16. Sept.
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Rating:4

Macht ist ein super interessantes Thema, vor allem aus feministischer Perspektive. Eva Thöne hat sich da auch einiges vorgenommen. Anhand von Geschichte, Politik und Popkultur führt sie uns durch Errungenschaften und Backlashes. Viele Frauen empfinden ein Störgefühl, wenn sie aufsteigen und in Machtpositionen kommen. Von ihnen wird immer noch verlangt, sich wie Männer zu benehmen (es gibt sogar ganze Schulungen, in denen Frauen lernen, mit tieferer Stimme zu sprechen, sich mehr Raum zu nehmen etc), so als wären sie fehlerhaft und müssten repariert werden, bevor man ihnen eine höhere Position zutraut. Man könnte ja auch mal drüber nachdenken, ob der männliche Weg wirklich so gut und richtig ist, statt an den Frauen rumzukriteln. Übrigens wünschen sich letztere laut Studien sowieso eher flache Hierarchien, weil sich so nicht zu viel Macht an einer Stelle (oder sagen wir es, wie es ist: bei einem Mann) konzentrieren kann. Wo das nämlich hinführt, können wir ja weltweit grade sehen. Sehr gut und wichtig ist definitiv auch die Kritik an Begriffen wie “Powerfrau” oder “starke Frau”. Das findet im Literaturbereich ja auch ständig statt, der klassische “strong female character” oder auf Deutsch die “starken weiblichen Charaktere”. Thöne schreibt zu diesen Formulierungen: “Es schwingt hier eine Verachtung mit: Denn wenn die starke Frau besonders ist, ist die Durchschnittsfrau schwach.” Vieles macht auch wieder so wütend: “Eine Studie fand 2016 heraus, dass Biologie-Studenten männliche Kommilitonen systematisch für intelligenter halten als Kommilitoninnen, die bessere Leistung erbringen (Frauen hatten diesen Bias übrigens nicht - sie schätzten ihre Kommilitonen entsprechend ihrer Leistung ein.)” Es gibt einen sehr interessanten Abschnitt zu Genies, den ich wahnsinnig erhellend fand. Wer wird als Genie betrachtet, was gilt als genial? Wer bekommt Aufmerksamkeit und Geld, wer hat Zeit, sich um seine Karriere zu kümmern? Es wird Zeit, das alles neu zu denken. Es ist nämlich schon bezeichnend, dass es den wenigsten komisch vorkommt, dass sich weiße Männer große Preise und Auszeichnungen ausdenken, die sie sich dann gegenseitig verleihen. Und wir akzeptieren dann einfach so, dass die nun mal die Genies dieser Welt sind, die Besten, da kann man wohl nichts machen. Eva Thöne hat mich mit diesem Buch sehr zum Nachdenken gebracht, außerdem ist es auch noch gut geschrieben. Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Thema so mitreißt. Ich ziehe dennoch einen Stern ab, weil mir Alternativen zu und neue Modelle von Macht etwas zu kurz kommen.

Weibliche Macht neu denken
Weibliche Macht neu denkenby Eva ThöneHanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG