15. Mai
Rating:1

Ein Jammer, ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut - und es hat auch durchaus spannende Teile. Ich glaube, dem Buch hätte es besser getan, wenn es bei dem Nacherzählungsthema geblieben wäre. Das war nämlich größtenteils spannend und da hätte ich auch gerne viel mehr zu gelesen. Dann wüsste ich nämlich jetzt vielleicht, was mit Helena und Co. passiert ist, nachdem sie unseren ach so tollen Helden auf den richtigen Weg gebracht ha ... Ach Moment, das wären ja weibliche Figuren gewesen, die mehr drauf gehabt hätten als die Männlichen und fern ab davon existiert hätten, dass sie als Lustbefriedigung dienen und ihren Charakter einbüßen, sobald die notgeilen, tendenziell pädophilen Männer weg sind. ... Ups. Versuchen wir das mal sachlicher (Spoiler: fällt mir schwer): Die Grundidee ist gut und der Anfang auch wirklich spannend. Man fragt sich: Was passiert da? Warum? Wie? Was ist sie Verbindung? Diese Fragen stellt man sich leider auch am Ende des Buches. Ja, es gibt einen zweiten Band, aber der soll die Fragen angeblich auch nicht beantworten. Es gibt zwar ein paar Figuren, die Dinge erklären, aber weil unsere Hauptfiguren die Antworten nicht verstehen, tun wir das auch nicht wirklich. Es reicht halt nicht, Physiker und NASA-Mitarbeiter nach Informationen zu Quantenphysik zu fragen, wenn man die Antworten dann nicht versteht. Das ist, glaube ich, das, was passiert ist. Die Figuren mochte ich leider alle nicht. Bis auf die Zeks vielleicht, aber die auch nur, weil sie nicht den Mund aufmachen können. Daemen ist am Anfang ein notgeiler Partytyp, der unbedingt einer Teenagerin hinterher geiern und sich an ihr aufgeilen musste (dass das in seiner Welt kein Tabu ist, macht es nicht besser). Dann mutiert er zum jammernden Kleinkind, um dann innerhalb eines Kapitels ein badass Alien-Bekämpfer zu sein. Mahnmut war an sich okay, genauso homophob wie alle anderen (und das absolut unnötigerweise, aber wir mussten ja klar machen, dass die Lesart Shakespeare = nicht hetero "kindischer Unsinn" ist, obwohl.... wir dann die Lesart.... bestätigen....???) und am Ende ein ziemlicher Statist. Hockenberry war am Anfang ziemlich unterhaltsam, aber auch hier konnte sich der Autor leider die homophoben und sexistischen Kommentare nicht sparen (ausgelassene Frauen als Frauen und nicht als Mädchen zu bezeichnen, ist nämlich politisch korrekter Schwachsinn, liebe Leute, merkt euch das). Dem Charakter hätte es auf jeden Fall gut getan, wenn ihm die trojanischen Frauen die Eier mit ihren "feministischen Klingen" (was ist das überhaupt?) abgeschnitten hätten. Dann hatten wir noch Ada, die nur dazu da war, um als Lustobjekt zu dienen und am Ende viel rumgejammert hat. Die anderen Frauenfiguren sind entweder gestorben, nie wieder aufgetaucht oder wollten flachgelegt werden. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge. Den einen Stern gibt's für die Grundidee, die war solide. Ach ja. Bis auf glaube ich eine Quelle, auf die sich der Autor bezieht, waren alle Übersetzungen und Interpretationen, die als Grundlage für das Buch gedient haben, von Männern. Macht mit der Info, was ihr wollt :) Ich such mir jetzt ein böses, politisch korrektes Buch.

Ilium
Iliumby Dan SimmonsHeyne
17. Feb.
Rating:5

Was für ein Buch! Simmons scheint einer der wenigen Autoren zu sein, die ihr eigenes Ding machen und das auf intelligente und gelungene Art. Simmons verlangt den Lesern einiges ab! Homer, Shakespeare und Proust spielen eine starke Rolle in diesem Sci-Fi Werk. Das könnte jetzt den ein oder anderen abschrecken, aber keine Sorge, selbst ich als ungebildeter und unwissender Mensch bezüglich dieser drei Größen der klassischen Literaur, kam mit Ilium gut klar. Anfangs war es etwas schwer hinein zu kommen - die ersten 150 Seiten verstand ich kaum was - aber mit jedem Kapitel mehr wurde meine Neugier gesteigert, bzw erwachte mein Interesse. Drei Erzählstränge nutzt Simmons in diesem Sci-Fi Werk, durch die er "das Ilias von Shakespeare" auf ganz andere Art erzählt. Und das ist auch nicht ganz korrekt, denn, wenngleich das Ilias *keine ahnung ob das korrekt ist* hier neu erzählt wird, erzählt Simmons doch eine ganz eigene, spacige Variante davon. Der Kampf Trojas gegen die Griechen - wie du ihn noch nie gehört/gelesen hast. Simmons erklärt dabei nichts und das sorgt dafür dass es eher ein Buch ist dass für Leser geeignet ist, die bereit und fähig dazu sind zu Denken und eigene Schlüsse zu ziehen. Es ist wie ein Puzzle und nach dem ersten Band habe ich nur kleine Teile zusammensetzen können. Aber es ist einfach geil!!! Außerdem ist es definitiv kein Buch für Sci-Fi Neulinge. Ich bin froh dass ich mich in das Genre langsam hineingelesen und nun dieses Werk gelesen habe, denn es ist einfach... Hochintelligente Unterhaltungsliteratur

Ilium
Iliumby Dan SimmonsHeyne