
Grimm - Märchen sind Lügen, die die Wahrheit nur erträglicher machen
Grimm ist ein düsterer Roman, der bekannte Märchen konsequent entzaubert und sie in eine finstere Ursprungsgeschichte zurückführt. Die Brüder Grimm erscheinen hier nicht als harmlose Sammler, sondern als Menschen, die gezwungen sind, Grauen, Gewalt und Schuld in Geschichten zu bannen. Besonders die Atmosphäre überzeugt: bedrohlich, kalt und von Anfang an von einem unterschwelligen Unheil durchzogen. Ich war schnell in der Geschichte gefangen, weil Marzi eine Welt erschafft, in der Märchen nicht trösten, sondern warnen. Die Idee, dass Geschichten als Schutzmechanismus gegen das Böse dienen, ist stark und wird über weite Strecken eindrucksvoll umgesetzt. Vor allem Jacob Grimm wirkt als Figur glaubwürdig, zerrissen zwischen Pflicht, Angst und moralischer Verantwortung. Allerdings verliert der Roman stellenweise an Tempo. Manche Passagen wirken unnötig ausgedehnt, und nicht jede Nebenfigur hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Auch die permanente Düsternis kann ermüden, weil es kaum Momente der Ruhe oder des Kontrasts gibt. Trotz dieser Schwächen bleibt Grimm ein eigenständiger, atmosphärisch dichter Roman, der lange nachwirkt und Märchen in einem völlig neuen Licht zeigt. Fazit: Dunkel, originell und stimmungsvoll – mit kleinen Längen, aber einer starken Grundidee. Von mir 7 von 10 P.





