"Unser Haus mit Rutsche" erzählt die Geschichte der Autorin Layla, die sich in einer Krise befindet. Die Handlung wechselt dabei zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Dabei werden zum einen innerfamiliäre Konflikte, aber auch glückliche Kindheitserinnerungen thematisiert. Besonders deutlich wird hierbei auch die enge Bindung der Protagonistin zu ihrem Vater und im Gegensatz dazu die eher vorherrschende Distanz zu ihrer Mutter. Gleichzeitig wird aber auch aufgezeigt, wie geschichtliche Ereignisse einen Menschen verändern können.
Der Erzählstil ist dabei sehr angenehm. Er überfordert nicht sondern fließt einfach so dahin. Der Wechsel zwischen den Erzählebenen trägt zu einer Verdichtung der Handlung bei und trägt dazu bei, die Protagonistin besser zu verstehen. Die Charaktere wirken authentisch und komplex.
All das trägt zum Charakter des Buches bei.
„Unser Haus mit Rutsch“ ist ein wunderbares Buch zwischen Irak, Frankreich und Saarland.
Werbung | Rezensionsexemplar
“Unser Haus mit Rutsche” war eine der Neuerscheinungen, die ich bei meiner Recherche Anfang des Jahres direkt auf meine Liste gesetzt habt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich es als Rezensionsexemplar erhalten habe.
Wir folgen Laylas Leben. Immer wieder springen wir von ihrer Kindheit ins hier und jetzt. Finden heraus, wie die Frau von heute, sich aus der Familie ihre Kindheit entwickelt hat. Aus der Dynamik ihrer Eltern miteinander, über den doppelten Migrationshintergrund und über den (Nicht-)Glauben in ihrer Familie.
Layla ist eine spannende Protagonistin. Ihr Charakter entfaltet sich immer weiter, umso mehr man liest. Wir lernen sie als Kind kennen und als erwachsenen Frau - und diese beiden Bilder bewegen sich immer weiter aufeinander zu. Durch ihre kreativen Gedankengänge, liefert sie immer wieder spannende Bilder.
Das Buch hat sich so schnell gelesen. Der Text fließt dahin und Safia Al Bagdadi schafft es mit ihren Metaphern tolle Bilder hervorzurufen. Immer wieder bringt sie tollen Humor ein, der vor allem den kindlichen Charakter von Layla gut verdeutlicht.
“Unser Haus mit Rutsch” ist ein wunderbares Buch zwischen Irak, Frankreich und Saarland. Das die kindliche Perspektive auf gesellschaftliche Entwicklungen und politische Ereignisse und deren Auswirkungen auf die kindliche Psyche.
Für mich eine klare Empfehlung für alle, die gerne literary fiction mit Familiendynamik lesen.
Mit ihrem Roman „Unser Haus mit Rutsche“ erzählt Safia Al Bagdadi eine ebenso berührende wie klug komponierte Familiengeschichte über das Aufwachsen zwischen Kulturen – und darüber, wie brüchig die großen Versprechen der Kindheit sein können.
Im Mittelpunkt steht Layla, die Anfang der 1990er-Jahre in Saarbrücken aufwächst – als Tochter eines irakischen Vaters und einer französischen Mutter. Ihre Kindheit wirkt zunächst wie ein schillerndes Abenteuer: Der Vater ist ein charismatischer Träumer mit immer neuen, meist zum Scheitern verurteilten Geschäftsideen, der seiner Familie eine glanzvolle Zukunft ausmalt – irgendwo zwischen New York, Reichtum und einem Haus mit Rutsche in den Tigris. Die Mutter stammt aus gutbürgerlichen französischen Verhältnissen, hat sich davon emanzipiert, trägt aber dennoch die Spuren dieser Herkunft in sich.
Diese Konstellation erzeugt eine ganz eigene Dynamik: Zwischen Leichtigkeit und Chaos, zwischen Rebellion und Sehnsucht nach Zugehörigkeit entsteht ein Familienkosmos, der für Layla gleichermaßen faszinierend wie verwirrend ist. Besonders gelungen ist dabei die kindliche Perspektive, mit der viele Ereignisse zunächst naiv, fast humorvoll wahrgenommen werden – während sich für die Leser*innen nach und nach die Tragik dahinter entfaltet.
