Der Titel weckt falsche Erwartungen
… bes. in der Kombination mit dem Klappentext. Tiefe Schuld von Laura Dave hatte für mich eine interessante Ausgangsidee, konnte sie aber leider nicht wirklich ausspielen. Die Geschichte dreht sich um eine Tochter, die nach dem Tod ihres Vaters – angestoßen durch ein Gespräch mit ihrem Bruder – anfängt zu zweifeln, ob es wirklich ein Unfall war. Dieser Moment weckt zwar Neugier, aber das Buch bleibt insgesamt erstaunlich zurückhaltend. Statt Spannung oder emotionaler Tiefe wirkt vieles eher farblos und oberflächlich. Die Figuren bleiben blass, und obwohl große Themen wie Schuld, Familie und Vergangenheit angerissen werden, werden sie nicht wirklich vertieft. Besonders in der Mitte zieht sich die Handlung unnötig in die Länge, ohne dass sich inhaltlich viel bewegt. Das Ende bringt zwar Antworten, fühlt sich aber wenig befriedigend an, weil der Weg dorthin zu wenig Gewicht hatte. Insgesamt ist Tiefe Schuld kein schlechtes Buch, aber auch keines, das lange im Gedächtnis bleibt. Solide für zwischendurch – mehr leider nicht. Spoiler Es klärt sich nicht auf, wieso der Polizei so grobe Fehler unterlaufen sind, wieso die Gerichtsmedizin andere Ergebnisse hatte, die jedoch nicht verfolgt wurden.


