Der Anfang war so toll und auch das Postscriptum, aber zwischendrin hat mich die Geschichte verloren
3,5 Sterne Auf das Buch „Das geheime Glück“ von Julie Cohen war ich mehr als gespannt, zum einem weil es mir mehrfach ans Herz gelegt wurde, zum anderen aber auch, weil die Liebesgeschichte von Robbie und Emily rückwärts erzählt wird. Wir beginnen also an einem Punkt in ihrer Geschichte, als Emily und Robbie schon älter sind und Robbie durch eine beginnende Demenz droht, ein langgehütetes Geheimnis zu verraten. Wir gehen dann im weiteren Verlauf in einigen Zeitsprüngen rückwärts durch ihre gemeinsames Leben bis hin zu dem Punkt, an dem sie sich kennenlernen. Dadurch wird große Spannung aufgebaut, da man Andeutungen und so manche Reaktion diverser Nebenfiguren nicht immer verstehen kann und erst zum Schluss das große Geheimnis gelüftet wird. Leider war der Spätsommer und Herbst für mich lesetechnisch nicht gerade erfolgreich verlaufen. Ich habe wenig gelesen (privat und beruflich bedingt) und die Bücher, zu denen ich gegriffen habe, waren zum größten Teil nicht wirklich packend und enttäuschend. Deshalb war ich mir auch nicht sicher, ob eine Liebesgeschichte (bei meiner „Vorliebe“ für Liebesgeschichten) jetzt das richtige für mich war, aber das Cover hat mir so unfassbar gut gefallen und die Idee war so toll – deshalb habe ich einfach angefangen. Und was soll ich sagen, ich war sofort drin in dem Buch, ich habe Robbie und Emily in ihrem Alter direkt gefühlt, ich war so nah an ihnen dran und habe Robbie beim Aufstehen und Frühstück machen beobachtet, wie er sich um die Hunde kümmert und dann … den Freitod wählt. Und die Nähe blieb auch lange Zeit erhalten, allerdings nicht bis zum Schluss. Je näher wir dem Zeitpunkt ihres Kennenlernens kommen, desto mehr haben mich Emily und Robbie und ihre Geschichte verloren. Sie waren mir zwar nie unsympathisch, aber so wirklich mit ihnen mitgefühlt habe ich nicht. Ich wurde zusehends emotionsloser. Tatsächlich war mir das Kennenlernen und die erste Verliebtheit sogar zu lang erzählt worden. Da wurde in meinen Augen an den falschen Punkten zu viel und zu lang erzählt. Mit dem Ende und dem Geheimnis, das hinter der Geschichte steht, habe ich kein Problem, ich wäre zwar nie auf diese Lösung gekommen, aber letztlich macht es nur so Sinn. Und trotzdem fühlte ich am Ende einen fahlen Beigeschmack zu der Geschichte. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich das Buch nicht für einige Tage zur Seite gelegt hätte, wenn ich mich zum Weiterlesen hätte aufraffen können, aber die lange Pause hat mir und dem Buch nicht gut getan. Grundsätzlich wirkten die meisten Figuren in diesem Roman sehr echt, ein Vierzehnjähriger benimmt sich seinem Alter entsprechend und einen Alkoholiker beim Trinken zu beobachten fühlt sich als Leser nicht gut an. Aber manche Reaktionen – gerade von Nebenfiguren – kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen. Auch die Tatsache, dass verhältnismäßig viele Themen aufgemacht werden, finde ich schwierig, denn auch wenn ich das Geheimnis natürlich kennen wollte, hatte ich auch oft das Gefühl, dass ich in manche Themen und Szenen gerne tiefer eingedrungen wäre und lieber im jeweiligen Augenblick geblieben wäre. Gut fand ich den leicht und schnell zu lesenden Schreibstil, der trotz Liebesgeschichte in meinen Augen kitschfrei war und auch nochmal das Ende mit dem Postskriptum, als wir in die Gegenwart zu Emily als alte Frau zurückspringen. „Das geheime Glück“ hat als sehr gutes Buch begonnen, und ich wollte es auch wirklich weiter lieben, aber so richtig glücklich bin ich mit dem Buch dann doch nicht geworden.









