Sogar für Baxter-Verhältnisse zuviel des Guten
Man kann Baxters Romanen ja durchaus das eine oder andere vorwerfen, aber was mir häufig daran gefällt, sind zum einen seine vielen außergewöhnlichen, originellen, kreativen Ideen, und zum zweiten sein Hang, in - zeitlich/räumlich/technologisch - ganz gewaltigen Maßstäben zu denken. Beide diese typischen Merkmale treffen auch auf dieses Buch zu. Mit ersterem erschafft er mal wieder ein echt abgefahrenes Universum, über das man nur staunen kann. Das hat mir in der ersten Hälfte des Romans durchaus Spaß gemacht. Mit letzterem allerdings, und hier liegt das Problem, übertreibt er es diesmal: Diese Geschichte hier führt uns nicht nur tausende, hunderttausende oder Millionen von Jahren in die Zukunft, sondern Milliarden. Erstmal. Und dann Billionen(!) Da hört's dann ehrlich gesagt doch irgendwann auf. Nicht nur, dass sich Biologie und Psychologie der Menschheit in all der Zeit erstaunlich wenig verändert haben (mal ganz abgesehen von - gemessen an solchen Zeiträumen - absurden Details wie problemlos funktionierenden Übersetzungsprogrammen oder Historikern, die tatsächlich noch über einige Dinge aus unserer heutigen Zeit Bescheid wissen). Es ist außerdem auch albern zu glauben, dass Menschen in diesen Dimensionen denken oder gar planen würden; die Erfahrung zeigt doch eher, dass praktisch niemals auch nur mal ein paar Generationen weit in die Zukunft gedacht wird. Insgesamt ist das alles einfach too much ... bei allem Spaß an gigantischen Dimensionen und gewaltigen Entwicklungen: da sind jetzt Ausmaße erreicht, die jede Vorstellungskraft sprengen und eine glaubhafte Geschichte nahezu unmöglich machen. Aber angesichts dessen hat sich in Baxters Welt abgesehen von technischen Möglichkeiten dann doch erstaunlich wenig geändert. Das will alles irgendwie nicht so recht zusammenpassen. Fairerweise muss man sagen: so bekloppt die hier beschriebene Gesellschaft bzw. die in ihr lebenden Menschen auch handeln ... das scheint mir fast noch das realistischste an der ganzen Sache. Wohlwollend könnte man hier Kritik an aktuellen Verhältnissen hineininterpretieren (Stichwort: Klimaflüchtlinge), wobei das nun auch nicht gerade tiefschürfend behandelt wird. So fand ich das Buch ab etwa der Mitte immer anstrengender zu lesen (wozu auch die nur mäßig interessanten Figuren beigetragen haben), und auch das Ende hat nicht die geniale Wendung gebracht, die alles herausgerissen hätte. Nein, das hat selbst mir als bekennendem Baxter-Sympathisanten nicht gefallen.



