
Gesellschaftskritisch, unterhaltsam und überraschend nachdenklich
Der Roman "Eine von uns" von Amelie Fried erzählt die Geschichte einer Familie, die nach außen hin das Bild eines erfolgreichen und beneidenswerten Lebens vermittelt. Im Mittelpunkt steht Nelly, die gemeinsam mit ihrem Mann und den Kindern scheinbar alles erreicht hat: gesellschaftliches Ansehen, finanzielle Sicherheit und das perfekte Familienleben. Doch beim Blick hinter die Fassade, sieht man bei Nelly das sie verzweifelt versucht, Anerkennung und Bestätigung zu finden. Besonders deutlich wird das durch ihren Instagram-Account „Happy Wife – Happy Life“, über den sie das Bild einer glücklichen Ehe und perfekten Familie aufrechterhält. Der Account steht sinnbildlich dafür, wie sehr Außenwirkung, Oberflächlichkeiten und gesellschaftliche Erwartungen das Leben der Figuren bestimmen. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, wie einsam Nelly trotz des scheinbar perfekten Lebens eigentlich ist. Der Roman zeigt nach kurzem Einblick den Fall einer Familie und macht deutlich, was passieren kann, wenn eine Ehe nicht auf Augenhöhe geführt wird und sich das eigene Leben nur noch um die Bedürfnisse anderer dreht. Dabei greift das Buch viele gesellschaftliche Themen auf: Mobbing und Ausgrenzung in der Schule, sexuelle Belästigung, Leistungsdruck und die Frage, wie stark Menschen sich über Status und Anerkennung definieren. Gelungen ist die Mischung aus ernsten Themen und einem oft ironischen, stellenweise sogar humorvollen Ton. Manche Szenen sind bewusst überzogen, bringen einen aber trotzdem zum Schmunzeln. Amelie Fried schafft es gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen, ohne dass das Buch schwer oder belehrend wirkt. Der Schreibstil war angenehm flüssig und leicht zu lesen. Trotz der vielen angesprochenen Themen verliert die Geschichte nie ihren roten Faden. Ein schöner Satz im Buch war: „dass Erfolg nicht nur Geld und Anerkennung bedeutet, sondern dass es so etwas gibt wie inneren Erfolg“. Die Familie besitzt materiell gesehen alles, was man sich wünschen kann, und trotzdem fehlt vielen Figuren echte Zufriedenheit. Das Buch zeigt sehr deutlich: Geld zu haben ist schön, aber Geld allein macht eben nicht glücklich. Nicht komplett überzeugen konnte mich allerdings die Darstellung der beiden Töchter von Nelly. Mit 12 war mir Emma viel zu Erwachsen und Chloe mit 17 zu kindisch. Auch die Story um die zwei Mädels (mag an der Stelle nucht spoilern) auch wenig glaubwürdig bzw. teilweise zu konstruiert. Eine von uns ist vielleicht nicht in allen Punkten vollkommen glaubwürdig, aber ein gut geschriebener Roman, der unterhält und Missstände anspricht. Das Zitat „Ich bin froh, dass es ein Mädchen ist, und hoffe, sie wird ein Dummkopf – das ist das Beste, was ein Mädchen in dieser Epoche sein kann, ein hübscher kleiner Dummkopf.“ bringt die Erwartungen an Frauen und die Rolle von Oberflächlichkeiten auf den Punkt, übt darüber hinaus gesellschaftliche Kritik und regt zum Nachdenken, daher gibt's eine Leseempfehlung von mir.




