12. Sept.
Rating:5

Komplette Reihe 5 Sterne! Reihenvorstellung „The Wounded Kingdom“ Autor: R. J. Barker Übersetzerin: Beate Brammertz Erscheinungsjahr (D): 2018-2019 Verlag: Heyne (D) / OrbitBooks (GB) Bände: 1. Die Stunde des Assassinen (Age of Assassins) 2. Die Rache des Assassinen (Blood of Assassins) 3. King of Assassins Anmerkung: Der 3. Band wurde nicht ins Deutsche übersetzt. Zusammenfassung: Der Prolog erzählt uns von einem einfachen Schmied, der mit vielen weiteren Menschen, darunter auch Kinder, an der Grenze eines Landes – der sogenannten „Fäulnis“ - hingerichtet werden soll, um dem Land das Leben, was ihm einst von einem wahnsinnigen Magier geraubt wurde, zurückzugeben. Jeder der dort Geopferten trägt Magie in sich, welche von den „Landjunkern“ aufgespürt wurde – Krieger, die auf den „Geruch“ der Magie spezialisiert sind. Der Schmied jedoch wehrt sich dagegen und entfesselt die Magie in sich, die alles und jeden um ihn herum abschlachtet. Auf diesen Ereignissen basiert ein Großteil der Konflikte in den Romanen. Dann wechselt die Pespektive. Wir befinden uns mit Girton – unserem Protagonisten – auf dem Weg zur Burg Maniyadoc. Mit dabei seine Meisterin Merela Karn, eine Assassinin, die ihn einst als Kind auf dem Sklavenmarkt freigekauft hatte, da sie großes Potenzial trotz seines Klumpfußes in ihm sah. Beide wurde von der Königin Adran Mennix angeheuert, da man vermutet, ein anderer Assassine hätte es auf ihren Sohn, den Prinzen Aydor, abgesehen. Um dieses zu bewerkstelligen wird Girton verdeckt als Knappe auf den Hof eingeführt, um sich unter dem Gefolge umzuhören, während Merela in den oberen Kreisen bei der Königin verbleibt. Was die beiden allerdings aufdecken hat viel tiefgreifendere Folgen als alles, was sie erahnen können … Welt: Die Welt an sich ist eigentlich gar nicht so fantastisch. Sie erinnert vielleicht an Schottland, mit vielen Hügeln und karger Natur. Allerdings gibt es – wie oben erwähnt – die „Fäulnis“, ein totes Land, auf dem nichts wächst und lebt. Von schwarzer Magie völlig zerstört. Niemand wagt es, freiwillig einen Fuß auf dieses Land zu setzen. Die Geschichte spielt hauptsächlich in Burgen, Kriegslagern und Städten. Von Dörfern oder Leben abseits davon bekommen wir nicht viel mit. Allerdings ist das auch gar nicht nötig, da die Geschichte von ihren Charakteren lebt und auch nur diese die Geschichte vorantreiben. Der Konflikt zwischen magischen und nicht magischen Menschen spielt eine zentrale Rolle. Charaktere: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass diese Charaktere einzigartig sind. Man kann sie einfach nicht austauschen, sie gehören in diese Welt und in diese Romane. Girton ist trotz seiner Behinderung ein junger Mann, der seine Talente kennt und zu schätzen weiß, der trotzdem auch Dummheiten macht, kein Alleskönner ist und seine Lehren daraus zieht. Es ist so interessant zu sehen, wie er in den Romanen heranwächst, sich verändert, das Gelernte anzuwenden weiß und trotzdem niemals alles kann. Das macht ihn nachvollziehbar und menschlich, trotzdem er ein Auftragsmörder ist. Ebenso sprechen kann ich für die anderen Charaktere. Jeder hat sein Geheimnis, jeder hat Stärken und Schwächen und bei vielen gibt es eine extreme 180° Drehung, die man so nicht erwartet. Einen Charakter wie Aydor z.B. habe ich in Band 1 selten so gehasst, in Band 2 lieben gelernt und in Band 3 ins Herz geschlossen. Schreibstil: Zum Schreibstil kann ich selbst immer schlecht was sagen, da ich mich zu wenig auskenne um wirklich sagen zu können, was ein guter oder ein schlechter Stil ist. Meiner Meinung nach ist sowas subjektiv. Jeder kann mit einer anderen Art zu schreiben wunderbar zurechtkommen oder eben nicht. In diesem Falle hier kann ich nur sagen, das es sehr flüssig zu lesen ist, die Spannung bleibt konstant vorhanden. Es werden nicht unnötig viele oder wulstige Beschreibungen verwendet, aber auch keine abgekackten Sätze. Ich fand es sehr angenehm, zumal ich das dritte Buch auf Englisch lesen musste und sehr gut damit zurecht kam. Die Übersetzerin hat einen tollen Job gemacht und die Atmosphäre ist sehr gut erhalten geblieben, viele Sachen konnte ich mir bildhaft gut vorstellen. Fazit: Ich habe noch nie eine Reihe gehabt, der ich durchweg 5 Sterne gegeben habe. Es gab einfach nichts auszusetzen. Ich war von Anfang an begeistert, konnte mit den Charakteren mitfiebern und wurde in die Welt hineingezogen. Daher finde ich es so schade, dass nur zwei Bände ins Deutsche übersetzt wurden und somit viel Potenzial und Motivation flöten geht, wenn man sich aufgrunddessen dazu entscheidet, die Reihe nicht zu lesen. Ich kann nur sagen, versucht es trotzdem, es ist meiner Meinung nach ein absoluter Geheimtipp unter der Fantasyliteratur, gerade auch für Leser, die es gerne etwas düsterer und blutiger mögen. Wer sehr gerne Englisch liest, sollte gleich auf Englisch anfangen, aber auch Leuten wie mir, die nur den dritten Band auf Englisch lesen wollen, kann ich diese Reihe sehr ans Herz legen. Man versteht es mit dem Wissen aus den ersten beiden Bänden sehr gut. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Romane des Autors und werde bald mit seiner neuen Reihe „Die Knochenschiffe“ anfangen, die dann hoffentlich alle auch ins Deutsche übersetzt werden. Und damit wünsche ich euch viel Spaß beim entdecken dieser tollen, unter dem Radar laufenden Fantasygeschichte! Ihr werdet es nicht bereuen!

