich …« Marosh schluckte. »Oh. War dir das nicht recht? Ich meine…« Sie starrte ihn eine Weile ungläubig an, dann verfinsterte sich ihr Gesicht. Wütend biss sie die Zähne aufeinander. »Was … meinst du?«, fauchte sie. […] »Nun ja…«, wand er sich, »dass dir das nicht recht sein könnte. Ich meine, ich musste dich doch waschen! Außerdem … alle Mädchen tun das doch, oder? Und du bist so schön…« […] »Na ja, ich meine, die Mädchen in den Städten, die machen das alle, es sieht ja auch viel hübscher aus … und …« Ab diesem Punkt ist es einfach nur noch unfassbar cringe, weiterzulesen, aber hey, das war nicht alles! Zitat Seite 70 ff: Marosh ließ sich auf die Knie nieder und beugte sich über die Bettkante zu ihr. Marie kauerte sich zusammen, wusste nicht, was sie tun sollte. »Ich … ich habe mich einfach in dich verliebt«, gestand er ihr mit sanfter Stimme. »In der Woche, in der du hier bei mir warst. Du lagst hier … glaub mir, ich habe noch nie ein so schönes Mädchen wie dich gesehen, du warst … wie ein kleiner Engel für mich. Ich hätte dich immerzu nur ansehen können, hab dich gewaschen und gepflegt, und ich wollte, dass du so schön aussiehst, wie es nur irgend geht. Deswegen hab ich dich …« Er deutete in Richtung ihres Schoßes. »Und dann irgendwann hab ich dich geküsst. Weil du so wunderschön bist. Ganz kurz nur.« Ein Lächeln flog über sein Gesicht. »Aber es muss dir gefallen haben. Du hast leise geseufzt.« Marie stieß ein Stöhnen aus. Diese ganze Angelegenheit war einfach ein Unding, eine bodenlose Frechheit, eine Gemeinheit und fast eine Vergewaltigung… Aber irgendwie doch zauberhaft. Newsflash: Nope! Zitat Seite 74 ff: Was mache ich nur? Ich kenne ihn keine halbe Stunde! Dennoch war sie bereit zu glauben, dass er wirklich in sie verliebt war. Er war so sanft und zärtlich, dass es gar nicht anders sein konnte. […] Sie fragte sich, warum sie immer geglaubt hatte, das erste Mal sei scheußlich und abstoßend. Nun ja, das richtige erste Mal war es noch gar nicht. Würde er sie darum auch noch bitten? Sie wusste nicht, was sie dann tun würde. […] Dennoch fürchtete sie den Augenblick, da er sie danach fragen würde. Doch es kam unweigerlich. Irgendwann tauchte sein Gesicht wieder vor dem ihren auf. »Marie, ich wäre so gern richtig in dir. Erlaubst du mir das?« Ihre Brust drohte zu zerspringen. Die Art, wie er diese Frage gestellt hatte, die Höflichkeit und der Respekt, die darin lagen, verweigerten es ihr schlichtweg, nein zu sagen. Doch ihr Verstand rüttelte verzweifelt an ihren Gefühlen und schrie ihr zu, dass sie unmöglich mit einem Mann schlafen könne, der ein völlig Fremder für sie war, und noch dazu in ihrer Lage, nach allem, was geschehen war. […] »Ich … ich h-hab das noch nie getan«, stotterte sie. Er lächelte vieldeutig. »Nicht? Solltest du aber.« Marie richtete sich auf. Ihre Schenkel waren weit geöffnet, und eigentlich gab es keinen vernünftigen Grund, jetzt haltzumachen. Excuse moi?!! Wer nicht will, der muss nicht, schon mal davon gehört? So consent und so? Zitat Seite 75: »Möchtest du ihn einmal sehen?«, fragte er. Marie holte tief Luft. Schon wieder so ein Augenblick, den sie gefürchtet hatte. Aber Marosh besaß eine unwiderstehlich sanfte Art, sie an diesen schrecklichen Augenblick heranzuführen. Er kniete vor dem Bett, auf dessen Kante sie saß, und sie konnte die Wölbung unter seinem ledernen Schurz deutlich erkennen. Jepp, er trägt als Schmied NUR die lederne Schürze 🤨 Weil Feuer, Esse, Glut … damit kommt der Schmied klar auf nackter Haut, wa! Aber weiter… Zitat Seite 75: »Das tut weh beim ersten Mal, nicht?«, fragte sie unsicher. »Ich werde aufpassen.« Er erhob sich, löste seitlich eine lederne Schnur, und dann stand er nackt vor ihr. Uuuund hier kommts! Zitat Seite 75: »Und du liebst mich wirklich?«, fragte sie hoffnungsvoll und blickte zu ihm auf. Er war ein Riese über ihr, aber sie hatte keine Angst vor ihm. Er beugte sich hinab zu ihr, küsste sie auf den Mund und flüsterte: »Ja, kleine Marie, ich liebe dich wirklich.« Sie schloss die Augen. Noch nie hatten Worte einen solchen Strom von Wärme in ihr erzeugt. Den Rest des Originaltextes erspare ich dir… Alles, was sie hört, sind die Worte »Ich liebe dich« und ZACK! spreizt sie die Beine, weil sie ihn ja auch liebt… 🤡 Oh, und natürlich hüpft Marie auch mit dem willigen Fürsten Thoren ins Bett, geht ja nicht anders. Der hat den krassesten Orgasmus EVER und weil er deshalb ein schlechtes Gewissen bekommt (weil mit seiner Frau war's wohl nicht so dolle), schmeißt er sie raus. Marie wird dann deshalb, zur Strafe, weil sie ihn verführt hat, von seinen Soldaten nackt durch die Straßen getrieben und Hure geschimpft, wie kann es auch anders sein 🙄 ####SPOILER ENDE#### Fazit: Nein – einfach nein. Lese nie wieder etwas von Harald Evers. Mehrere seiner Werke scheinen von solch alten Klischees und Anschauungen durchtränkt. Diese Art von Fantasy passt einfach nicht zu meinem Lesegeschmack.

Das Amulett
Das Amulettby Harald EversHeyne