17. Apr.
Rating:5

Ein Sommer voller Unschuld und ein Krieg, der alles verändert. Eine bewegende Zeitreise in den Taunus.

"Der entschwundene Sommer“ ist eine fesselnde Familiensaga, die mich tief bewegt und nachdenklich gestimmt hat. Rebecca Martin entführt uns in zwei Zeitsträngen in den Taunus. Der Hauptteil beginnt im idyllischen Sommer 1912, einer Zeit voller Glanz und Hoffnung, bevor der Erste Weltkrieg alles in Schutt und Asche legt. Besonders eindringlich und beklemmend fand ich die Schilderungen der Schlacht um Verdun. Wie die Protagonisten Johannes und Ludwig verändert aus den Gräben zurückkehren, wird so lebendig beschrieben, dass das Grauen fast physisch gespürt werden kann. Die Geschichte verwebt Liebe, Verrat und ein lang gehütetes Familiengeheimnis rund um ein altes Ausflugslokal. Im Jahr 1992 begibt sich Mia auf Spurensuche nach ihrer Herkunft, nachdem sie erfährt, dass sie adoptiert wurde. Während Mia für meinen Geschmack manchmal etwas zu naiv agierte besonders im Umgang mit ihrem untreuen Ehemann, haben mich die Charaktere der Vergangenheit völlig in ihren Bann gezogen. Die Dynamik zwischen den ungleichen Brüdern und der Konflikt zwischen den Freundinnen Beatrice und Corinna sind meisterhaft gezeichnet. Obwohl das Erzähltempo erst ab der Hälfte richtig anzieht und die Auflösung des Geheimnisses auf den letzten 50 Seiten für meinen Geschmack etwas zu überhastet und "glatt" verlief, bleibt der Roman ein echtes Highlight. Es ist eine ergreifende Geschichte über das Schicksal, die zeigt, wie nah Freud und Leid beieinanderliegen. Wer Familiensagas mag, die in Deutschland spielen und historische Tiefe besitzen, wird diesen Roman lieben! Wissenswertes Die Autorin Rebecca Martin ist das Pseudonym der deutschen Autorin und Lektorin Ines Keerl. Sie ist bekannt für ihre akribisch recherchierten historischen Romane, die oft im 19. und frühen 20. Jahrhundert spielen. Der Taunus bei Frankfurt am Main dient als stimmungsvolle Kulisse. Die Region war zur Kaiserzeit ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel, was im Roman wunderbar eingefangen wird. Der Roman thematisiert das "Ende der Unschuld" einer ganzen Generation durch den Ersten Weltkrieg. Es geht um Traumata, die über Jahrzehnte hinweg Familienstrukturen prägen, und um die mühsame Suche der Nachkriegsgenerationen nach der Wahrheit. Die Geschichte folgt dem beliebten Muster der "Dual Timeline" (Vergangenheit trifft auf Gegenwart), das durch Bestseller wie die von Lucinda Riley bekannt wurde, hier aber durch den starken Fokus auf die deutsche Geschichte eine ganz eigene Note erhält.

Der entschwundene Sommer
Der entschwundene Sommerby Rebecca MartinDiana