
Die Adler rufen! Helm auf, Kinnriemen festgezogen und auf zum Veteranentreffen mit Cato und Macro.
Es gibt Buchreihen, die man über die Jahre nicht nur liest, sondern in denen man förmlich lebt. Nach so vielen gemeinsamen Abenteuern fällt es mir ausgesprochen schwer, eine gänzlich unvoreingenommene Rezension zu verfassen, da ich Macro und Cato bereits seit vielen Jahren durch ihre Erlebnisse begleite. Diese Berichte über ihren unermüdlichen Einsatz für das Römische Imperium sind für mich ein persönlicher Schatz und die Stars meines Bücherregals. Eine objektive Distanz zu wahren, fällt mir hierbei fast so schwer, wie es dem guten Macro fallen würde, an einem Becher Wein achtlos vorbeizugehen – es ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Simon Scarrow versteht es meisterhaft, seine Geschichten spannend zu gestalten und vermittelt obendrein fundiertes Wissen über die Funktionsweisen und Strukturen des römischen Militärs. In „Die Rache Roms“ stehen Cato und Macro jedoch vor einer Herausforderung, die weit über das übliche Maß hinausgeht. Sie sollen Boudicca und ihr Rebellenheer endgültig zur Strecke bringen – eine Aufgabe, die durch einen massiven Mangel an Ressourcen ohnehin schon fast unmöglich erscheint. Was diesen Auftrag jedoch besonders schwer wiegt, ist die persönliche Ebene: Beide waren vor einiger Zeit freundschaftlich mit Boudicca verbunden. Schwerer noch wiegt ein Geheimnis, das nur Cato, Macro und die Rebellenkönigin selbst teilen: Macro ist der Vater ihrer ältesten Tochter. Dieser Umstand stürzt unsere Protagonisten in ein tiefes moralisches Dilemma und macht die Jagd auf die Anführerin der Icener zu einer hochemotionalen Zerreißprobe zwischen Loyalität zum Imperium und den Banden der Vergangenheit. Der Roman erweist sich als Pageturner ohnegleichen. Ein besonderes Highlight ist zum Beispiel Catos Besuch in den Trümmern von Londinium. Eigentlich will er dort nur nachsehen, ob von Macros Gasthaus überhaupt noch ein Stein auf dem anderen steht – und stolpert stattdessen mitten in eine Begegnung, die mich als Leser völlig verblüfft hat. Ich spreche für diesen, wie auch alle anderen Bände der "Adler"-Reihe meine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung aus! Zwar kann jeder Band für sich gelesen werden, doch ich rate jedem, die Reihe von vorn zu beginnen. Die Entwicklung der beiden Hauptprotagonisten zu begleiten, ist fast so, als würde man voller Stolz ein Kind aufwachsen sehen. Für Fans historischer Romane bleibt Scarrow einfach eine unverzichtbare Größe.