Der Bruch kommt schleichend, aber unausweichlich. Mit dem Golfkrieg dringt die politische Realität in das fragile Familiengefüge ein. Der Vater, zuvor ein lebensfroher Visionär, verändert sich zunehmend: Aus dem charmanten Geschichtenerzähler wird ein Mann, der an der eigenen Ohnmacht zerbricht, an seiner Herkunft, an der Distanz zur Familie im Irak und an unerfüllten Erwartungen. Für Layla bedeutet das den Verlust einer zentralen Figur ihrer Kindheit – und die schmerzhafte Erkenntnis, dass Eltern keine unerschütterlichen Helden sind.
Was diesen Roman besonders macht, ist seine Tonlage. Safia Al Bagdadi gelingt es, Humor und Tragik eng miteinander zu verweben. Es gibt viele komische, fast absurde Momente – etwa in den Begegnungen mit der französischen Verwandtschaft oder den überschwänglichen Plänen des Vaters. Gleichzeitig liegt unter all dem eine tiefe Melancholie, die sich immer stärker bemerkbar macht. Gerade diese Balance macht die Geschichte so eindringlich. Auch das Thema kulturelle Identität wird vielschichtig verhandelt. Layla bewegt sich zwischen verschiedenen Welten, ohne sich ganz zugehörig zu fühlen. Der Roman zeigt sowohl die Bereicherung als auch die Zerrissenheit, die dieses „Dazwischen“ mit sich bringt – ohne dabei in Klischees zu verfallen.
Sprachlich wirkt das Buch leicht und zugänglich, fast beiläufig – und entfaltet gerade dadurch eine große emotionale Tiefe. Die erwachsene Erzählinstanz, die immer wieder reflektierend eingreift, verleiht der Geschichte zusätzliche Ebenen und macht deutlich, wie sehr Kindheitserfahrungen nachwirken.
„Unser Haus mit Rutsche“ ist ein tragikomischer, warmer und zugleich schmerzhafter Roman über Familie, Herkunft und das Erwachsenwerden. Ein Buch, das zum Lachen bringt und im nächsten Moment still werden lässt.
Auch das von der Autorin selbst eingelesene Hörbuch kann ich wärmstens empfehlen! 💛
„Unser Haus mit Rutsche“ ist ein Roman, der mich vor allem durch seine ungewöhnliche Mischung aus Leichtigkeit und Schwere beeindruckt hat. Im Zentrum steht eine Protagonistin, die zwischen zwei Kulturen aufwächst – geprägt von einem irakischen Vater und den Spannungen, die diese Herkunft mit sich bringt. Besonders eindrücklich sind die frühen Kindheitsjahre: Der Vater erscheint zunächst als liebevoller, fast magischer Geschichtenerzähler, der mit seiner Fantasie eine schillernde, warme Welt für seine Kinder erschafft. Mit dem Beginn des Golfkriegs kippt diese Idylle jedoch spürbar, und seine Persönlichkeit verändert sich auf eine Weise, die die Familie zunehmend belastet.
Was mich beim Lesen berührt hat, ist diese feine Balance zwischen Tragik und Komik. Trotz der politischen und familiären Schwere schafft es das Buch immer wieder, Momente von Humor und Absurdität einzubauen, die sich sehr echt anfühlen – fast so, als wäre das Lachen eine Art Überlebensstrategie. Gerade diese tragikomische Erzählweise hat mir das Gefühl gegeben, der Protagonistin sehr nah zu sein.
Gleichzeitig hatte ich stellenweise das Gefühl, dass der Text sehr sprunghaft und fragmentarisch ist. Manche Szenen wirken eher wie Momentaufnahmen als wie eine durchgehend fließende Erzählung, was zwar stilistisch interessant ist, mich aber auch oft aus dem Lesefluss gerissen hat. Trotzdem passt diese Form irgendwie auch zur Geschichte selbst – zu den Brüchen in der Biografie und den widersprüchlichen Erfahrungen zwischen Kindheit, Familie und politischer Realität.
Insgesamt ist „Unser Haus mit Rutsche“ für mich ein eindringliches, persönliches Buch, das noch lange nachwirkt – gerade weil es sich nicht immer glatt lesen lässt, sondern an manchen Stellen bewusst sperrig bleibt.
Safia Al Bagadi erzählt hier eine von ihrem eigenen Leben inspirierte Geschichte über eine Kindheit in den 80er und 90er Jahren. Das Besondere an der Geschichte ist die Multinationalität der Familie, die im Saarland lebt, mit einer französischen Mutter und einem Irakischen Vater.
Die Protagonistin und Erzählerin Layla ist im Großteil des Romans im Grundschulalter, weshalb die Erzählung vieles aus kindlicher Perspektive betrachtet. Diese Sicht hat mich häufig zum Lachen gebracht und bringt vieles auf den Punkt. Ich liebe es zum Beispiel, wie das pikfeine Dinner bei der Großmutter mit dem Teekränzchen beim verrückten Hutmacher verglichen wird. Dadurch erhält die Geschichte viel Leichtigkeit. Durch Laylas reflektierte Retrospektive als Erwachsene erhält der Roman zusätzlich Tiefe.
Es gibt einige interessante Fakten zum Ersten Golfkrieg. Für mich kamen diese überraschend, aber absolut positiv überraschend. Gerade in der heutigen Zeit, in der es wieder Krieg in der Region gibt, fand ich die Informationen nicht nur hochinteressant, sondern auch wichtig und bedrückend. Die Ziele der Machthaber scheinen sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert zu haben. Weder im Irak/Iran, noch bei den westlichen Staaten.
Hier kam für mich mal wieder das richtige Buch zur richtigen Zeit. Ich kann nur eine Leseempfehlung aussprechen.
Ein Leben zwischen Paris, Saarbrücken und dem Irak
Auch, wenn das Cover eine spaßige Geschichte vermuten lässt, ist sie das nicht wirklich.
Layla erzählt autobiografisch davon, wie sie mit ihrem irakischen Vater, ihrer französischen Mutter und ihrem Bruder (den sie liebevoll nur „Seestern“ nennt) in Saarbrücken zwischen zwei Kulturen und damit Welten aufgewachsen ist.
Der Vater hat eine blühende Fantasie, mit der er seine Kinder regelmäßig mitreißt – seine eigenen Geschäftsideen sind in der Realität allerdings wenig erfolgreich. Und so bleiben auch all seine Versprechungen an Layla leere Worthülsen. Als 1991 der Golfkrieg ausbricht, verändert „Babe“ sich schließlich radikal.
Ich persönlich finde es immer sehr schwer, die Lebensgeschichte anderer Menschen zu bewerten, deshalb vergebe ich auch keine Sterne. Mir war das Buch ein wenig zu dialoglastig und die Sprünge zwischen den einzelnen Kapiteln haben für mich nicht immer funktioniert. Unterhaltsam (sofern ein tragikomischer Roman das sein kann) , aber nicht ganz rund irgendwie.
Was sich im ersten Moment sehr leicht liest, an vielen Stellen sogar humorvoll wirkt, ist im Ganzen gesehen doch eine sehr tiefgründige Geschichte.
Laylas Lebensgeschichte ist berührend, obwohl mir ihr Vater von Anfang an gegen den Strich ging. Ich konnte auch bis zum Schluss für mich keine plausible Entschuldigung für sein Verhalten finden. Auch nervte mich, dass die Mutter dem Treiben so lange zusah. Aber gut, anscheinend waren da doch noch Gefühle vorhanden.
Doch die Hauptperson ist ja Layla und sie glaubt ihrem Vater wenn er „Unser Haus mit Rutsche“ in leuchtenden Farben beschreibt. Ihr Aufwachsen zwischen zwei Kulturen wird von Safia Al Bagdadi ungeschönt dargestellt. Wenngleich ihre Kinderjahre unbeschwert verliefen, haben sie sie doch geprägt, wie die Erzählungen der Gegenwart erahnen lassen. Das Verhältnis zu beiden Elternteilen ist irgendwie speziell, zumindest im Teenageralter wurde es dies.
Ich bin der Autorin gerne durch die Jahre gefolgt, man kann die Sicht eines Kindes sehr schön erkennen. Dieses Nichtverstehen der Erwachsenenwelt und doch fühlen, wenn etwas nicht passt. Ein Roman der seine Tiefe erst auf den zweiten Blick erahnen lässt.