Eine Liebeserklärung an klassische RomComs – witzig, klug und mit echtem Herzkino. Definitiver Re-Read.
Wenn das Leben sein eigenes Drehbuch schreibt Evie Summers arbeitet seit Jahren unterbezahlt als Assistentin in einer Londoner Filmagentur und hofft sehnsüchtig auf ihre lang überfällige Beförderung. Der Haken: Ihr wichtigster Klient, der arrogant-charmante Drehbuchautor Ezra Chester (im Freundeskreis nur „S.N.O.B.“ genannt), weigert sich, das längst fällige Drehbuch für eine romantische Komödie abzuliefern. Sein Argument: Romantische Liebe gibt es nicht. Punkt. Also schließen die beiden einen Pakt: Wenn Evie beweisen kann, dass schicksalhafte erste Begegnungen wie in den großen Hollywood-RomComs auch im echten Leben passieren, schreibt Ezra das Drehbuch. Evie stürzt sich in die Challenge, stellt magische Filmmomente nach, vom Tortenwurf in „Notting Hill“ bis zum versehentlichen Anrempeln im Café aus „Sleepless in Seattle“. Was sie dabei nicht ahnt: Während sie für einen Drehbuch-Helden plant, taucht in ihrem echten Leben jemand auf, der ihr Drehbuch komplett umschreibt. Rachel Winters schreibt locker, witzig und mit so viel Herz, dass man Evies Leben sofort als sein eigenes empfindet. Die Sätze fliegen, die Dialoge sind schlagfertig, und der britische Humor sitzt auf jeder Seite perfekt. Das ist die Sorte RomCom-Schreibstil, den man von den besten der Branche kennt – Beth O’Leary, Sophie Kinsella, Mhairi McFarlane. Die deutsche Übersetzung von Irene Eisenhut und Janine Malz ist hervorragend gelungen. Britischer Witz lässt sich notorisch schwer ins Deutsche bringen, hier wirkt aber nichts hölzern oder verloren. Die Wortspiele funktionieren, die Pointen sitzen, der Sound bleibt erhalten. Was dieses Buch von 90 Prozent aller anderen RomComs abhebt: Jedes Kapitel beginnt mit Regieanweisungen wie in einem echten Drehbuch. „Innenraum, Café, Tag“ – „Evie sitzt am Fenster, eine Latte in der Hand, der Regen prasselt gegen die Scheibe.“ Diese Mini-Filmschnipsel zu Beginn jedes Kapitels sind nicht nur Stil-Spielerei, sondern unterstreichen den Kern der Geschichte: Evie versucht, ihr Leben in ein Drehbuch zu verwandeln, und das Buch macht visuell genau das. Genauso clever: die Liste der RomCom-Challenges, die Evie nachstellt. Wer Filme wie „Notting Hill“, „Tatsächlich… Liebe“ oder „Wenn Harry Sally trifft“ liebt, wird hier mit so vielen Anspielungen belohnt, dass man permanent grinst. Eine Liebeserklärung ans Genre, die selbst Genre ist. Evie ist eine Hauptfigur, in die man sich beim Lesen sofort verliebt. Sie ist klug, witzig, manchmal zu zaghaft, oft zu loyal, und gerade ihre Selbstzweifel und ihr Mut, sich trotzdem auf die wahnwitzige Challenge einzulassen, machen sie so liebenswert. Keine perfekte Heldin, sondern jemand, in dem man sich wiedererkennt. Ezra ist die heimliche Überraschung dieses Buches. Anfangs unausstehlich, oberflächlich, arrogant. Aber Winters macht etwas Geniales: Sie zeigt nach und nach, was hinter der S.N.O.B.-Fassade steckt. Am Ende habe ich diesen Charakter wirklich ins Herz geschlossen – und das ist die Kunst, jemanden so zu wandeln, ohne ihn zur Karikatur zu machen. Und dann ist da Ben. Ohne zu spoilern: Ben ist ein gefühlvoller, in seiner Verletzlichkeit ehrlicher Mann, dessen kleine Tochter Anette die heimliche Hauptfigur des Buches ist. Anette ist süß, klug, frech und so liebenswert geschrieben, dass man bei jeder Szene mit ihr grinsen muss. Wer eine Schwäche für kluge Kinder in Romanen hat, wird sie sofort vergöttern. Trotz 413 Seiten zieht sich nichts. Die RomCom-Challenges sorgen für ein klares Episoden-Format, das Tempo bleibt hoch, und Winters streut immer wieder kleine emotionale Tiefen ein, die das Buch trotz aller Leichtigkeit erden. Das ist genau die Mischung, die ich liebe: lustig genug, um zu lachen, ehrlich genug, um zu berühren. Was ich besonders genossen habe: die Buchclub-Szene. Es gibt einen Moment im Mittelteil, der so absurd-komisch ist, dass ich Tränen gelacht habe. Wer das Buch liest, wird wissen, was ich meine. Pfropf-Gate inklusive. Hinter der bunten RomCom-Verpackung verhandelt Winters tatsächlich tiefere Themen. Es geht um Selbstwert, um den Mut, sich beruflich für sich selbst einzusetzen, um den Unterschied zwischen Filmliebe und echter Liebe – und um die Frage, was man eigentlich will, wenn niemand das Drehbuch für einen schreibt. Das Setting London ist atmosphärisch eingefangen, ohne klischeehaft zu wirken. Die Filmagentur, das Café, das Buchclub-Setting, die Fish-and-Chips-Buden – alles wirkt vertraut und neu zugleich. Eine perfekte Kulisse für eine Geschichte, die ihrem Genre Respekt zollt und es gleichzeitig liebevoll auf die Schippe nimmt. Mein Fazit: „Happy End für zwei“ ist genau das Buch, das man braucht, wenn man die Welt ein paar Stunden ausblenden und einfach lächeln möchte. Rachel Winters schreibt mit so viel Herz, Verstand und britischem Witz, dass dieses Buch zu einem echten Wohlfühl-Highlight wird – und gleichzeitig clever genug ist, um seinem Genre eine Liebeserklärung zu machen. Wer nach klassischen RomComs wie „Notting Hill“ oder „Tatsächlich… Liebe“ das passende Buch sucht: Hier ist es. Empfehlenswert für Fans von Beth O’Leary, Sophie Kinsella, Mhairi McFarlane und Lia Louis. Für alle, die klassische Hollywood-RomComs lieben oder ein wohliges, britisch-charmantes Wohlfühlbuch suchen. Auch eine perfekte Urlaubslektüre oder das ideale Geschenk für Filmfans. Eher nichts für Leser:innen, die mit klassischer RomCom-Logik (überdrehte Situationen, Filmtropes, Happy End) nichts anfangen können oder düstere Geschichten und hohen Spice-Anteil bevorzugen – das hier ist gefühlvolle, klassische Romance ohne explizite Szenen.



















