Verlorene Kindheit und die Suche nach Halt
Ich weiß noch, wie ich als Jugendliche "Schloss aus Glas" von der Autorin an einem einzigen Tag verschlungen habe und mich komplett damit identifizieren konnte. Im Kern ging mir das mit diesem Buch ganz ähnlich. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Kinder, die schon immer keine stabile Beziehung zu ihrer Mutter hatten. Sie hatten nie wirklich eine Mutter vor sich, sondern eher eine fremde Freundin, die man glücklich machen möchte – und sich dabei selbst komplett verliert. Besonders die Zeit, in der man beginnt zu wachsen und sich zu entwickeln, geht dadurch verloren. Bean übernimmt daher schon von Anfang an große Verantwortung. Als die Mutter schließlich ganz verschwindet, beginnt eine unglaublich große Reise für beide Kinder. Sie beginnen, sich selbst und ihre Wurzeln kennenzulernen. Doch genau diese Wurzeln scheinen sie gleichzeitig einzuengen und am Wachsen zu hindern. Trotzdem schaffen sie es immer wieder, neue Hoffnung zu schöpfen. Die Charaktere sind meiner Meinung nach gut ausgearbeitet. Besonders Bean mochte ich sehr, da sie mit einem besonderen Schicksalsschlag zu kämpfen hat. Die Mutter hingegen wirkt immer wieder wie eine Fremde, die das Glück ihrer Kinder zerstört. Was mich besonders mitgenommen hat, war, dass sie ihren Kindern immer wieder ihre eigene Wahrheit und ihr eigenes Scheitern aufgedrückt hat. Das Ende mochte ich insgesamt sehr. Zwischen Instabilität, Frust und Verlustängsten finden beide Mädchen ihren eigenen Weg. Sie entdecken neue Lebensaufgaben und Bestimmungen für sich. Einen halben Stern ziehe ich jedoch ab. Es wird häufig über farbige Menschen im Virginia der Siebzigerjahre gesprochen. Natürlich ist das ein wichtiges Thema und vermittelt ein klares Bild eines engstirnigen und konservativen Ortes. Allerdings gab es für mich daraus keinen wirklich storybasierten Konflikt.





