Zuallererst muss ich sagen, dass mich das Buch "Die Gräfin" von Irma Nelles in jeder Hinsicht positiv überrascht hat. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist fesselnd, authentisch und unglaublich lebhaft geschrieben. Ich konnte mich sofort mit den handelnden Personen identifizieren. Ihre Handlungen erscheinen mir zu der Zeit, in der der Roman spielt, sehr nachvollziehbar. Auch die Beschreibung der Landschaft finde ich außergewöhnlich, man fühlt sich beim lesen direkt an die Nordsee versetzt.
Den Schutzumschlag mit dem Pferd, dass durch das Watt galoppiert und die sanften Farben finde ich sehr passend. Der Buchdeckel an sich ist in einem dunkelblauen Karton sehr wertig und stabil gearbeitet. Allein das finde ich schon außergewöhnlich gut.
Im Roman geht es um die vom Alter schon etwas fortgeschrittene Gräfin Diana von Reventlow- Criminil, die für manche Personen sicher keine unbekannte ist. Ich hatte vor dem lesen des Buches auch schon von Ihrer Geschichte gehört, aber dies ist nicht zwingend notwendig. Durch diesen beispiellosen Roman lernt man Sie ein bisschen kennen.
Fazit: Auf jeden Fall von mir eine klare Leseempfehlung! Ein wunderbares Buch, dass ich auf jeden Fall noch einmal lesen werde.
Das Cover zeigt die Gräfin Diana wie sie den Engländer im Watt sucht.
Dianas Hund schlägt an und gibt keine Ruhe bis Diana ins Watt reitet und dort dann den englischen Piloten John findet.
Mit ihren Angestellten versteck sie den Fremden, aber sowohl der Engländer misstraut den Deutschen und diese dem Engländer.
Immer wieder wird Diana komisch und geistert durch ihr Haus und auch der Kutscher wird immer komischer.
Der Engländer will seine Vorgesetzten informieren das er noch am leben ist aber Diana lässt ihn nicht vom Hallig. Angeblich um ihn vor en Nazis zu schützen aber was der wirklich Grund ist erfährt man leider nicht.
Als dann der Kutscher weg ist taucht des Nachts ein weiterer Fremder auf und der will auch nicht damit rausrücken warum er auf der Flucht ist, denn er will sich wohl vom Kutscher bei der Flucht helfen lassen.
Wie und ob die beiden Fremden dann vom Hallig kommen erfährt man nicht.
Die Gräfin Diana gab es tatsächlich und sie soll wohl dem ein oder anderen bei der Flucht geholfen haben.
Was ich schade fand das immer wieder der Hallig beschrieben wurde und das immer wieder aus Sicht eines anderen, aber immer mit sehr ähnlichen Worten.
Genauso schade fand ich das man nicht raus bekommen hat was der 2. Fremde wollte und wieso er auf der Flucht war. Genauso fehlt mir das man nicht erfährt ob und wie die beiden vom Hallig gekommen sind.
“Am Horizont glitzerte Südfall im nassen Watt wie ein Kleinod auf Silberpapier. Je näher sie kamen, desto besser waren der dunkelgraue Schlick der Halligkante und die Wasserfarben zwischen vor Hitze ausgetrockneten Salzwiesen zu erkennen; und überall der dichte Teppich mit abwechselnd hellem, dann dunkleren, rosarot oder violett blühendem Strandflieder”. (S. 61)
“Die Gräfin” von Irma Nelles ist mit 169 Seiten wahrlich kein langes Lesevergnügen. Aber dafür ein umso intensiveres. Wie man schon an dem obigen Zitat erkennen kann, schreibt hier eine Person, die hier verwurzelt und der das Watt seit frühester Kindheit in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Autorin wurde 1946 auf Nordstrand geboren und ist auch dort aufgewachsen. Irma Nelles’ kondensierte Prosa atmet die Flora und Fauna dieses einmaligen Landstrichs, der so eigenwillig und abgelegen ist wie die Geschichte, die uns in “Die Gräfin” erzählt wird und die sich so wohl nur hier abgespielt haben könnte.
