
Irgendwo zwischen albern und unauthentisch und an anderer Stelle echt und berührend
✨ Rezension: „Dear John“ von Nicholas Sparks✨ ⭐️ 3,25/5 Manchmal hat man einfach Lust auf eine richtig klassische Liebesgeschichte. Wenn man Romance möchte, macht man mit Nicholas Sparks selten etwas falsch. Außerdem kannte ich die Verfilmung zu „Dear John“ tatsächlich noch nicht und wollte deshalb ganz unvoreingenommen in die Geschichte eintauchen. Das Buch erzählt die Geschichte von John, einem Soldaten, und Savannah, einer jungen Studentin, die sich kennenlernen und sehr schnell ineinander verlieben. Doch ihre Beziehung wird immer wieder durch Distanz, Zeit und unterschiedliche Lebensrealitäten auf die Probe gestellt. Ein großer Teil ihrer Beziehung findet über Briefe statt, während John im Ausland stationiert ist und beide versuchen, an ihrer Liebe festzuhalten. Der Anfang war für mich ehrlich gesagt eher schwierig. Man musste sich schon darauf einlassen, dass hier zwei sehr junge Menschen innerhalb kürzester Zeit die große Liebe finden. Gefühlt waren sie am vierten Tag schon bei „Ich liebe dich“, und das war mir persönlich etwas zu kitschig und auch nicht besonders glaubwürdig. Vor allem, weil die beiden keine Teenager mehr sind, sondern Anfang zwanzig. Da dachte ich anfangs schon eher: okay… schwierig. Auch der Mittelteil konnte mich nicht komplett abholen. Die Briefe zwischen den beiden waren teilweise wirklich extrem schnulzig und sehr melodramatisch. Gleichzeitig hat man aber durchaus gespürt, wie sehr die Distanz und die völlig unterschiedlichen Lebenswelten an der Beziehung zehren und wie viele äußere Umstände ihr Zusammensein erschweren. Das war emotional schon nachvollziehbar dargestellt. Richtig interessant wurde das Buch für mich tatsächlich erst später: ab dem Punkt, an dem die Beziehung zerbricht. Ab da hatte die Geschichte plötzlich eine viel ehrlichere und erwachsenere Dynamik. Die Entwicklung der Figuren, die verpassten Chancen, die Frage danach, was Liebe nach Jahren eigentlich noch bedeutet, das fand ich deutlich spannender als die eigentliche Romanze am Anfang. Das Ende war dann teilweise schon etwas vorhersehbar und sehr dramatisch inszeniert. Dass ihr Ehemann krank wird und daraus wieder diese große tragische Liebesgeschichte entsteht, war mir persönlich fast ein bisschen zu konstruiert und heroisch. Was ich aber wirklich sehr schön fand, wahrscheinlich sogar am schönsten am ganzen Buch, war die Entwicklung der Beziehung zwischen John und seinem Vater. Sein Vater wird im Buch als Asperger-Autist beschrieben, und gerade Johns zunehmendes Verständnis für ihn, die neue Perspektive auf seine Kindheit und die vorsichtige Annäherung zwischen den beiden wirkten auf mich überraschend ehrlich und berührend. Dieser Teil hatte für mich emotional deutlich mehr Tiefe als die eigentliche Liebesgeschichte. Insgesamt war es für mich eine solide, emotionale Romance mit einigen sehr schönen Momenten, aber auch viel Kitsch und einigen vorhersehbaren Entwicklungen. Trotzdem genau das Richtige, wenn man gerade Lust auf eine klassische, tragische Liebesgeschichte hat. 💌































