⚠️ Triggerwarnung: Sexueller M*ssbrauch an Kindern, Gewalt, Abtreibung. Bitte nur lesen, wenn ihr euch stabil fühlt. Königstöchter (Carla Berling)
Ehrlich gesagt: Der Anfang war für mich diesmal etwas wirr. Nach dem Prolog bin ich schwer in die Geschichte gekommen, das war beim ersten Buch („Sonntags tot“) leichter. Aber dranbleiben lohnt sich – ab Seite 86 ergibt alles einen Sinn. Worum geht es? Wir folgen vier Frauen, heute alle über 70 Jahre alt. Drei von ihnen teilen ein schreckliches Geheimnis: Sie wurden als Kinder von den eigenen Vätern missbraucht und – das ist das Schlimmste – in einen Kinderpuff verkauft. Dort wurden sie von Männern wie Dr. Deppendorf, Alois König und Menkhoff wie Ware benutzt. Wenn ein „Missgeschick“ (Schwangerschaft) passierte, war der „Engelmacher“ zur Stelle. Es ist einfach nur zum Kotzen. Plötzlich geschieht in der Gegenwart ein Mord nach dem anderen. Jede der Freundinnen, die plant, das Schweigen zu brechen – sei es durch Tagebücher oder weil die Erinnerungen durch Alzheimer wieder hochkommen – schwebt in Lebensgefahr. Das Erschreckende: Der Täter glaubt, aus „Liebe“ zu handeln. Er will die Frauen „beschützen“, doch diese Liebe ist absolut einseitig, besessen und am Ende tödlich. „Männer. Es sind immer nur Männer, die kleine Kinder besteigen... die das Leben von Kindern zerstören.“ (Seite 191) Dieser Satz ist leider keine reine Fiktion. Laut der Kriminalstatistik des BKA wurden im letzten Jahr fast 16.000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern registriert. Über 92% der Opfer sind Mädchen und Frauen. In diesem Buch sehen wir, wie das Leben dieser Kinder zerstört wurde und wie das Trauma sie bis ins hohe Alter verfolgt. Es stellt uns vor die moralische Frage: Wie weit kann man Taten nachvollziehen, wenn die Grenze zwischen Opfer und Täter verschwimmt? Ein hartes, wichtiges Buch über die Stärke der Frauen, die am Ende eine Stiftung gründen, um anderen die Sicherheit zu geben, die sie selbst nie hatten. Mir persönlich fehlen die TW. Es wäre schön, wenn man darauf vorbereitet wäre.