Die Handlung spielt an 6 Tagen im Spätsommer auf der Hallig Südfall und der angrenzenden Insel Nordstrand im Wattenmeer. Der zweite Weltkrieg liegt in seinen letzten Atemzügen und man munkelt bereits, dass der Krieg für die Deutschen verloren ist. Für die pazifistische Gräfin Diana von Reventlow-Criminil, die tatsächlich existiert hat (Lebensdaten 1863-1953), ist dies eine gute Nachricht. Die alleinstehende und freiheitsliebende Adelige lebt bereits seit 34 Jahren auf Südfall. Auf dem einzigen Anwesen des Eilandes leben mit ihr nur ihr Angestellter Maschmann, ein kauziger Nordfriese um die fünfzig und Meta, eine junge Frau, die sie nach dem Tod von deren Eltern als “Kostkind” aufnahm und die der alten Damen nun den Haushalt führt. Dieses ruhige Leben in der Einsamkeit des Meeres wird jäh unterbrochen, als der englische Kampfpilot John Philip Gunter auf dem Eiland abstürzt. Die Gräfin handelt sofort und lässt den verletzten Mann von Maschmann in ihr Zuhause schaffen, wo sie und Meta ihn gesund pflegen. Dies muss aber unter höchster Geheimhaltung geschehen, dann einen Feind zu unterstützen galt als Hochverrat. Doch der Aufenthalt des Bruchpiloten löst nicht nur Angstgefühle aus, im Gegenteil…
Generell habe ich immer eine große Scheu vor Romanen, die während des zweiten Weltkriegs in Deutschland spielen, da mich das Ganze doch immer sehr mitnimmt. Bei diesem Werk ist die Zeitgeschichte nur wie durch einen Schleier präsent. Die Gräfin verhilft - so wird es angedeutet - zahlreichen Menschen zur Flucht, verfügt sie doch durch ihren adeligen kosmopolitischen Stammbaum (sie ist halbe Schottin, ihr Bruder hat eine Engländerin geheiratet) durch zahlreiche Kontakte in alle Welt. Auch der Nordstrander Inselarzt Braack, der sich um den Verletzten kümmert, äußert oftmals in der Dorfkneipe seinen Unmut über das Naziregime.
Würden nicht die traurigen Schlagworte des zweiten Weltkriegs bzw des dritten Reiches wie Gestapo etc. durch die Handlung geistern und würde es sich statt eines Kampfpiloten um einen schiffbrüchigen Marineoffizier handeln, so könnte man meinen, ein Werk des 19. Jahrhunderts vor sich zu haben. Die Personen und ihre abgeschiedene Lebensweise mitten im Meer wirken wie aus der Zeit gefallen. Und stellenweise könnte man wirklich denken es mit einer Novelle von Theodor Storm und bei der Gräfin mit einer von Fontanes starken Frauenfiguren zu tun zu haben. Die Kennzeichen der klassischen Novelle kann man jedenfalls allemal abhaken: Eine “unerhörte Begebenheit” (Absturz der Piloten), eine überschaubare Anzahl an handelnden Figuren und die klassische Struktur. Als Leitmotiv würde ich das Flugzeug bezeichnen. Ich mochte die chronologisch-lineare Erzählweise sehr, da sie einen erholsamen Kontrast zum heute modernen “chaotischen” Erzählen darstellt. Vielleicht sollte noch darauf hingewiesen werden, dass Maschmann, den ich als Figur sofort ins Herz geschlossen habe, meist Plattdeutsch spricht und dass das für Unkundige schwer zu lesen ist.
Während ich sonst immer schnell dabei bin, Längen, Redundanzen und eine überambitionierte Seitenzahl in Romanen zu kritisieren, muss ich hier tatsächlich sagen, dass mir das Buch zu schnell vorbei ging. Kaum hatte man sich an die Charaktere gewöhnt und eine Beziehung zu ihnen aufgebaut, haben sie einen auch schon wieder verlassen. Dieses Gefühl der Wehmut, die sich angesichts des abrupten Endes einstellt, spricht aber für das Buch. Die Geschichte der Hallig-Gräfin ist so absonderlich und interessant, dass ich gerne noch viel mehr Lesezeit in diese Figur investiert hätte.
“Die Gräfin” ist ein melancholisches Buch über die Unbarmherzigkeit der Zeit und die Unmöglichkeit, seiner eigenen Chronologie zu entkommen. Für alle, die gern ruhigere Bücher mit einem überschaubaren Personal lesen und sich für das Leben auf einer Hallig interessieren, ist dieser Roman der leisen Töne genau die richtige Lektüre.
Gerade einmal einen Zeitraum von sechs Tagen im Leben der historisch verbürgten Hallig Gräfin Diana von Reventlow-Criminil, über deren Person zahlreiche Anekdoten überliefert sind, umspannt der Roman von Irma Nelles. Es ist der Sommer 1944 und im Wattenmeer vor der Hallig, auf die sich die Gräfin schon vor Jahren zurückgezogen hat, stürzt ein junger britischer Pilot ab.
Das Buch zeigt in einer fast zarten, unaufgeregten Sprache das Leben auf einer Hallig, auf der man ständig den Naturgewalten ausgesetzt ist und dessen Takt von Ebbe und Flut vorgegeben wird. Sehr bildhaft werden Land und Leute beschrieben, so dass man bei der Lektüre den stets vorhandenen Wind sowie das Rauschen der Wellen zu hören meint.
Ein ruhiges, stilles Buch, das trotz seiner wenigen Seiten großen Eindruck hinterlässt.
Mit ihren Debütroman Die Gräfin hat die Autorin Irma Heller eine echte Überraschung getroffen!
In einer guten, ruhigen und atmosphärischen Stimmung erzählt die Autorin einen kleinen Teil aus dem Leben der Gräfin, um der sich auch noch heute viele Mythen ranken, insbesondere dem Mythos, dass sie einen abgeschossenen britischen Piloten bei sich aufgenommen haben soll.
Und genau darum geht es in dem Buch, dessen Geschichte über 6 Tage jeweils in 6 Kapiteln aufgeteilt erzählt wird.
Man lernt die Gräfin besser kennen, insbesondere durch ihre Rückblicke in vergangene Zeiten bekommt man einen Einblick in ihr Leben. Und trotz, dass sie recht unnahbar und kühl erschien, war sie mir sehr sympathisch.
Ich habe sogar im Internet nach ihr recherchiert, da mich ihre Person an sich sehr interessiert hat. Deswegen passt das Buchcover hervorragend zu dieser außergewöhnlichen Frau und der Geschichte perfekt dazu.
Ebenso stellt die Autorin das Leben der damaligen Zeit sehr gut und anschaulich dar, besonders die Abschnitte mit der plattdeutschen Sprache, haben mir gut gefallen.
Am meisten aber hat sie die (zwischen) menschliche Beziehung der damaligen Zeit auf der Insel sehr gut dargestellt und das Leben einer sehr außergewöhnlichen Frau, die durch ihre Hilfsbereitschaft gerade denjenigen, die Hilfe benötigten, Hoffnung, Zuversicht und Halt geschenkt hat, trotz aller Gefahren.
Von dem Piloten hätte ich allerdings gerne etwas mehr erfahren, denn die Figur blieb mir insgesamt etwas zu blass, da viele Fragen unbeantwortet blieben.
Ein Buch mit einer Geschichte, die eigentlich 5 Sterne verdient hätte, aber leider endete diese für meinen Geschmack so abrupt und ich hatte das Gefühl, ich werde fallen gelassen.
Zum anderen hat mir der Anhang mit persönlichen Worten von der Autorin gefehlt. Es hätte mich so interessiert, welche Personen sie tatsächlich erlebt hat.
Dennoch ein sehr lesenswertes Buch.
