„Unberechenbar“ greift wichtige Themen wie Zeitdruck, Geschwindigkeit und Entschleunigung auf, konnte mich insgesamt aber nicht wirklich abholen.
Unberechenbar ist ein Buch, das viel will: Es kritisiert Beschleunigung, Effizienzdenken und die Illusion, alles im Leben berechnen und optimieren zu können. Thematisch geht es um Zeit, Geschwindigkeit, Multitasking, Grenzen und Verantwortung – alles hochrelevante Fragen unserer Gegenwart. Trotzdem hat mich das Buch insgesamt nicht wirklich abgeholt. Vor allem der erste Teil des Buches (bis etwa 40 %) blieb für mich schwer zugänglich. Es fiel mir schwer, einen roten Faden zu erkennen, und rückblickend ist davon auch wenig hängen geblieben. Ob das an den Themen selbst oder an der Art der Darstellung lag, kann ich nicht eindeutig trennen – vermutlich an beidem. Ich hatte stellenweise das Gefühl, mich erst „eingrooven“ zu müssen, was eher hinderlich als hilfreich ist. Das Buch formuliert Bekanntes oft treffend, führt es jedoch selten über bereits bekannte Diskurse hinaus. Ein wiederkehrendes Problem für mich ist der Stil. Wer Klarheit, Entschleunigung und Qualität fordert, sollte selbst klar und ruhig schreiben. Lange, verschachtelte Sätze – ob objektiv sehr lang oder nur so wirkend – erschweren das Lesen unnötig. Passend dazu ist die Metapher der Sprinkleranlage als Bild für die Informationsflut: Sie ist gut verständlich, trifft aber unfreiwillig auch auf das Buch selbst zu. Eine Flut aus Worten, Bildern und Gedanken macht es mir persönlich schwer, die vermittelten Inhalte gezielt aufzunehmen. Positiv hervorheben möchte Gedanken wie „Nur wer Zeit erhält, Fehler zu machen, kann wachsen“ oder die Wertschätzung des Innehaltens. Zitate wie Henry Fords „Der größte Feind der Qualität ist die Eile“ stehen dabei wohltuend im Kontrast zum allgegenwärtigen „Time is money“-Denken. Enttäuscht war ich allerdings an einer Stelle besonders: Die Entdeckung der DNA-Doppelhelix wird Watson und Crick zugeschrieben, ohne Rosalind Franklin zu erwähnen. Die Fokussierung auf Watson und Crick ohne Einordnung der Rolle Rosalind Franklins reproduziert ein bekanntes Ungleichgewicht der Wissenschaftsgeschichte – gerade in einem Buch, das sich kritisch mit Wissenschaft, Verantwortung und blinden Flecken auseinandersetzt, ist das eine verpasste Chance. Unterm Strich ist Unberechenbar für mich ein nettes, aber kein notwendiges Buch. Es enthält richtige Gedanken und einzelne starke Sätze, verliert sich jedoch zu oft im Stil und bleibt inhaltlich hinter meinen Erwartungen zurück. Dass es nur 176 Seiten hat, war für mich ehrlich gesagt ein Vorteil – sonst hätte ich vermutlich abgebrochen.

