Beeindruckend ehrlich und offen. Klug und reflektiert. Nicht aufregend aber trotzdem spannend.
In ‚Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen‘, räumt die emeritierte Soziologieprofessorin Christien Brinkgreve nach dem Tod ihres Mannes ihr Haus auf – und legt dabei die Schichten ihres gemeinsamen Lebens frei. Während sie Dinge ausmistet und sortiert, in dem vernachlässigten und überfüllten Haus, seziert sie mit der gleichen Präzision, die ihr berufliches Thema (das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis) prägte – das Innenleben ihrer Beziehung und geht dabei sowohl mit sich als auch ihrem Mann schonungslos ins Gericht. Die Hörspielfassung ist insgesamt gut gelungen: ruhig, klar, unaufgeregt. Die Sprecherin hat mich nicht restlos begeistert, trägt den Text aber solide vor. Besonders eindrucksvoll ist die Offenheit, mit der die Autorin über Nähe und Distanz spricht: darüber, was sie an ihrem Mann hielt, aber auch über die Einsamkeit, die Zweifel und die leisen Risse, die sich über Jahrzehnte ziehen. Ihren Gedanken zuzuhören fühlt sich an wie ein Gespräch mit einer klugen Freundin, die nichts beschönigt und gerade dadurch tröstet. Das Buch ist voller leiser Weisheit und Erkenntnisse. Für alle, die schon ein paar Lebensjahre gesammelt haben und sich für die Beziehungen interessieren, die uns tragen, prägen und manchmal herausfordern, ist dieses Hörbuch eine sehr gute Wahl. Es lädt ein, das eigene Leben mitzudenken – und vielleicht ein paar Dinge neu zu ordnen.












