Chinesische Sci-Fi, wie auch die russische, funktioniert nach anderen Massstäben als die westliche. Genau das gefällt mir, deshalb war ich auch sehr auf dieses Buch gespannt. Der Beginn war auch sehr vielversprechend, die Sprache flüssig und wurde immer neugieriger auf die Geschichte. Doch dann kippt es plötzlich und anstatt des von mir erwarteten Themas, geht alles auf einmal in eine ganz andere Richtung. Nicht, dass mich sowas normalerweise gestört hätte, aber hier passte es für mich irgendwie nicht. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr als Teil der Geschichte, sondern völlig disloziert. Leider kam ich auch nicht mehr richtig rein und fühlte mich von da an aussen vor gelassen. Sehr schade, nach diesem vielversprechenden Beginn. Dennoch hat sich Chen eines wichtigen Themas angenommen, dem er sich in "Die Siliziuminsel" widmet. Noch immer produzieren wir viel zu viel Abfall. Was passiert mit all den weggeworfenen Elektrogeräten? Wo gelangen sie hin? Was geschieht mit unserer Umwelt, den Meeren, den Tieren? Und vor allem, was geschieht mit dem Menschen, der umgeben ist von nichts anderem als Müll?
Ökothriller und Science Fiction at his best!
Die Silizium Insel - Qiufan Chen ist eine wirklich außergewöhnliche und zu Herzen gehende Geschichte über Liebe, Tod und Hoffnung. Diese Utopie spielt vor dem realen Hintergrund der katastrophalen Auswirkungen des globalen Massenkonsums und der Wegwerfgesellschaft. Die Silizium Insel ist dem real existierenden Ort Guiyu nachempfunden worden. In diesem Roman ist die gesamte Siliziuminsel das weltweit größte Recyclingzentrum. Beherrscht von drei mächtigen Clans, die die arbeitenden „Müllmenschen“ ausbeuten, missbrauchen und unterdrücken. Doch über diese Insel mit ihrem unbegrenzten elektronischen Abfall braut sich ein gewaltiger Sturm zusammen. Nicht nur real, sondern auch in Form der jungen Frau Mimi, die in Kontakt einer bewusstseinserweiternden Nanotechnologie kommt und sich damit infiziert. Während ihres Überlebenskampfes gegen drei Auftragsmörder, entfaltet sich das komplette Potential der Technologie und Mimi wird zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Einmal ist sie ein junges, schüchternes Müllmädchen und dann die infernale Todesbringerin, die jede nur erdenkliche Technik ohne Erbarmen, als Waffe gegen ihre Widersacher einsetzt. Spannend und tragisch bis zum Schluss. Toll!