Die Stunde des Assassinen
Die Stunde des Assassinenby R.J. BarkerHeyne
30. Mai
Rating:3

Anti-Helden und im Speziellen Assassinen scheinen derzeit im Fantasygenre sehr beliebt zu sein. Auch dieses Buch schließt sich dem Hype mit den reißerischen Worten „Um einen Mörder zu fangen, musst du einen Mörder schicken“ an und lassen auf eine spannende Jagd hoffen lassen. Bei den Lesern der englischsprachigen Bücher hat der Roman bereits Wellen geschlagen und die Meinungen sind so divers, wie man bei einem solchen Werk erwarten kann. Die einen bezeichnen es als Zeitverschwendung, die anderen als erfrischend anders. Die Ansätze für letzteres sind definitiv da. Tja, habe ich mit dem Roman nun meine Zeit vergeudet oder war es wirklich mal etwas Neues? Leider beginnt die Geschichte etwas irritierend und scheint sich durch einen humorvollen Unterton selbst ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Das ist umso auffälliger, da der Grundton des Romans eher düster ist. Es wird eine öde, fast hoffnungslose Atmosphäre vermittelt, was gut mit dem Setting harmoniert, denn die Landschaft gleicht einer Einöde und Magie gilt als böse. Und damit wären wir dann auch schon beim historischen Anteil, denn dieser wurde recht gut ausgebaut und die Welt hat eine konsistente Historik vorzuweisen. Aber das hier ist eine Geschichte über Assassinen, warum sich also lange mit dem Erklären der Landschaft und Historik aufhalten? Ganz einfach: So interessant die Handlung im Verlauf auch wird, sie erschüttert erst einmal die Erwartungen des Lesers. Wer mit einer Art Verfolgungsjagd rechnet, bei dem die Assassinen sich gegenseitig um die Ecke bringen wollen, ist auf dem Holzweg. Genau genommen vermittelt die Kurzbeschreibung auch einen falschen Eindruck, denn es ist nicht der Assassine, der gesucht wird, sondern sein Auftraggeber. Und das lässt den ganzen Roman in einem anderen Licht erscheinen. Tatsächlich gestaltet sich die Suche nach dem Auftraggeber recht vorhersehbar: Girton und sein Meister ermitteln. Ist es also eine Art Fantasy-Krimi? Nein. Denn die Ermittlungen entwickeln sich in die entgegengesetzte Richtung von dem, was man erwarten würde. Anstatt die Verdächtigen einzugrenzen, werden es immer mehr. Und das ist wirklich verwirrend als Leser. Hinzu kommen kleine Ereignisse, die auf Dauer keine Rolle zu spielen scheinen und ungeklärt bleiben. Dennoch wird es nach einem langen zähen Teil des Romans spannend und sogar richtig ausgefuchst. Die Intrige, die hinter allem steht, ist gut gelegt und komplex und zeigt, dass Girton nur einen Bruchteil der gesamten Handlung überschaut hat und sich alles ganz anders gestaltet. Auch wird es endlich etwas actionlastiger. Etwas schade ist allerdings, wie offensichtlich Barker Hinweise gestreut hat. Vielleicht reimt man sich dadurch als Leser nicht zwingend die Hintergründe zusammen, aber kann bereits wichtige Komponenten erkennen. Ein großes Problem im Buch ist Girton. Zu Anfang ist er nur leidlich sympathisch und es dauert, bis man