22. Mai
Rating:3.5

Zac Brettler, 19jährig, aus jüdischen Familie mit Holocaust Hintergrund, springt in London vom Balkon eines Luxushauses in den Tod. Er gab sich als Sohn eines reichen Oligarchen aus. Damit wird bereits am Beginn seiner Geschichte ein Problem unserer Zeit deutlich, "Kinder die daran leiden, dass ihre Eltern nicht reich sind". Zac sprang aus einer Londoner Luxushaus in den Tod. Zac's Eltern erlaubten die Veröffentlichung seiner Geschichte, um auch andere auf dieses Probleme hinzuweisen und auf die erschreckend oberflächlich verlaufende Ermittlung. Auch, wie sehr Politik, Wirtschaft und Reichtum verwoben sind, wie nah Schuld und Unschuld sind und wie wenig Interesse in diesen Fällen an der Wahrheit besteht. Interessant wird über den familiären Hintergrund berichtet. Schnell wird die Sehnsucht von Zec deutlich, etwas besseres zu sein, viel Geld zu haben und mehr als seine Eltern zu erreichen. Die gesellschaftliche Zustände, die Stadt, die Familie und die Charaktere werden gut vorstellbar beschrieben. Dabei bleibt der Autor immer an dem tatsächlichen Geschehen. Manchmal wird protokollmäßig erzählt und dabei hört man die Meinungen außenstehender Bekannter und Mitmenschen, dann wird das Geschehen flüsdig erzählt. Das erfordert besondere Aufmerksamkeit, um den Faden nicht zu verlieren. Oft hat man das Gefühl, einer Reportage zu lauschen. Geschichtliche Zusammenhänge werden sehr weitschweifend beschrieben, um den Hintergrund der verschiedensten reichen Unternehmer zu durchleuchten, die im Kontakt zueinander und zu Zac standen. So wird von der Vertreibung der Asiaten in Uganda erzählt, von Margot Thatcher, von Ereignissen in Politik, Wirtschaft, Kunst, von Korruption. Immer auch mit kriminellen Hintergrund. Das hat oft die Geschichte von Zac überdeckt und war mir zu abschweifend. Sehr gut wird Zac's Persönlichkeitsentwicklung beschrieben, immer auch mit dem Hintergrund seiner Herkunft. Das hat mir sehr gut gefallen und davon hätte ich gern mehr gehabt. Die Frage wie und warum Zac umgekommen ist, hält die Spannung, trotz der Länge. Mit jedem Kapitel kommt man der Antwort näher, erhält aber keine befriedigende Antwort. Es ist erschreckend, wie viel während der Ermittlungen nicht korrekt verlief, wie sehr Politik, Wirtschaft und Reichtum verwoben sind und wie nah Schuld und Unschuld sind. Ein Buch, das anders ist, das aufdeckt, aufrüttelt und unbequeme Fragen stellt. Die Erzählform, mit protokollähnlichen Sequenzen ergänzt, fand ich ausschweifend, zumal sich manches wiederholte. Dennoch interessant, informativ und lesenswert, wenn man sich auf die Erzählart einlassen kann. Die Stimme des Sprechers hat mir nicht richtig zugesagt und ich brauchte einige Zeit um mich einzugewöhnen. Ich hatte Probleme mit der Stimmhöhe und -vibration. Mit der Erhöhung der Sprechgeschwindigkeit war es für mich besser.

Der Sohn des Oligarchen
Der Sohn des Oligarchenby Patrick Radden Keefehanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG