Es gibt Bücher, da kann ich eigentlich nichts dazu schreiben. Denn jedes von mir gewählten Wort, wäre zu wenig. Frau Shafak hat mich in eine Wort- und Geschichtenwelt geführt, die ich schon lange nicht mehr so gelesen habe.
Deshalb unbedingt, unbedingt lese.
London, 1840: Inmitten einer Gruppe von Mudlarkern wird ein Junge in eine arme Familie geboren. Noch weiß niemand, dass er ein Genie ist. Sie nennen ihn „King Arthur of the Sewers and Slums“.
Hasankeyf, Türkei, 2014: Das jesidische Mädchen Narin soll am Tigris getauft werden. Da die Zeremonie von einem Bagger unterbrochen wird, mit dem letzte Arbeiten vor der Flutung der Region im Rahmen des großen Staudammprojekts durchgeführt werden, beschließt die Großmutter des Mädchens, in den Irak ins Lalisch-Tal zu reisen, woher die Familie stammt, um die Zeremonie dort zu wiederholen.
London, 2018: Die Hydrologin Zaleekah zieht nach der Trennung von ihrem Ehemann in ein Hausboot an der Themse. Sie hat ihren Lebenswillen verloren.
Eines verbindet alle drei Personen: ein Tropfen Wasser, der einst auf dem Kopf des Königs Ashurbanipal von Assyrien landete und im endlosen Kreislauf des Elements nun auch mit ihnen in Berührung kommt.
Dieses war mein erstes Buch von Elif Shafak und hat mich von der ersten Seite an so begeistert, dass ich da deutliches Lieblingsautorinnenpotential sehe. Nicht nur interessiere ich mich brennend für das älteste erhaltenen Literaturwerk, das Gilgamesch-Epos, das in diesem Roman eine tragende Rolle spielt, mir haben auch die zugrundeliegende Idee, verschiedene Zeitpunkte und Schauplätze der Geschichte miteinander zu verbinden, sowie die sprachliche und erzählerische Umsetzung wahnsinnig gut gefallen. Elif Shafak versteht es meisterhaft, Themen und Charaktere miteinander zu verbinden, ohne dabei zu viele Fässer gleichzeitig aufzumachen. Wie sie unsere Protagonisten mit ihren jeweiligen tragischen Geschichten am Ende zusammenführt, hat mir sehr imponiert. Auch bin ich der Autorin dankbar, mir das Schicksal der Jesiden so lebendig ins Gedächtnis zu rufen. Der Genozid an dieser Bevölkerungsgruppe mit ihrer reichen Kultur ist, wie Shafak in ihrem Nachwort betont, noch nicht zu Ende. Und den Lesenden wird schmerzhaft bewusst, dass es nicht der einzige ist, dessen Zeuge wir heute werden. Inwiefern es wahrscheinlich ist, dass die Jesiden, wie angedeutet, die Nachfahren der alten Assyrer sein könnten, kann ich nicht beurteilen, ist aber ein weiterer kleiner Aspekt, der dieses Buch so faszinierend macht. Wie ich schon vorweggenommen habe, bin ich mit der Auflösung rundum zufrieden. Außerdem gehört der Roman zu jenen, die zu weiteren Recherchen und Lektüren inspirieren. Das Gilgamesch-Epos liegt in der Reclam-Ausgabe bereits für mich bereit und auch mit der Entdeckung und Übersetzung des Epos sowie Mudlarking und der Geschichte der geschichtsträchtigen Flüsse Tigris und Themse will ich mich näher beschäftigen.
Der Begriff „Meisterwerk“ ist hier angebracht. Unbedingte Leseempfehlung.
„Wenn sich jeder Mensch auch nur eine einzige Stunde in seinem Leben mit seinen Vorfahren treffen könnte, wäre die Welt sehr viel interessanter.“
Ein wunderbares Buch mit einer berührenden Geschichte, in der ich viel gelernt habe (Wikipedia war häufiger nebenbei geöffnet) und über die ich noch lange nachdenken werde. Eine Geschichte über die Verbundenheit verschiedener Generationen, Kulturen und Religionen und über das Gedächtnis des Wassers.
„Sein Gefühl, dass man die Menschen in drei Kategorien einteilen kann, verstärkt sich: Da sind diejenigen, die Schönes so gut wie nie sehen, auch wenn sie es direkt vor Augen haben, die-jenigen, die es nur sehen, wenn man sie darauf hinweist, und die seltenen Seelen, die es selbst dort entdecken, wo es verborgen ist und man es nicht erwartet.“
Mir hat das Buch im Prinzip gut gefallen. Die letzten 100 Seiten waren super spannend und die Ereignisse haben sich - nicht überschlagen - aber es war schon echt spannend. Die lange Mitte hat sich leider suuuuper gezogen.
Ich werde trotzdem weitere Romane diese Autorin lesen, weil ich sie als Person wahnsinnig spannend und stark finde.
Bewegend, aufwühlend, herzergreifend und lehrreich - wahre Weltliteratur
Ein wunderbares Buch, für dessen Beschreibung mir fast die Worte fehlen. Definitiv ein neues Jahres- wenn nicht sogar Lebenshighlight. In drei, zu unterschiedlichen Zeiten spielenden Lebensrealitäten, die jedoch auf so besondere Art und Weise durch einen Wassertropfen und einer Geschichte miteinander verwoben sind, erzählt die Autorin ergreifende Geschichten von Armut, Erfolg, Genozid, Unterdrückung, Hoffnung, Identität, Liebe und Umbruch. Keiner der drei Handlungsstränge ist weniger mitreißend und emotional, im Gegenteil. Es werden auf interessante und spannende Weise wichtige und zeitlose Themen aufgegriffen und aufgeklärt, wie der Genozid an den Êzîden, zerstörerische Eingriffe in die Natur, Klassendenken, Einwanderung und vieles mehr. Dies passiert jedoch ausnahmslos spannend, keineswegs belehrend oder langatmig. Eine Herzensempfehlung die ganz tief ins Herz geht, mich sicher nicht so schnell loslassen wird und die Sicht auf einige Dinge verändert.
muss das gelesene erst noch verdauen - ein wirklich tolles buch!!!!
- Gelesen im Rahmen der The 52 Book Club's 2026 Reading Challenge - Prompt 1: set in an ancient civilisation
Ich war wahnsinnig gespannt dieses Buch zu lesen. Ich hatte bereits ein anderes Buch von Shafak gelesen, von dem ich sehr begeistert war. Dementsprechend hoch waren also meine Erwartungen, die zu meinem Glück alles andere als enttäuscht wurden. Die drei Lebensläufe, die Shafak aufmacht und so scheinbar mühelos miteinander verwebt, ohne dass es aufgesetzt oder einen auf die Nase gebunden wird, ist wahnsinnig erfrischend. Man fiebert mit den Charakteren das ganze Buch lang mit und schließt sie ins Herz mit all ihren Höhen und Tiefen. Insbesondere das Wasser, welches ebenfalls zum Protagonist wird und so wie ein roter Faden durch die Geschichte führt, verbindet nicht nur die einzelnen Narrative, sondern erachte ich auch als sehr innovativ. Neben der schönen Art zu schreiben und den sprachlichen Bildern, in denen sich Wasser auch wiederholt widerspiegelt, wirft Shafak wie gewohnt wichtige Fragen auf. Zum Leben im allgemeinen und speziellen, zu dem westlichen Umgang mit Erinnerungskulturen, Museen, psychischen Krankheiten und Migration. Selbst in den letzten Seiten scheut sie sich nicht wahnsinnig aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen anzusprechen, die nochmal einen ganz neuen emotionalen Unterton und Horror mitschwingen lassen. (Auf die Themen werde ich aus Spoilergründen nicht näher eingehen)Die Sensibilität mit denen Shafak an die Themen rangeht und dass sie sogar diese am Ende des Buches nochmal einordnet, finde ich wirklich gut und wünsche mir, dass noch mehr Autor*innen sich daran ein Beispiel nehmen. Ich kann dieses Buch jedem*r nur ans Herz legen!
„Am Himmel, die Flüsse“ von Elif Shafak bleibt für mich weit hinter seinem Potenzial zurück: Die großen Themen Identität, Migration und Trauma werden angerissen, aber in einem überfrachteten, stellenweise kitschigen Erzählduktus erzählt, der mich emotional kaum wirklich erreicht hat.
Shafak versucht in dem Roman sehr viel auf einmal: eine multiperspektivische Familiengeschichte, politisch-historische Hintergründe, Migrations- und Minderheitenerfahrungen, dazu eine poetisch-mythologische Ebene. Auf dem Papier klingt das spannend, in der Umsetzung wirkt es jedoch oft überladen.
Figuren tragen gleich mehrere Traumata und symbolische Funktionen gleichzeitig, sodass sie eher wie Sprachrohre für Themen als wie echte Menschen wirken. Ihre Entscheidungen scheinen manchmal weniger aus innerer Logik als aus dem Bedürfnis nach „großer Bedeutung“ heraus motiviert, was mir das Mitfühlen erschwert hat.
Sprachlich schwankt der Text stark. Neben gelungenen, dichten Bildern finden sich viele Passagen, die pathetisch oder belehrend daherkommen. Pointierte Sätze werden so häufig wiederholt oder mit Metaphern zugeschichtet, dass sich eine gewisse Müdigkeit einstellt. Man merkt, dass der Roman „wichtig“ sein möchte – über Krieg, Verlust, Erinnerung, Zugehörigkeit –, aber statt diese Fragen im Erzählen zu entfalten, werden sie an mehreren Stellen recht didaktisch erklärt. Dadurch entsteht eher Distanz als Nähe.
Ein weiteres Problem ist das Tempo: Die Struktur mit Zeitsprüngen und Perspektivwechseln könnte eigentlich für Dynamik sorgen, führt hier aber teilweise zu Brüchen. Einige Szenen, die emotional tragen könnten, werden schnell abgehandelt, während andere Episoden sehr in die Länge gezogen werden, ohne wirklich neue Nuancen zu bringen. Besonders gegen Ende wirkt die Handlung konstruiert, fast so, als müssten lose Fäden gewaltsam zu einem „großen“ Schlussbild zusammengebunden werden.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass „Am Himmel, die Flüsse“ mehr behauptet als zeigt.
Die relevanten Themen sind ohne Frage da, doch sie werden in einer Mischung aus Symbolschwere, Kitsch und Erklärtext präsentiert, die mich eher auf Abstand gehalten hat. Wer Shafaks Stil und ihre große Geste liebt, kann trotzdem etwas daraus ziehen; ich persönlich fand den Roman unausgewogen, überfrachtet und emotional weniger eindringlich, als er selbst gern wäre.
WOW, One of the Best Books I have read in a while!
This book is mindblowing and extraordinarily written, the stories perfectly woven into each other all connected by a single drop of water...
This book is based on real historic events, different places and cultures. You will get to know the world of three different people and follow along their journey through the good and the bad.
Elif ist truly a gifted writer and I can highly recommend to really take some time and read this book.
Ein Buch das bleiben wird. Die Sprache ist poetisch, und mit vielen schönen Metaphern. Es geht um die Geschichte der Eziden, Geschichte Englands, Kulturraub und so viel mehr!
"Praise be to Nisaba"
"Is there such a thing as absolute hap-piness? Never-ending success? A perfect marriage? A quick fix to cure anxiety? We want to believe there is - just like Gilgamesh wanted to believe he could live forever. Then we're defeated, humbled. We learn to accept there'll always be something amiss, something broken, and unless we are kind to ourselves it won't change, this feeling of incompleteness."
So gerne gelesen! Das war mein erstes Buch, das in Mesopotamien spielt. Endlich habe ich etwas über die Jesidem gelernt. Und über das alte assyrische Reich wusste ich vorher auch nichts.
Und dann auch noch wundervolle Charaktere. Einfach super!
Rezension: Am Himmel die Flüsse von Elif Shafak
Am Himmel die Flüsse ist das zweite Buch, das ich von Elif Shafak gelesen habe. Und erneut bin ich tief beeindruckt. Nicht wegen lauter Effekte, nicht wegen emotionaler Manipulation, sondern wegen der außergewöhnlichen Feinheit, mit der dieses Buch ein brutales, kaum auszuhaltendes Thema trägt.
Shafak beschreibt den Völkermord des IS an den Jesiden, klar, präzise, ohne Pathos. Gerade diese Zurückhaltung macht die Wucht des Textes aus. Es wird nichts dramatisiert, nichts ausgeschlachtet. Und genau deshalb trifft es. Mehrfach musste ich weinen, nicht weil der Text darauf abzielt, sondern weil er es zulässt.
Das verbindende Element des Romans ist Wasser, als Träger von Erinnerung, als Gedächtnis über Generationen hinweg. Diese Idee wirkt zunächst ungewöhnlich, fast fremd, fügt sich aber vollkommen schlüssig in die Erzählung ein. Sie verleiht dem Roman Tiefe, Struktur und einen ruhigen Sog, der das Lesen zu einer intensiven, fast meditativen Erfahrung macht.
Was dieses Buch zusätzlich auszeichnet: Man lernt. Historisch, kulturell, menschlich. Auch das kenne ich bereits aus meinem ersten Shafak-Roman. Wissen wird nicht erklärt, sondern erzählt, eingebettet, selbstverständlich, respektvoll.
Am Himmel die Flüsse ist kein leichtes Buch. Aber es ist ein außergewöhnlich gutes. Klug, ruhig, präzise und von einer literarischen Haltung getragen, die selten geworden ist.
Klare Empfehlung.
"There Are Rivers in the Sky" is a beautifully crafted novel that masterfully weaves together three destinies through the thread of an ancient Mesopotamian poem. The narrative flows like water - constantly in motion, yet never forgetting its past. The author's prose is fluid and immersive, making the complex intertwining of stories feel both natural and compelling.
What makes this book truly stand out is its ability to ground these narratives in a tangible reality without ever breaking the story's spell. The characters, their struggles, and their triumphs feel authentic and deeply human, drawing the reader into a world that is both distant and surprisingly familiar. The way the past echoes the present is particularly powerful, creating a rich tapestry of emotion and human connection. It's a truly remarkable achievement in storytelling.
Menschen an mehreren Orten zu unterschiedlichen Zeiten, die die Geschichte miteinander verbindet. So wie Wasser verbindet; manchmal ein einzelner Tropfen, der seine Wege zieht. London, Irak, Türkei zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 2018 - kapitelweise springt man mit der Autorin durch die Zeit, was aber nie verwirrt.
Sehr schlimm waren die Beschreibungen der Gräueltaten des IS, besonders schön alle Erzählungen von Narin und ihrer Großmutter. Ein Wechselbad der Gefühle von Kapitel zu Kapitel.
Lehrreich (ich wusste erschreckend wenig über die Jesiden!), über weite Strecken richtig spannend und literarisch absolut in Ordnung. Einzig die Zusammenführung der Handlungsstränge ganz zum Schluss hat mich ein wenig enttäuscht oder zumindest wenig überzeugt. Alles in allem aber definitiv zu empfehlen!
This book has a lot of elements I've always loved.
The long interesting title, a sense of connection by art, history and costumes through generations and countries apart...
And I wasn't disappointed. I loved all the details which appear and disappear in each of the three stories: the lamassus, Gilgamesh and his myth, cuneiform symbols and of course water in all forms and colours.
In the beginning, the plot was a bit slow and it was not easy to understand where each "river" was flowing to but the more reoccuring details appeared the more connections were made and the more interesting it got.
I loved the immense number of themes which can be traced: Family and the feeling of being a stranger, being a native vs being an immigrant, the discussion of faith and fanatiscism, science and belief, memory and how memorables are stored and who they belong to...
The list is endless and I am sure that everybody has a different focus and experience while reading.
I especially liked the link to old stories and myths of Mesopotamia. It provides richness and often a different perspective.
Anyway, it is an emotional and worthy read and the stories are masterfully enwebed!
Das Wasser erinnert sich, nur die Menschen vergessen💧
Ein ganz besonderes Buch, in dem das Element Wasser im Mittelpunkt steht. Auf berührende Weise werden die Geschichten dreier Personen erzählt, deren Schicksale sich mit Wasser verbinden. Mal lebensspendend, mal bedrohlich, aber immer tief bewegend. Die Erzählweise ist fesselnd, die Figuren berühren und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Am Ende führt alles eindrucksvoll zum zentralen Motiv zurück: dem Wasser. Absolut empfehlenswert – ein Buch, das unter die Haut geht 🙏🥹
Es liegt schon Monate zurück, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich muss immer mal wieder daran denken. Die Geschichten haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Das wird definitiv ein Buch sein, dass ich irgendwann noch mal lesen werde. Definitiv ein Highlight, absolute Empfehlung!
Elif Shafak gelingt es, auf dieser Reise eines Wassertropfens durch die Zeit mit mehreren miteinander verbundenen Handlungssträngen ganz große Themen anzusprechen – die Besitzfrage von kulturellem Erbe, die Überzeugung europäischer Überlegenheit, die Gleichzeitigkeit von Bildung und Grausamkeit, die Zerstörung von Natur, Flüssen und Siedlungen, den Genozid an den Eziden damals und heute. Große Leseempfehlung für "Am Himmel die Flüsse".
I had really hoped I would love this book, but I didn't.
It's not that I didn't like parts of it. Quite the opposite: There were aspects that I loved so much, like the closeness to real lives and events and the insight into many eye-opening, thought-provoking topics and problems of the world. I got to know many new, unfamiliar perspectives into real people's lives and it was terrifying and necessary, I believe.
The characters were nice. I loved Arthur, who would probably get an autism diagnosis nowadays, and Zahleekah, who represents more than a handful of modern people. My heart broke for Narin and her family- some sentences from her perspective just made tear up, gasp out loud, or both.
And this is what annoys me so much. I wished so badly that the writing was better. Three points especially almost made me DNF:
Firstly, the overuse of enumerations that are up to half a page long and happen every other page. It made it hard to get into the feelings of the story and had to skip over many of them in order not to lose my thought.
Secondly, continuing from the first point, is that the connections and similes she used with water were so unnecessary sometimes that they punched me in the face with blatancy. Yes, obviously the main motiv is water, but not everything had to be compared to rain or the river. There were some truly beautiful messages and passages in this book, but most of them were kind of ruined by the "like a river that xy" or "the teardrop that has seen this and that". Just mentioning a single teardrop is obviously referring to the single teardrop from before, no need to get into too much detail (again!).
Lastly, a lot felt forced. I don't know how to describe it, but the connection between the three characters was both beautifully simple and boringly predictable. I wish there was more space for the characters to evolve outside of their one major plot. The depth of the characters, the topics, was not always tangible.
Unless anybody wants to read more about Arabic cultures and archaeology and climate change and LGBTQ+ and traumatizing scenarios in one book, I would not necessarily recommend it. I am glad I read it but I am also very glad to be finished finally.
Richtig toller Schreibstil. Besonders gefallen hat mir, dass das Buch an viele echte historische Gegebenheiten angelehnt ist. Ich finde Geschichte unglaublich interessant und habe beim Lesen sogar einiges dazugelernt.
Alle drei POVs waren interessant und sehr unterschiedlich. Das hat die Geschichte sehr vielschichtig gemacht.
Ich habe ein Interview der Autorin gelesen und fand diese Stelle besonders schön:
„Außerdem bin ich Feministin, für mich ist auch das Persönliche politisch. Ich mag aber jene Literatur nicht, die belehren möchte oder predigt. Ein Schriftsteller hat Fragen zu stellen, auch schwierige Fragen. Und der Leser hat eigene Antworten zu finden. Literatur bedeutet für mich: Freiheit, Vielfältigkeit, Nuancen.“
Genau solche Literatur gefällt mir.
Elif Shafak findet so tolle Worte und irgendwie auch immer die richtigen. Mich hat die Geschichte sehr berührt und ich fand es ganz wunderbar, wie kleinste Details immer wieder an verschiedenen Stellen im Buch bzw in den Jahrhunderten aufgetaucht sind.
Wow wow wow! 😱 Ein historischer Roman, der den Bogen vom antiken Mesopotamien ins heutige London spannt und dabei eine Vielfalt an Themen und Konflikten beinhaltet. So unfassbar gut, berührend, spannend & interessant! Jahreshighlight und eins meiner neuen Lieblingsbücher ✨
Shafak ist und bleibt einfach eine der genialsten Autoren der heutigen Zeit. Die Geschichte eines Wassertropfens und so viel mehr. Das Ende war wirklich hart zu lesen und ich denke, das Buch wird mir noch einige Zeit im Kopf herumschwirren.
Wasser dient als zentrales Element, das die Lebensgeschichten von Narin, Zaleekhah und Arthur symbolisiert – ähnlich wie die molekulare Struktur H2O, die in den Kapitelüberschriften widerhallt. Die verflochtenen Erzählungen spannen einen Bogen von der Geschichte des Gilgamesch-Epos über die bewegende Geschichte der Eziden bis zu aktuellen Ereignissen wie den Gräueltaten des IS. Dabei werden historische Schauplätze an den Ufern der Themse und des Tigris lebendig, während persönliche Schicksale und wissenschaftliche Erkenntnisse miteinander verschmelzen.
Trotz der poetischen Sprache und emotionalen Tiefe erweist sich das Buch als anspruchsvoll, da die vielen historischen Aspekte mir das Lesen erschwerten. Und obwohl ich nach den Büchern „Ehre“ und „Der Geruch des Paradieses“ ein großer Fan der Autorin bin, konnte mich dieser Roman leider nicht so sehr fesseln wie die anderen beiden.
Es geht um Vertreibung der Eziden und um die Verschmutzung der Flüsse. Durch alles zieht sich das Element Wasser als roter Faden und die Verflechtungen der Menschen, die entweder durch Hass oder durch Liebe eine Spur durch die Jahrhunderte legen. Drei Figuren [Narin, Zaleekhah, Arthur] verbinden sich über die Grenzen von Zeit und Raum hinweg und ergeben diese Geschichte.
Ein kraftvolles Stück Literatur, was den Leser auf eine emotionale Reise mitnimmt.
Elif Shafaks "Am Himmel die Flüsse" ist ein beeindruckendes Werk, das mich auf mehreren Ebenen fasziniert hat. Schon das Cover des Buches, mit seinen kräftigen Farben und der intensiven Ausstrahlung, hat mich sofort angesprochen. Wie bei den meisten ihrer Bücher spiegelt das Cover die Stärke und Lebendigkeit der Geschichte wider. Auch wenn ich persönlich die englischen Ausgaben oft noch etwas kraftvoller finde, passt das deutsche Cover hervorragend zum Inhalt.
“Am Himmel die Flüsse” erzählt die miteinander verwobenen Geschichten mehrerer Figuren, die sich über verschiedene Zeiten und Orte erstrecken. Im Zentrum stehen Themen wie Verlust, Migration, Identität und die Auswirkungen von historischen Ereignissen auf das Leben der Menschen.
Die Geschichte folgt unter anderem Arthur, einem talentierten und leidenschaftlichen Mann, der trotz vieler Widrigkeiten seinen eigenen Weg geht, sowie Zaleekha, die gegen ihre inneren Dämonen kämpft und durch die Unterstützung von Freunden neue Kraft schöpft. Narin, ihre Großmutter, und andere Charaktere bringen historische und kulturelle Tiefe in die Erzählung, wobei alte Legenden, Migrationserfahrungen und die Konfrontation mit Krieg und Gewalt thematisiert werden.
Inhaltlich hat mich die Geschichte von Anfang an gefesselt. Shafak verwebt die Schicksale der Charaktere meisterhaft miteinander. Anfangs hatte ich Bedenken, dass der ständige Wechsel der Perspektiven und Erzählstränge verwirrend sein könnte. Doch das Gegenteil war der Fall: Die Wechsel sind gut durchdacht und ermöglichen es dem Leser, die Komplexität und Tiefe der Geschichte voll zu erfassen.
Alle Charaktere waren für mich realistisch gezeichnet und haben sich gut in das Gesamtkonzept der Geschichte integriert. Mit einigen Charakteren konnte ich früher zusammenfinden als mit anderen und natürlich sympathisiert man nicht mit allen gleichermaßen.
Besonders beeindruckt hat mich die Figur des Arthur, dessen Geschichte mich tief berührt hat. Seine Fähigkeit, sich trotz schwieriger Umstände durch seine Leidenschaft und seine "Besonderheit" weiterzuentwickeln, macht ihn für mich zur stärksten Figur im Buch. Shafak zeichnet ihn mit einer solchen Tiefe und Authentizität, dass ich ein ganzes Buch nur über ihn lesen würde.
Elif Shafaks Schreibstil ist ebenfalls bemerkenswert. Trotz der Detailfülle und der teils poetischen Sprache bleibt er gut lesbar und zugänglich. Die Autorin schafft es, ernste Themen wie Geisteskrankheiten, die „Andersartigkeit“ von Immigranten oder die dunklen Seiten der Geschichte (und Gegenwart!) eindringlich und authentisch darzustellen. Dabei gibt es viele Passagen, die zum Nachdenken anregen und den Leser noch lange beschäftigen.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt jedoch die manchmal etwas zu gewollt wirkende Verknüpfung der Charaktere und Ereignisse mit dem Thema „Wasser“. An manchen Stellen fühlten sich die Verknüpfungen zu konstruiert an, was für mich nicht immer notwendig war, um die Geschichte eindringlich zu machen.
Insgesamt ist "Am Himmel die Flüsse" ein kraftvolles Stück Literatur, das den Leser auf eine emotionale Reise mitnimmt. Shafak beleuchtet die menschliche Psyche und gesellschaftliche Themen mit einer Tiefe, die noch lange nachhallt. Das Buch fordert heraus, weckt Empathie und regt dazu an, über die eigene Rolle in der Welt nachzudenken. Eine eindrucksvolle Lektüre, die ich nur empfehlen kann.
Ein Jahreshighlight.
Trotz der Schwere der Themen schafft Elif Shafak ein poetisches sinnliches Meisterwerk. Einfühlsam und trotzdem nicht beschönigend. Informativ und trotzdem spannend. Ein fesselnder Roman, der auf verschiedenen Ebenen spielt und zeigt, dass wir alle miteinander verbunden sind.
Ich liebe ihre Sprache und hätte mir hunderte Zitate aus diesem Buch herausschreiben können. Es wird nicht das letzte Buch von ihr sein, dass ich lese!
Klare Leseempfehlung!
Fesselnde Geschichten, die miteinander verbunden sind...
Es geht in diesem Buch um vier Geschichten die in verschieden Jahren ca. 640 v. Chr. (Dies ist die Grundvorgeschichte), viktorianisches Zeitalter (ab 1840) und moderne(2014 + 2018) stattfinden, jedoch alle miteinander verbunden durch verschiedene Themen wie die Bedeutung von Wasser, Flucht, Herkunft/Religion.
Diese Geschichten werden nicht der Reihe nach, sondern immer wieder abgewechselnd erzählt, die in verschiedene Abschnitte unterteilt sind.
Besonders schön fand ich die Gegenstände oder Orte, die in den Geschichten als Verbindungspunkte genutzt wurde.
Man erhält Einblicke in die Erlebnisse von einer Minderheit und Geflüchteten, wie diese benachteiligt oder sogar schlimme Schicksale erleiden müssen.
Ein wirklich beeindruckendes literarisches Werk, das die Geschichten dreier Protagonisten über verschiedene Epochen und Kontinente hinweg miteinander verwebt.
Das Wasser dient als zentrales Motiv, um die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu thematisieren. Ein einzelner Wassertropfen verknüpft die Schicksale der Figuren miteinander.
Besonders lebendig fand ich die Figur des Arthurs, welche an eine nicht fiktive Person angelehnt ist
Einfach unfassbar traurig die Geschichte der Jesiden. Shafak gelingt es, die Verfolgung dieses Volkes eindrucksvoll zu schildern und auf ein tragisches Kapitel der jüngeren Geschichte aufmerksam zu machen.
In drei Handlungssträngen erzählt Elif Shafak, die Geschichte des Zweistromlandes, der Jesiden, der Keilschrift und dadurch auch die kulturelle Ausbeutung für westliche Zwecke und die Verfolgung und Unterdrückung eines Volkes bis hin zum Genozid. Auf der Zeitebene gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Geschichte von Arthur Smith erzählt, im Armenviertel von London geboren, einer von Hunger, Gewalt und Cholera, bedrohten Kindheit, kann er sich aber aufgrund einer besonderen Gabe (fotografisches Gedächtnis) und seiner Leidenschaft für den Nahen Osten bis zum Archäologen im British Museum hocharbeiten. Berühmt wird er durch die Entschlüsselung der Keilschrift, wodurch ihm eine Forschungsreise an den Tigris möglich wird. Die zweite Zeitebene spielt 2014 am Tigris und erzählt die Geschichte von Narin und ihrer Großmutter, die kurz vor dem drohenden Genozid durch den IS, versuchen, ins heilige Lalis-Tal zu gelangen. Zur selben Zeit versucht in London die Wasser-Wissenschaftlerin Zaleekah zu erforschen wie sich der Klimawandel auf das Wasser auswirkt und ob Wasser ein Gedächtnis hat.
Verbunden sind die drei Protagonisten und Handlungsstränge eben durch diese Elixier Wasser und den Gilgamesch-Epos, der für alle drei eine Rolle spielt.
Grandios erzählt, zum versinken, mit echter Sogwirkung.
Ich habe viel gelernt über Wasser, die Keilschrift, das Besondere Volk der Jesiden und leider auch darüber, wie grausam der Mensch sein kann . Natürlich habe ich in den Nachrichten von den Verbrechen der IS gehört, aber literarisch darüber zu lesen hat es viel tiefer in mein Bewusstsein gebracht.
Absolute Leseempfehlung.
Was für ein besonderes Buch. Shafak lässt die Metaphorik eines Wassertropfens, Wasser im Allgemeinen, durch drei Erzählungsstränge fließen, die diese Geschichten mit einander verweben und es so schafft ein kulturelles Erinnern und Reflektieren auf verschiedenen Ebenen zu erzeugen.
Es fiel mir schwer in die Geschichte hinein zu finden. Drei verschiedene Erzählebenen werden miteinander verwoben. Für meinen Geschmack wurden auch zuviele Themen angerissen und das Buch hatte einige Längen, ich war mehrmals versucht abzubrechen. Leider nicht meins, schade hatte mir mehr von der Geschichte versprochen.
Viele eindringliche Themen werden in diesem Roman aufgegriffen, der Genozid an Jesiden, moderne Sklaverei und Organraub, Hydrologie, historische Themen wie Armut im 19 Jhh in London oder
Mesopotamien, geschickt verknüpft und beeindruckend erzählt. Durch die 3 Handlungsstränge war der Lesefluss für mich manchmal gestört.
Die Autorin erzählt die ungehörte Geschichte, der Jesiden. Sie erzählt die Geschichte von Genoziden und Verfolgung, von Ausbeutungen und Ausnutzen.
Eingerahmt in die Geschichte von Wasser, in einer poetisch, kraftvollen, Sprache. Leider fließt die Handlung oftmals nur sehr dahin.
Gibt es eine größere Adelung für ein Buch als jene, dass es in der Lage ist, die Schritte und Wege des Lesenden zu verändern? Denn wahrscheinlich hat dieses Buch still und heimlich Einfluss auf unsere Reiseroute genommen ohne, dass ich es anfangs groß bemerkt hätte...
https://vivaperipheria.de/2024/11/10/pro-land-ein-buch-am-himmel-die-fluesse/
Elif Shafaks „Am Himmel die Flüsse“ ist ein kunstvoll verwobenes Mosaik aus Vergangenheit und Gegenwart, das die Geschichten dreier Protagonisten an den Ufern der Flüsse Mesopotamiens erzählt. Arthur, ein britischer Archäologe des 19. Jahrhunderts, begibt sich auf die Suche nach den Geheimnissen des antiken Mesopotamiens. Seine Entdeckungen sind nicht nur archäologisch, sondern auch spirituell – besonders seine Begegnung mit Leila, einer Wahrsagerin, prägt ihn zutiefst. In seiner Sehnsucht, die Vergangenheit zu verstehen, wird Arthur jedoch mit den Grenzen menschlicher Erkenntnis und den Schatten der Kolonialzeit konfrontiert.
Parallel dazu erleben wir die Geschichte von Narin, einem Wunderkind, das durch den IS aus ihrem behüteten Leben gerissen wird. Inmitten von Krieg und Versklavung verliert Narin ihre Familie und fast ihre Menschlichkeit. Doch ihre Stärke bleibt, verborgen unter Schichten von Schmerz und Verlust, bis sie gerettet wird. Zaleekhah, die moderne Wissenschaftlerin, kämpft mit ihrem eigenen Trauma: dem Verlust ihrer Eltern, der Zerstörung der Umwelt und der existenziellen Frage nach dem Wert des Lebens in einer auseinanderbrechenden Welt. Auf ihrer Suche nach Heilung – für sich selbst und die Umwelt – entdeckt sie eine tiefe Verbundenheit zu Narin und setzt alles daran, sie aus der Gefangenschaft zu befreien.
Shafak gelingt es, in diesem Roman große historische und philosophische Fragen auf einer sehr menschlichen Ebene zu verhandeln: Wie beeinflussen Verlust und Erinnerungen unser Leben? Wie überleben Menschen trotz Krieg, Zerstörung und persönlicher Tragödien? Der Fluss, das zentrale Symbol des Romans, steht nicht nur für die Kraft der Natur, sondern auch für den unaufhörlichen Fluss von Zeit und Geschichte, in dem alles miteinander verwoben ist. „Am Himmel die Flüsse“ ist eine Ode an die Resilienz der Menschlichkeit, die über Zeit und Raum hinausgeht. Ein Werk voller Poesie, das uns erinnert, dass die Narben der Vergangenheit immer Teil unseres gegenwärtigen Selbst bleiben.
Dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt: eine faszinierende und fesselnde Geschichte, auf drei Erzählebenen angesiedelt, die sich in einem gemeinsamen Ende schlüssig verbinden. Begleitet von erschütternden Details aus der jüngsten Geschichte des „Zweistromlandes“ entwickelt sich ein Erzählsog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ein absolut mitreißendes Buch!!!
Highlight! Was für ein großartiger Roman, welch poetische Erzählkunst - an dieser Stelle ziehe ich meinen Hut auch vor der Übersetzerin (Michaela Grabinger)! Ich habe so viel Neues gelernt über Mesopotamien, das Element Wasser und das Gilgamesch-Epos. Trotz vieler sehr schwer auszuhaltender Themen liest es sich wundervoll und die Sprecherin wurde für diese Geschichte perfekt ausgewählt! Dies war mein erster und wird sicher nicht mein letzter Roman der Autorin sein - grandios!
Ich bin ein Elif Shafak-Fangirl. Ich weiß immer ganz genau, worauf ich mich bei Shafak einlasse. Sehr poetische Sprache, märchenhaft erzählt, manchmal kommt sie dem Kitsch ziemlich nah und schafft es doch nicht kitschig zu werden und immer wieder lerne ich durch Elif Shafak neues dazu. Oft erzählt sie Geschichten von Minderheiten, über die Tiefen zwischenmenschlicher Beziehungen und zeigt mir immer wieder auf, wie Vergangenheit und Gegenwart zusammenhängen. Außerdem schafft sie es, dass ich ganz viel Empathie für ihre Figuren empfinde. Ich fühle mich beim Lesen von Shafaks Büchern immer wieder an die Sommerabende mit meiner Oma hinterm Haus zurückversetzt, wenn diese mir Geschichten erzählte, die sehr mystisch klangen und doch auch Wahres in sich trugen. Manchmal beängstigend und doch verzaubernd.
Genau so ging es mir auch mit diesem Buch. Auch hier werden geschichtliche Ereignisse so märchenhaft erzählt, dass ich zwar einen Roman lese und trotzdem einiges dazulerne.
Elif Shafak schafft es durch das Element Wasser über Tausende von Jahren an Geschichte miteinander zu verbinden. So landet ein Regentropfen in Ninive und erzählt mir vom schrecklichen König Assurbanipal, den ich bis dahin nicht kannte. Dieser Regentropfen wandert durch die Zeit, verändert seine Form, verknüpft auf magische Weise die Leben von Arthur, Narin und Zaleekhah. Über drei Zeitebenen erzählt, erfahre ich etwas über das Zweistromland Mesopotamien, wie stark dieses Gebiet von den Flüssen Euphrat und Tigris geprägt ist, lerne die Traditionen und Kultur der Jesiden (Eziden) kennen und durchlebe einiges in London ab dem Jahre 1840. Ich erlebe, wie obsessiv Arthur versucht, die Keilschrift zu entziffern, das Gilgamesch-Epos zu übersetzen und sich erst im Osmanischen Reich, in einem Dorf der Jesiden, wohl fühlt. Nebenbei lerne ich durch Zaleekhah einige wissenschaftliche Fakten über das Wasser, von „verlorenen Flüssen“, erfahre, dass Dankbarkeit Liebe verschlingen kann, wie stark Depressionen das Weiterleben erschweren können und wie schön eine neue Verbindung sein kann. Und ich merke durch Narins Großmutter, wie heilig das Lalisch-Tal im Irak für die Jesiden ist und der respektvolle Umgang mit der heiligen Erde.
Zum absoluten Highlight hat es nicht ganz gereicht, da ich an einigen Stellen Schwierigkeiten hatte voranzukommen, so war mir das ein oder andere Kapitel ein wenig zu lang und doch ist es sehr nahe dran. Es hat sich auf jeden Fall wie Heimkommen angefühlt. Aber Vorsicht, wir müssen als Leser*innen auch in die tiefsten Abgründe der Menschheit blicken, das ist nicht für alle gut zu ertragen.
S.13 „Denk an den Tropfen, so unbedeutend er verglichen mit dem riesigen All erscheinen mag. Das Innere der winzigen Kugel birgt das Geheimnis des Unendlichen, ihre ureigene Geschichte.“
S.44 „So wie eine Schneeflocke oder ein Hagelkorn - wie Wasser in jeglicher Form - sich immer erinnern wird, kann auch er nicht vergessen.“
S.228 „Man darf die Erde, die Luft und den Fluss niemals beschmutzen. Deshalb spucke ich nie auf den Boden, und du sollst das auch nicht tun.“
S.428 „Immer wieder kehrt sie in Gedanken zu einer angsteinflößenden Frage zurück, stößt sie an wie einen schmerzenden Zahn mit der Zungenspitze: Was wird ein Feind, der Wasser vergiftet und Bäume verbrennt, Menschen antun?“
Das Buch ist auf realen historischen Ereignissen und Menschen inspiriert!!!
Melancholie!!
Es war eine sehr tiefe, philosophische und mitnehmende Reise - ist sie immer noch. Es lässt einen nicht los. Es adressiert Ninive eine antike Stadt des alten Mesopotamiens. Es adressiert den (noch immer vorhandenen) Genozid an den Eziden. Adressiert eine reale Person aus London, dessen Herz aufging bei der Geschichte Mesopotamiens und dessen Keilschrift entziffern konnte. Das Buch beinhaltet auch Bilder bzw. Illustrationen wofür ich sehr dankbar bin.
Das Buch ist sehr poetisch und tiefgründig. Nimmt einen mit in einer Welt von dreckigen Umständen in London bis hin zu einer längst vergessenen Spiritualität in Ninive. Es hat ein bisschen gedauert, das Buch zu Ende zu lesen. Aber es hat sich trotzdem gelohnt. Ich respektiere die Autorin Elif Shafak, da sie ausführliche Recherchen, Interviews und Erfahrungen gesammelt, um dieses Buch zu verwirklichen. Es ist pures Fleiß, Ehrgeizig und Leidenschaft - der Charaktere im Buch als auch der Autorin selbst. Man lernt sehr viel über historische Themen sowohl über (unterirdische) Flüsse und ihre Bedeutung und ihren Wert.
Die Geschichte nimmt mit, ist aber wahr und authentisch. Die wird man nicht so leicht vergessen. Am Ende siegt der Ursprung des Menschen, der Erde, des Ganzem - das Wasser und sein Gedächtnis.
Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll. Dieses Buch hat mich tief bewegt und lässt mich atemlos zurück.
Es war mein erstes Buch von Elif Shafak, und was soll ich sagen? Ihre anderen Werke stehen bereits auf meiner Wunschliste. Die intensive Recherche, die in diesen gewaltigen Roman geflossen ist, und die Fähigkeit, all diese Details in eine herzzerreißende und zugleich tief berührende fiktive Geschichte zu verweben, ist schlichtweg beeindruckend.
Der Schreibstil von Shafak ist so bildhaft und fließend, dass man sich direkt in die Handlung hineingezogen fühlt. Immer wieder überrascht sie mit poetischen Sätzen und Lebensweisheiten, die zum Nachdenken anregen und die ich mir sofort notiert hab, wie z.B. „Man darf nie aufhören, über die Erde zu staunen, denn die Erde ist voller Wunder, die man noch nicht erlebt hat.“
In diesem Buch werden auf faszinierende Weise die Biografien dreier Personen erzählt, die am Ende zusammenfinden. Diese drei Charaktere leben in unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten, alle mit ihren eigenen Kämpfen und Herausforderungen. Die Erzählung ist durchzogen von bedeutenden politisch-historischen Ereignissen wie der Verfolgung der Jesiden oder der Entdeckung des Gilgamesch-Epos. Diese Aspekte haben meinen Horizont erweitert und mir viele neue Einblicke verschafft. Zudem stellt das Buch tiefgehende Fragen zum Umgang mit antiken Kunstwerken und kulturellem Erbe: Wem gehören diese Schätze? Wer hat das Recht, sie auszustellen oder für sich zu beanspruchen?
Ein zentrales Motiv des Buches ist das Wasser, das als Symbol für den unermüdlichen Kreislauf des Lebens dient. Der Weg eines Wassertropfens zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und begleitet die Protagonisten auf ihrem Weg. Shafak verdeutlicht, dass die Klimakrise im Grunde eine Wasserkrise ist. Der jahrhundertelange, rücksichtlose Umgang der Menschen mit den Flüssen, der in verschiedenen Zeitsträngen und an unterschiedlichen Orten immer wieder zum Thema wird, stellt die Charaktere vor spürbare Herausforderungen.
Das letzte Drittel des Buches war besonders schwer und verstörend zu lesen. Ich musste oft innehalten, da man sich wünscht, dass diese Ereignisse nicht auf realen Begebenheiten beruhen. Trotz dieser Schwere war das Buch für mich eine wertvolle Leseerfahrung, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, möchte jedoch darauf hinweisen, dass es keine leichte Lektüre ist. Einzig das Ende wirkte leicht gehetzt.
Ein wichtiger Hinweis: Bitte unbedingt die Triggerwarnung beachten.