sich langsam an seine Art gewöhnt hat. Nicht gewöhnen kann man sich allerdings daran, wie furchtbar naiv der Junge ist. Er ist natürlich noch ein bloßer Jugendlicher, aber er geht bei einem Assassinen in die Lehre und da sollte man eigentlich erwarten, dass er nicht auf alles hereinfällt. Im Gegenteil müsste er eigentlich ein skeptischer Mensch sein, aber davon war nichts zu sehen. Bis auf seine Assassinenfähigkeiten ist er nur ein normaler Junge. Daran ist auch eigentlich nichts verkehrt, denn seine Selbstzweifel lassen ihn realistischer wirken. Auch seine kleine Liebesgeschichte wäre kein Problem, wenn sie nicht so in den Vordergrund gestellt würde. Ja, er ist ein pubertierender Junge und eine gewisse Relevanz für die Geschichte ist da, aber es überwiegt fast den Assassinenanteil des Plots. Girtons Meister, Marela Karn, ist auch ein schwieriger Charakter. Man erfährt zwar im Lauf der Geschichte mehr über sie und auch über ihr Verhältnis zu Girton, aber obwohl sie ihn schon so lange kennt, wirken sie zusammen nicht konsistent. Mal vertraut, mal wie zwei Fremde. Insgesamt waren die meisten Charaktere schon interessant, aber manchmal hatte man das Gefühl einem Theaterstück beizuwohnen, bei dem die Schauspieler nicht immer die beste Performance ablegten. Der Schreibstil passt eigentlich sehr gut zum Buch. Kühl, nüchtern, ja fast leidenschaftslos erzählt Girton als Ich-Erzähler seine Geschichte. Wie gesagt, es passt und erzeugt damit eine ganz besondere Stimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht. Gleichzeitig muss man sich damit aber auch anfreunden können, denn ansonsten ist gerade der zähe erste Teil des Romans eine große Hürde. Barker bedient sich auch einer eigenen Sprache, die im Roman Gang und Gebe ist. So genannte „Gesegnete“ sind also keine Priester oder Magier, sondern augenscheinlich einfach nur Adelige. Die Schwäche des Romans liegt ganz klar im ersten Teil. Gepaart mit den Erwartungen des Lesers kann sich dies zu einer echten Lesehürde entwickeln. Das Ende gleicht den Anfang dafür fast wieder aus. Endlich passiert etwas, auch wenn wiederum so viel passiert, dass nicht alles ganz schlüssig wirkt. Wenn man sich für Girton erwärmen kann und den Rahmen der Handlung interessant findet, ist die Geschichte durchaus unterhaltsam. Dennoch ist es keine typische Assassinengeschichte. Ich selbst habe mich am Anfang eher durch das Buch gequält und war ernüchtert dadurch, dass die Ermittlungen so unergiebig waren und das Ende eher losgelöst davon wirkte. Fazit: „Die Stunde des Assassinen“ ist ein guter Roman, der allerdings unter dem leidet, was er sein soll. Wenn man nicht so auf das Assassinenthema pocht, ist es eine Geschichte mit einem sensiblen, kampftüchtigen Protagonisten, der langsam tiefer in die Intrigen der Adeligen eintaucht. Inhalt: 3/5 Charaktere: 3/5 Lesespaß: 3/5 Schreibstil: 4/5

Die Stunde des Assassinen
Die Stunde des Assassinenby R.J. BarkerHeyne
1. Mai
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Rating:4.5