Fazit:
Ein Roman, ganz stark geschrieben, der nur mit seinem abrupten Ende mich nicht 100% überzeugen konnte
4 Sterne
Das war toll! In einem Rutsch durchgelesen, weil ich sowohl die Geschichte als auch die beschriebene Atmosphäre auf der Hallig Südfall so fesselnd fand. Dass es die „Hallig-Gräfin“ wirklich gab, macht es nochmal authentischer. Einzig das Ende war mir zu abrupt…
Die Begegnung mit einem feindlichen Piloten, der 1944 vor der Hallig Südfall abstürzt, löst in der dort zurückgezogen lebenden achtzigjährigen "Hallig-Gräfin" ambivalente Gefühle aus. Zwischen den beiden entsteht allen Widerständen zum Trotz ein zerbrechliches Band.
Der Debürtroman von Irma Nelles versetzt einen in die Zeit des Misstrauens und der Angst während des zweiten Weltkrieges zurück. Dennoch ist es Nelles gelungen damit keinen klassischen Kriegsroman vorzulegen.
Die Geschichte mit ihren norddeutschen Stimmungsbildern und den Beziehungen zwischen des Protagonisten erzählt ganz im Gegenteil eine warmherzige Geschichte. Eine Geschichte, die einen erinnern lässt, dass gegenseitiges Vertrauen jeden Gruppen zusammenhält. Eine Geschichte, die zeigt, dass der wahre Eindruck mehr zählt als Vorurteile und vorgegebene Feindbilder. Wichtiger denn je - gerade in der aktuellen Zeit.
Mir hat beim Lesen besonders das Spiel mit den verschiedenen Sprachen der Figuren gefallen, der den Clash der Kulturen noch einmal unterstreicht. Ein wunderbar norddeutscher Roman, der einen animiert einen Hallig-Urlaub in Erwägung zu ziehen. Eine kurzweilige Kurzgeschichte, die wunderbar zum 5 ´o clock tea passt.
1944: Auf der abgeschiedenen Hallig Südfall nimmt die 80-jährige "Hallig-Gräfin" einen englischen Piloten auf, der mit seiner Maschine im Wattenmeer abgestürzt ist.
Dieser Roman hat mich als Norddeutsche von Beginn an in seinen Bann gezogen. Irma Nelles schafft es, die besondere Atmosphäre des Wattenmeers einzufangen, was bei mir sofort Erinnerungen an viele Urlaube an der Nordsee wachgerufen hat.
Der Schreibstil ist ruhig und unaufgeregt, was hervorragend zur norddeutschen Mentalität passt.
Die Charaktere sind eher wortkarg, die Handlung entwickelt sich langsam und mit Bedacht. Genau das fand ich passend, obwohl die Geschichte anders verläuft, als ich es anfangs erwartet hatte. Die Autorin greift viele Themen auf, wie die bewegte Vergangenheit der Gräfin, was ich interessant, aber teilweise auch etwas überladen fand.
Ein Highlight für mich waren die vielen Dialoge auf Plattdeutsch. Sie gaben den Figuren eine besondere Authentizität. Die Interaktion zwischen der Gräfin und dem Piloten hätte jedoch etwas intensiver sein können, besonders in Bezug auf die kritische Einstellung der Gräfin zum Krieg. Hier hätte ich mir mehr Tiefe und Auseinandersetzung gewünscht.
Die Erzählung erstreckt sich nur über wenige Tage und endet ziemlich offen. Das lässt Raum für Interpretationen, hat mich aber auch etwas ratlos zurückgelassen.
Insgesamt ist es ein sehr atmosphärisches und gelungenes Debüt, das mir trotz kleinerer Schwächen gut gefallen hat. Ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin.
Eine kurze Geschichte über einen englischen Piloten, der 1944 vor der Hallig Südfall abstürzt und das Leben der auf der Hallig lebenden Gräfin Diana von Reventlow-Criminil durcheinander bringt. Nett zu lesen, mir aber zu kurz und dadurch zu wenig ausgearbeitet. Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe