Zwischen Politik und Familie ist immer noch Platz für Chaos
Claudias Leben könnte kaum besser laufen, das Autohaus läuft prima, ebenso ihre Ehe, Tochter Anouk steht kurz vorm Abitur. Gut, Sohn Julian pubertiert gerade sehr, aber irgendwas ist ja immer. Mit 49 Jahren möchte sich Claudia ihren großen Traum erfüllen und in die Politik gehen und strebt das Amt der Bürgermeisterin an. “Sie holte tief Atem. »Ich bin nicht nur das Kind meiner Eltern, sondern auch ein Kind unserer Stadt. Ich bin hier in Meutlingen aufgewachsen und in die Schule gegangen, ich bin als Jugendliche nachts über den Zaun ins Freibad geklettert und habe meinen ersten Kuss im Discoclub bekommen.« Sie unterbrach sich und schmunzelte.” Zeitgleich beginnt das harmonisch-bürgerliche Leben der Familie im beschaulichen Meutlingen zu bröckeln. Es ist, als ob der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings einen Tsunami ausgelöst hat. Erst klebt sich Anouk auf der Straße fest, dringt in den Flughafen ein und landet im Gefängnis. Und so bleiben die Kunden des Autohauses weg. Der Plan, ihrem Mann Martin die Geschäftsführung zu übertragen, verzögert sich und plötzlich wirkt auch Mutter Marianne wie ausgewechselt. Ein heißer Sommer wartet auf die Familie und beschert manch Überraschung. Amelie Fried hat mit “Der längste Sommer ihres Lebens” einen Roman geschrieben, der die aktuellen Themen der Zeit auf unterhaltsame Art und Weise in den Fokus rückt: Klimawandel, Mobilität, von der Politik ignorierte Jugend, “alte, weiße Männer”. Man könnte denken, das ist alles ganz schön viel für ein Buch, doch es ist genau richtig portioniert. Die verschiedenen Positionen der Familienmitglieder werden dargestellt und sieht, dass man einander zuhören sollte - und: sich als Erwachsener an seine eigene Jugend, die Ziele und Wünsche, erinnern sollte! Dass Amelie Fried erzählen kann, dürfte jedem klar sein. Sie schreibt unterhaltsam und regt zum Nachdenken an. Ein feines Buch, das ich sehr gern gelesen habe und an das ich mich gern zurückerinnern werde!