𝘿𝙞𝙚 𝙎𝙩𝙪𝙣𝙙𝙚 𝙙𝙚𝙨 𝘼𝙨𝙨𝙖𝙨𝙨𝙞𝙣𝙚𝙣 ist das erste Buch in R.J.Barkers Reihe THE WOUNDED KINGDOM. Mit RJBarker hab ich in der "Mitte" angefangen, zunächst die Knochenschiffe, dann Wyrdwood... Man kann die Steigerung seines Könnens ganz gut erkennen. Jedoch stand seine Debütreihe hier noch aus, eine Assassinenreihe in 3 Teilen, von der nur zwei Bände übersetzt wurden. Die Geschichte rund um die Attentäter Girton und Meister Karn weist zwar noch nicht dieses unerhört innovative Worlbuilding seiner späteren Reihen auf, konnte mich aber dennoch überzeugen und auch fesseln. Es ist eine dunkle Welt, in der Magie wahnsinnig gefährlich und zerstörerisch ist. In dieser Welt ist der jugendliche Girton mit seiner Lehrmeisterin unterwegs. Sie werden vom Königshaus angeworben einen erwarteten Mord am Thronfolger zu untersuchen und wenn möglich zu verhindern. Dafür nehmen sie als "Undercoveragenten" verschiedene Rollen am Hofe ein und stoßen selbstverständlich auf unerwartete Intrigen. In Teilen las sich das Buch wie eine Fantasy Murder Mystery, obwohl der Mord noch nicht passiert ist. Die Charaktere waren hier die Stars. Sehr gut gelungen fand ich die Beziehung zwischen Girton und Karn. Es ist eine schmerzlich dunkle Welt und die Protas haben ein wahrlich grausiges Business und dennoch strahlt ihre Beziehung Wärme aus. Dieser Gegenpol war hier die Würze. Diese Welt hat über die Königsburg hinaus noch so viel mehr zu bieten und das hat auch etwas mit oben erwähnter Magie zu tun...

Die Stunde des Assassinen
Die Stunde des Assassinenby R.J. BarkerHeyne
26. Juni
Rating:3

Obwohl ich schon durch den Klappentext ahnte, dass ich hier nicht nur Assassinentätigkeiten zu erwarten habe, war ich doch überrascht, wie wenig diese am Ende überhaupt in der Geschichte vorkamen. Irgendwie hatte ich nicht das Gefühl ein Buch über Assassinen zu lesen, aber wenn ich diese Erwartungen ausklammere, dann habe ich eine spannende Geschichte mit einem interessanten Charakter erhalten. Girton Klumpfuß - der Name sagt schon viel aus über unseren Hauptcharakter. Doch trotz seiner Behinderung erleidet Girton nicht das Schicksal, was ihm als Kind zugedacht wurde. Statt als Sklave zu enden oder sein Blut dem verseuchten Land zur Heilung zu überlassen, wird er zum Assassinen ausgebildet. Von der Ausbildung bekam ich als Leser wenig mit. Wir treffen ihn und seinen Meister zu einem Zeitpunkt, wo Girton schon eigene Wege hätte gehen können, weil er alles gelernt hat. Besondere Techniken, die uns und ihn selbst noch im Laufe der Handlung zu überraschen wissen. Girton entwickelt sich trotzdem stark weiter. Schon allein aus dem Grund, dass er wieder unter Gleichaltrigen kommt und seine erste Liebe erfährt. Ich fand es echt schön zu lesen, wie er Dinge erkennt und sein bisheriges Leben hinterfragt. Besonders als er erfährt, welche Geheimnisse sein Meister vor ihm hatte. Die Handlung selbst ist spannend durch Girtons Innenleben und seine Auseinandersetzung mit der neuen Erfahrung. Die Aufdeckung der Intrige bzw. dem Auffinden des Auftraggebers war ganz schön "lose". Girton berichtet seinem Meister immer nur, aber ein wirklicher Austausch zwischen den beiden findet nicht statt. Sie diskutieren nicht über ihre Ideen. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass Merela nur seine Informationen nimmt ohne ihre zu teilen. Da konnte ich gar nicht so miträtseln, was schade war. Der Weltenaufbau klingt interessant. Besonders die Reittiere fand ich toll. Was ich allerdings nicht so durchdringen konnte, war das Magiesystem. Grob habe ich es verstanden, aber die Feinheiten nicht. Da erwarte ich mehr vom zweiten Band. Der Schreibstil hat meinen Geschmack getroffen. Ich würde es als eine Art Autobiografie beschreiben. Girton erzählt uns von seiner Vergangenheit. Sehr bildhaft, sehr ansprechend. Mit kleinen Hinweisen auf Dinge, die der junge Girton so gesehen hat und das der alte Girton dies jetzt anders bewerten würde. Alles in allem ist es ein Roman voller Intrigen und dem Kampf um den Thron und Girton wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. Nur Assassinen habe ich hier nicht wirklich gesehen. Zumindest nicht so, wie ich mir sie in einem Buch vorstelle. Sie waren eher verdeckt ermittelnde Detektive.

Die Stunde des Assassinen
Die Stunde des Assassinenby R.J. BarkerHeyne